
8. Mai 2026 in Aktuelles
Leo XIV.: Der Rosenkranz - Weg zur Eucharistie. Pompei: Aufruf zur geistlichen Erneuerung. Der Papst stellt am 8. Mai sein Petrusamt unter den Schutz der Madonna von Pompei. Von Armin Schwibach
Pompei (kath.net/as) Im Rahmen seines Pastoralbesuchs in Neapel und Pompei feierte Papst Leo XIV. auf der Piazza Bartolo Longo vor dem Heiligtum von Heiligtum von Pompei eine feierliche heilige Messe. In seiner umfangreichen Predigt entfaltete der Papst eine tief geistliche Betrachtung über Maria, den Rosenkranz, die Eucharistie und die Sendung der Kirche in einer von Gewalt, Orientierungslosigkeit und Glaubensvergessenheit geprägten Welt. Immer wieder verband Leo XIV. dabei die marianische Spiritualität von Pompei mit der Frage nach Frieden und Neuevangelisierung.
Ausgangspunkt der Predigt war das Magnificat der Jungfrau Maria: „Meine Seele preist die Größe des Herrn“. Leo XIV. erklärte, dass dieser Lobgesang nicht nur die Antwort Mariens auf das Heilsgeschehen sei, sondern gleichsam die Stimme der ganzen Kirche und letztlich der gesamten Menschheit darstelle, die in Christus die Erfüllung ihrer Sehnsucht nach Erlösung finde. Die Gesänge Mariens, des Zacharias und des Simeon seien der tägliche Atem der Kirche im Stundengebet und Ausdruck des Blickes Israels und der Kirche auf die Erfüllung der göttlichen Verheißungen.
Der Papst erinnerte sodann an die Geschichte des Heiligtums von Pompei. Vor 150 Jahren habe der heilige Bartolo Longo gemeinsam mit seiner Frau Marianna Farnararo De Fusco an jenem Ort, der einst durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet worden war, nicht nur ein Heiligtum, sondern eine ganze „marianische Stadt“ gegründet. Leo XIV. griff dabei die Worte von Johannes Paul II. auf, der in Pompei im Jahr 2003 erklärt hatte, dass auch die moderne Gesellschaft Christus „neu verkündet“ werden müsse, da sie sich zunehmend von den christlichen Werten entferne und sogar deren Erinnerung verliere.
Leo XIV. erband diese historische Erinnerung mit seiner eigenen Berufung. Genau ein Jahr zuvor sei ihm das Amt des Nachfolgers Petri anvertraut worden - am Tag der „Supplica“ zur Madonna vom Rosenkranz von Pompei. Deshalb habe er an diesen Ort kommen wollen, um seinen Dienst ausdrücklich unter den Schutz der Gottesmutter zu stellen. Auch die Wahl seines Namens „Leo“ stelle ihn bewusst in die Nachfolge von Leo XIII., der ein bedeutendes Lehramt über den Rosenkranz entwickelt habe. Hinzu komme die jüngste Heiligsprechung Bartolo Longos, des großen Apostels des Rosenkranzes.
