
21. April 2026 in Deutschland
WELT-Herausgeber rechnet nach einem Gerichtsurteil mit dem Medienhaus „Correctiv“ und weiten Teilen der deutschen Presselandschaft ab. Berichterstattung war eine "Märchenerzählung"
Berlin (kath.net/gem/rn) In einem pointierten Kommentar rechnet WELT-Herausgeber Ulf Poschardt mit dem von deutschen Steuergeldern finanzierten Medienhaus „Correctiv“ und weiten Teilen der deutschen Presselandschaft ab. Er bezeichnet die Berichterstattung über das sogenannte „Potsdamer Geheimtreffen“ als „Märchenerzählung“ und sieht darin eine gefährliche Vermischung von Aktivismus und Journalismus, die dem Vertrauen in die Medien massiven Schaden zugefügt habe.
Poschardt verweist auf aktuelle Gerichtsurteile, wonach zentrale Behauptungen von „Correctiv“ – insbesondere der angebliche „Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger“ – als unwahr, ungenau oder unvollständig eingestuft wurden. Trotz dieser juristischen Niederlagen habe die Geschichte eine beispiellose politische Lawine wie Massendemonstrationen ausgelöst. Laut Poschardt war die Story auch mitverantwortlich für das Ende der Ampel-Koalition und zementierte über lange Zeit Illusionen in der Migrationspolitik. Paradoxerweise habe die Recherche der AfD eher genützt als geschadet, da sie deren Erzählung von einer „unfairen Behandlung“ durch Justiz und Medien gerichtlich beglaubigt habe.
Ein Hauptvorwurf Poschardts richtet sich gegen die „unkritische und hysterische Weiterverbreitung“ durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und linke Leitmedien. Anstatt die Recherche kritisch zu hinterfragen, sei das Team von „Correctiv“ mit Journalistenpreisen überhäuft worden. Zudem habe sich das Modell für das Medienhaus ökonomisch gelohnt: Die Spenden an „Correctiv“ verdreifachten sich im Jahr 2024 auf über sechs Millionen Euro.
Der Autor sieht in diesem Fall ein größeres Muster: Ein neuer Typus „aktivistischer Publizistik“ schütze lieber die Mächtigen und eigene Ideologien, anstatt Fehlentwicklungen in der Migrations-, Klima- oder Coronapolitik aufzuarbeiten. Die Geschichte wurde durch Theaterstücke und Sachbücher in eine „kulturelle Verwertungskette“ überführt, die laut Poschardt Fakten nicht mehr beschreibt, sondern schafft. Journalisten verhielten sich oft wie „fest verankerte Verfassungsorgane“ und verloren dabei den Kontakt zur Realität.
Poschardt warnt vor einer Demontage der Gewaltenteilung und des liberalen Prinzips. Wenn Medien nicht mehr bereit seien, die Gegenseite „mitzudenken“ oder eigene Irrtümer einzugestehen, verlören sie ihre Glaubwürdigkeit. Das Groteske sei, dass ausgerechnet jene, die sich als Verteidiger der Demokratie gegen Rechts aufspielen, in ihren Methoden den autoritären Denkern immer ähnlicher würden. Sein Fazit ist ein Appell zur Umkehr: Gelingt es dem Journalismus nicht, seine „verhängnisvolle Rolle“ in den gesellschaftlichen Debatten grundsätzlich zu hinterfragen, steht die liberale Gesellschaft als Ganzes auf dem Spiel.
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