
3. April 2026 in Deutschland
Wer die Kirche nur als einen Sozialverband oder eine politische Interessengruppe sehe, verkenne ihr eigentliches Geheimnis. „Die Kirche lebt nicht aus sich selbst, sondern aus der Verbindung mit ihrem Haupt, mit Christus“
Köln (kath.net/rn)
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat in seiner Gründonnerstags-Predigt das Selbstverständnis der katholischen Kirche erklärt. Wie das „Domradio“ berichtet, wandte sich der Erzbischof gegen eine rein funktionale oder soziologische Sichtweise auf die Kirche. Sie sei weit mehr als ein „bloßer Verein“ oder eine menschliche Organisation – sie sei der lebendige „Leib Christi“.
Kardinal Woelki nutzte die biblische Metaphorik des Apostels Paulus, um das Wesen der kirchlichen Gemeinschaft zu erklären. In Zeiten von Kirchenaustritten und Strukturdebatten rief er dazu auf, den geistlichen Kern der Kirche wieder in den Mittelpunkt zu rücken.
Zentrales Element der Predigt war das Bild des Körpers, der aus vielen verschiedenen Gliedern besteht, die jedoch alle eine Einheit bilden. „In der Kirche hat jeder seine spezifische Aufgabe, seine eigene Gnadengabe, aber alle sind aufeinander angewiesen“, so der Kardinal. Diese Einheit sei nicht durch menschliche Satzungen begründet, sondern durch die Taufe und den Heiligen Geist.
Woelki betonte, dass diese Sichtweise Konsequenzen für den Umgang miteinander habe: Wenn ein Glied leide, leiden alle anderen mit. Dies gelte für die weltweite Gemeinschaft der Gläubigen ebenso wie für die lokalen Gemeinden.
Der Erzbischof warnte davor, die Kirche nur noch nach weltlichen Maßstäben von Effizienz und politischer Relevanz zu beurteilen. Wer die Kirche nur als einen Sozialverband oder eine politische Interessengruppe sehe, verkenne ihr eigentliches Geheimnis. „Die Kirche lebt nicht aus sich selbst, sondern aus der Verbindung mit ihrem Haupt, mit Christus“, unterstrich Woelki.
Nur wenn die Kirche in dieser sakramentalen Verbindung bleibe, könne sie ihre Aufgabe in der Welt – das Zeugnis für das Evangelium – glaubwürdig erfüllen.
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