
24. Februar 2026 in Deutschland
Kardinal Woelki bei DBK-Vollversammlung: „Das gemeinsame Bemühen, Gottes Willen zu erkennen und zu tun, kann nur gelingen, wenn es gemeinsam in Einheit mit Petrus und eingeordnet in Zeugnis der Heiligen Schrift und den Glauben der Kirche geschieht.“
Würzburg (kath.net/DBK) „Das gemeinsame Bemühen darum, Gottes Willen zu erkennen und ihn zu tun, kann nur gelingen, wenn es – wie bei der Versammlung in Jerusalem, die Matthias zum Apostel bestimmt – gemeinsam in Einheit mit Petrus und eingeordnet in das Zeugnis der Heiligen Schrift sowie in den Glauben der Kirche geschieht.“ Das mahnt der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bei der Morgenmesse der DBK an.
kath.net dokumentiert die Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) in der Eucharistiefeier zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 24. Februar 2026 in Würzburg in voller Länge:
Fest des Apostels Matthias
Liebe Schwestern, liebe Brüder,
das Grab des Apostels Matthias ist das einzige Apostelgrab, welches nördlich der Alpen gelegen ist. Der Legende nach hat die hl. Helena, Mutter des Kaisers Konstantin, die Reliquien des Apostels in die einstige römische Kaiserstadt Trier bringen lassen, wo er bis in die Gegenwart hinein eine große Verehrung erfährt. Sein Festtag heute ist für uns Bischöfe in besonderer Weise Erinnerung, Mahnung und Einladung, in der Einheit mit der Weltkirche und dem Nachfolger des hl. Petrus zu bleiben.
In der ersten Lesung haben wir eben gehört, wie Matthias in den Kreis der zwölf Apostel aufgenommen wird. Fast scheint es, als hätten die Apostel uns ein Musterbeispiel synodaler Beratungen hinterlassen. Sie sind versammelt mit Petrus an der Spitze. Etwa 120 Brüder sind anwesend – also keineswegs etwa nur jene elf nach dem Verrat des Judas Iskariot verbliebenen Apostel. Vielmehr ist der Kreis derer, die beraten und beten, deutlich größer. Petrus eröffnet die Beratungen, und über das Psalmwort „Ein anderer soll sein Amt erhalten!“ ordnet er den Vorgang der Nachwahl eines Ersatzmannes für Judas Iskariot in das Zeugnis der Schrift und des Glaubens Israels sowie der – noch ganz jungen – Kirche ein. Aus dem Wissen um das Leben und Wirken Jesu leitet er auch ab, dass nur einer der Männer, „die die ganze Zeit mit uns zusammen waren“, infrage kommt, um die apostolische Sukzession fortzusetzen und in den Kreis der Zwölf aufgenommen zu werden. Darüber scheinen sich alle einig gewesen zu sein. So werden denn zwei Männer, auf die das offenbar zutraf, nominiert. Allerdings wird dann nicht einfach abgestimmt und eine potenziell unterlegene Minderheit hatte sich dann dem Ergebnis der Wahl unterzuordnen. Nein, zuerst beten sie miteinander! Sie beten gemeinsam darum, dass Gottes Wille offenbar werden solle. Und daran – an den Willen Gottes und nur an diesen – binden sie ihre Entscheidung. „Herr, zeige, wen von beiden du erwählt hast.“ Oder allgemeiner: „Herr, offenbare du deinen Willen für deine Kirche.“
Das, liebe Schwestern, liebe Brüder, ist der Kernsatz aller Synodalität. Die Einheit der Apostel, die mit der Wahl des Matthias wiederhergestellt ist, ist das Fundament für die Einheit der Kirche. Sie ist nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengung, sondern Geschenk des Heiligen Geistes, das im Hören auf das Wort Gottes und im gemeinsamen Gebet empfangen wird. Dieses gemeinsame Hören auf den Geist Gottes geschieht nicht im luftleeren Raum. Das gemeinsame Bemühen darum, Gottes Willen zu erkennen und ihn zu tun, kann nur gelingen, wenn es – wie bei der Versammlung in Jerusalem, die Matthias zum Apostel bestimmt – gemeinsam in Einheit mit Petrus und eingeordnet in das Zeugnis der Heiligen Schrift sowie in den Glauben der Kirche geschieht. Die Kirche lebt aus der Verheißung, dass der Geist Gottes sie so in die Wahrheit führt und in der Einheit bewahrt.
Das Evangelium, das wir heute gehört haben, unterstreicht noch, wie sehr die Einheit der Jünger mit ihm und untereinander dem Willen – ja sogar dem Wesen – Gottes entspricht, der in der Trinität ganz Einheit und liebende Beziehung ist. Jesus selbst sagt seinen Jüngern: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 15,9). Die Liebe, von der hier die Rede ist, ist nicht abstrakt, sondern konkret erfahrbar in der Gemeinschaft der Kirche und ausgedrückt in ihrem Glauben und Zeugnis. Sie gründet im untrennbaren Verhältnis Jesu zum Vater und setzt sich durch den Dienst der Apostel fort bis heute. Die Einheit der Kirche hat in dieser Liebe ihren Ursprung und ihr Ziel. Sie ist nicht zuerst eine bestimmte Organisation oder Struktur, sondern sie ist geistliche Wirklichkeit. Jesus fordert seine Jünger daher auf, unter allen Umständen und zu allen Zeiten in dieser Liebe zu bleiben, sie zu bewahren und zu bezeugen. Denn seine Worte machen deutlich, dass die Einheit der Kirche nicht durch äußere Maßnahmen gesichert werden kann, sondern ausschließlich durch das Bleiben in seiner Liebe. Die Liebe Jesu aber hat ihr Maß in seiner Hingabe. Sie ist nicht beliebig, sondern sie drückt sich aus in der Einheit der Kirche, die ohne Unterlass gemeinsam nach dem Willen Gottes forscht und an ihm ihr ganzes kirchliches Handeln und Zeugnis ausrichtet. Amen.
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