
1. April 2026 in Weltkirche
Fotos, die den damaligen Augustinerpater Robert Prevost bei einem Pachamama-Ritual zeigen, sind kein Beweis für Götzendienst. Man müsse zwischen Geste und Intention unterscheiden, betont Rainaldo Nann.
São Paulo (kath.net/jg)
Ein ehemaliger Bischof hat Papst Leo XIV. gegen Vorwürfe verteidigt, dieser habe in der Vergangenheit an Akten indigener Anbetung teilgenommen. Der Vorfall dreht sich um eine Fotografie aus dem Jahr 1995, die den damaligen Augustiner-Missionar Robert Prevost (heute Papst Leo XIV.) kniend während einer Zeremonie in São Paulo (Brasilien) im Kontext einer Spiritualität der Anden zeigt, berichtet The Catholic Herald.
Der deutschstämmige ehemalige Bischof Reinaldo Nann, der von 2017 bis 2024 als Bischof in Peru tätig war, veröffentlichte am 22. März 2026 einen Beitrag auf der Plattform Religion Digital. Darin erklärt er: Der damalige Missionar Robert Prevost „ist kein Götzendiener und hat Pachamama nicht angebetet“. Nann bestreitet nicht die Authentizität des Bildes oder die Umstände des Ereignisses. Er schreibt wörtlich: „Um es klar zu sagen: Der junge Missionar Robert Prevost hat 1995 tatsächlich an diesem Kongress zu Ökologie und Theologie teilgenommen und ist im Rahmen einer Zeremonie zur Mutter Erde niedergekniet.“ Dennoch weist er die daraus gezogenen Schlussfolgerungen entschieden zurück.
In dem Foto sei keine Statue der Pachamama zu erkennen, sondern lediglich kniende Männer, von denen einer die rechte Hand erhebe. „Ich sehe keine Anbetung Pachamamas als Göttin, weder vonseiten Prevosts noch vonseiten der Anwesenden“, betont Nann. Die Vorwürfe, die vor allem von Online-Medien wie LifeSiteNews am 18. März 2026 erhoben wurden, würden das Bild als Beweis für Götzendienst darstellen und daraus sogar die Legitimität des Pontifikats von Leo XIV. infrage stellen. Solche Interpretationen seien schwerwiegende Missverständnisse sowohl des Ereignisses als auch der katholischen Lehre.
Nann, der aus seiner langjährigen Missionserfahrung in Peru spricht, interpretiert die Szene anders: Es handle sich um eine interreligiöse Zeremonie, bei der ein Vertreter der Anden-Kultur eine „Zahlung“ oder ein Opfer an die Erde darbringe – eine Form des Dialogs mit der Natur. Andere Teilnehmer, darunter Augustiner-Priester, hätten dieser kulturellen Handlung beigewohnt. Entscheidend sei die Intention: Eine bestimmte Geste oder das Knien sei nicht automatisch Anbetung. „Die Intention ist es, worauf es ankommt. Die Geste des Betens ist nicht automatisch Anbetung, noch ist es die Geste des Knieens“, schreibt er.
Der ehemalige Bischof zieht eine Parallele zur katholischen Frömmigkeit: Man könne zur Erde sprechen wie zu den Heiligen und vor ihr knien, solange man sie als Geschöpf und nicht als Göttin betrachte. In vorchristlicher Zeit sei Pachamama als Göttin verehrt worden, heute werde sie jedoch eher als Geschöpf Gottes mit einer eigenen Persönlichkeit verstanden. Die Achtung der Erde als „Wesen mit Seele“ erkenne sie weiterhin als Teil der Schöpfung an. „Das ist kein Synkretismus, das ist Inkulturation“, argumentiert Nann. Verschiedene Kulturen und Philosophien könnten evangelisiert werden, ohne ihre kulturelle Sprache abzulehnen – vorausgesetzt, sie akzeptierten Jesus Christus als einzigen Erlöser.
Die Interpretation von Nann wird durch Stimmen aus dem Augustinerorden unterstützt. Der brasilianische Ordensbruder Luiz Augusto de Mattos wies Kritik an Prevosts Missions- und Pastoralarbeit in Lateinamerika zurück. Solche Angriffe ignorierten oder manipulierten, was Prevost als Ordensmann, Priester und Bischof tatsächlich gelebt habe. Die Arbeit des Ordens stehe im Einklang mit den Vorgaben der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und den lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (Medellín, Puebla, Santo Domingo, Aparecida). Sie umfasse Evangelisierung, Bildung, soziale Gerechtigkeit und Friedensarbeit in Schulen, Pfarreien und Universitäten.
Die Kontroverse geht auf Fotos zurück, die aus den offiziellen Tagungsunterlagen des ökotheologischen Kongresses in São Paulo stammen, die 1996 unter dem Titel „Ecotheology: A Perspective from St Augustine“ veröffentlicht wurden. Kritiker sehen darin einen Akt der Anbetung der Pachamama, einer in der Tradition der Anden verehrten Mutter-Erde-Gottheit. Reinaldo Nann und andere betonen hingegen den kulturellen und ökologischen Kontext sowie die Unterscheidung zwischen kultureller Respektsbezeugung und eigentlicher Idolatrie.
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