Im Mittelpunkt der Predigt stand dann das Evangelium der Verkündigung. Leo XIV. deutete die Worte des Engels „Freue dich, du Gnadenvolle“ als universalen Ruf zur Freude. Das „Ave Maria“ sei nicht bloß ein Gebet, sondern die Verkündigung, dass über den Trümmern einer von Sünde, Gewalt und Krieg gezeichneten Menschheit die zärtliche Barmherzigkeit Gottes erschienen sei. In Jesus habe diese Barmherzigkeit ein menschliches Antlitz angenommen. Maria erscheine deshalb als Mutter der Barmherzigkeit, als jene, die durch ihr „Fiat“ nicht nur Christus, sondern auch die Kirche zur Welt gebracht habe. Mit Nachdruck hob der Papst hervor, dass der Rosenkranz aus dieser Heilsgeschichte hervorgehe. Die Wiederholung des „Ave Maria“ sei kein mechanischer Vollzug, sondern ein Akt der Liebe. Wie die Liebe nicht müde werde zu sagen: „Ich liebe dich“, so führe der Rosenkranz den Gläubigen immer tiefer in die Betrachtung Christi hinein. Der Papst sprach von einem kontemplativen Weg, auf dem der Gläubige Jesus mit den Augen und dem Herzen Mariens, der Mutter, betrachte. Dabei zitierte er den Apostel Paulus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“
Besonders eindringlich war die Verbindung von Rosenkranz und Eucharistie. Unter Berufung auf Bartolo Longo erklärte Leo XIV., die Eucharistie sei gleichsam der „lebendige Rosenkranz“. Alle Geheimnisse des Lebens Christi seien im eucharistischen Opfer und in der realen Gegenwart Christi enthalten. Der Rosenkranz besitze zwar ein marianisches Antlitz, aber ein christologisches und eucharistisches Herz. So wie das Stundengebet die Zeiten der Kirche gliedere, ordne der Rosenkranz den Rhythmus des christlichen Lebens immer neu auf Christus und die Eucharistie hin. Der Papst warnte zugleich davor, den Rosenkranz auf eine bloß äußerliche oder mechanische Wiederholung zu reduzieren. Gerade Bartolo Longo habe tiefgründige Meditationen verfasst, um das Gebet biblisch, christologisch und kontemplativ zu vertiefen. Der Rosenkranz sei deshalb eine Schule des Evangeliums und eine Zusammenfassung des christlichen Glaubens. Von dort aus gelangte Leo XIV. zum Thema der Caritas. Wahres Gebet, so erklärte er, führe notwendig zur Liebe Gottes und zur Liebe des Nächsten. Darin habe die Größe Bartolo Longos bestanden: Er sei nicht nur Apostel des Rosenkranzes, sondern auch Apostel der tätigen Nächstenliebe gewesen. In Pompei habe er Waisen und Kinder von Gefangenen aufgenommen und damit die verwandelnde Kraft der christlichen Liebe sichtbar gemacht. Auch heute würden in den Werken des Heiligtums die Schwächsten betreut und beschützt. Der Rosenkranz, so der Papst, lenkt den Blick auf die Nöte der Welt, wie es im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae betont worden sei, und nennt dabei insbesondere zwei Anliegen, die nach wie vor von dringender Aktualität sind: die Familie, die unter der Schwächung der ehelichen Bindung leidet, und der Frieden, der durch internationale Spannungen Spannungen und eine Wirtschaft gefährdet sei, die den Waffenhandel dem Respekt vor dem menschlichen Leben vorziehe.
Mit besonderem Ernst sprach der Papst also über die dramatische Lage der Welt. Die internationalen Spannungen, die Kriege und eine Wirtschaft, die häufig den Waffenhandel über die Würde des Menschen stelle, seien Zeichen einer tiefen geistlichen Krise. Leo XIV. erinnerte daran, dass sich die Situation der Welt seit dem Rosenkranzjahr Johannes Pauls II. Vor 25 Jahren keineswegs verbessert habe. Frieden könne nicht allein politisch oder wirtschaftlich geschaffen werden; er müsse zuerst im Herzen entstehen. Deshalb erneuerte der Papst den Aufruf zum Gebet für den Frieden, den bereits Franziskus und der Papst selbst in jüngerer Zeit immer wieder erhoben hatte. Von Pompei aus erhob derPapst eine eindringliche Bitte um göttliche Barmherzigkeit: Gott möge die Herzen berühren, Hass und Bruderkriege besänftigen und besonders jene erleuchten, die politische Verantwortung trügen. Die Fassade des Heiligtums, die Bartolo Longo als „Denkmal des Friedens“ verstanden habe, wurde so zum sichtbaren Symbol dieses Gebets.
Am Ende seiner Predigt fasste Leo XIV. seine Botschaft in einem einzigen Satz zusammen, der wie ein geistliches Vermächtnis über der Feier stand: Keine irdische Macht werde die Welt retten, sondern allein die göttliche Macht der Liebe, die Christus offenbart und geschenkt habe. Deshalb müsse der Mensch neu lernen, an Christus zu glauben, auf ihn zu hoffen und ihm nachzufolgen.
© 2026 www.kath.net