
11. Mai 2026 in Kommentar
Die römische Haltung zum Segenspapier der deutschen Bischöfe dürfte nun keine Frage mehr offen lassen. Das Schweigen der Hirten nach den Wortmeldungen von zwei römischen Kardinälen ist laut, viel zu laut. Der Montagskick von Peter Winnemöller
Linz (kath.net)
Die Vorgänge um die nun nicht mehr legitim verwendbare Handreichung „Sägen gibt den Hieben Kraft“ … äh, pardon! Ich fange noch einmal an. Die lange Zeit, bis Rom ernsthaft reagierte und die Reaktion des Glaubensdikasteriums auf die Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ veröffentlichte, zeigt einmal wieder, wie geduldig der Heilige Stuhl mit dem deutschen Episkopat umgeht. Es ist ein wenig ein Déjà-vu. Man fühlt sich an die Diskussion um die Schwangerenberatung in den 90ern erinnert. Es gab ein endloses Hin und Her. Man konnte am Ende nicht verstehen, warum der Papst noch immer nicht die Geduld verlor. Der vorletzte Schritt war der abstruse Vorschlag von Bischof Lehmann, unter den Schein zu schreiben, dass er nicht für die straffreie Abtreibung verwendbar sei, was der Staat dann ignorieren wollte. Am 11. Januar 1998 schließlich forderte Papst Johannes Paul II. die deutschen Bischöfe ausdrücklich auf, in der kirchlichen Schwangerenkonfliktberatung keine Beratungsscheine mehr auszustellen. Die päpstliche Anweisung war das Ende einer langen Auseinandersetzung der deutschen Bischöfe mit Rom. Roma locuta, causa finita. Der Ärger mit der Kirche in Deutschland findet allerdings noch lange kein Ende.
Mit Beginn des umstrittenen Synodalen Weges zeichnete sich ab, dass maßgebliche Kräfte in der Kirche in Deutschland die Sexualmoral der Kirche verändern wollten. Dazu gehörte auch eine Art katholische „Ehe für alle“ in Lightversion, mindestens jedoch Segensfeiern, die wie kleine Hochzeiten aussehen sollten. Die oben genannte Handreichung, die in Wirklichkeit den sonderbaren Titel „Segen gibt der Liebe Kraft“, trägt, sollte die Weichen stellen. Nur sehr naive Menschen können davon ausgehen, dass hier schon das finale Ziel erreicht gewesen wäre. Bei Erscheinen der umstrittenen Handreichung war jedoch zu erkennen, dass diese in erheblicher Spannung zur verbindlichen Lehre der Kirche steht. In „Fiducia supplicans“ hatte Kardinal Fernandez die Lehre der Kirche zur Ehe sehr klar vorgelegt. Er hatte auch die Frage des Segens und wen kann man segnen sehr dezidiert auseinander genommen. Er war dabei so kompliziert, dass er auch bei gutwilligen Lesern das Missverständnis auslöste, nun seien die verbotenen Segnungen doch erlaubt. Das stimmt einfach nicht. Gesegnet werden, so hat die Kirche das schon immer gesehen, Menschen. Menschen können gesegnet werden, auch wenn sie nicht im Stand der heiligmachenden Gnade sind. Es gibt Lebenssituationen, in denen es einzelnen Menschen (einstweilen oder dauerhaft) nicht möglich ist, diesen zu erreichen. Tutti, tutti, tutti, sagte der Papst Franziskus, könnten gesegnet werden. Jeder Mensch. Doch nicht jede Beziehung. Eine Beziehung, die in sich nicht in Ordnung ist, kann man nicht segnen. Einen Menschen, der in einer Beziehung lebt, die nicht in Ordnung ist, kann jedoch immer gesegnet werden. Das und nichts anderes meinte Papst Franziskus mit „tutti, tutti, tutti“. Klar ist auch, dass Segensfeiern ausgeschlossen sind. Klar ist auch, dass es keine liturgischen Formen für Segensfeiern geben soll. Das kann jeder wissen, der lesen kann. Insofern ist klar, dass die Segenshandreichung der deutschen Bischöfe und des „ZdK“ eindeutig im Widerspruch zu „Fiducia supplicans“ steht. Schon allein das Zustandekommen dieser Handreichung ist in sich ungeordnet. Sie wurde von Gemeinsamen Ausschuss von DBK und „ZdK“ verabschiedet. Es mutet sonderbar an, dass dieses informelle Gesprächsformat plötzlich Beschlusskraft haben soll. Dass es im Rom brodelt, war erkennbar, als Papst Leo XIV. im Flugzeug darüber sprach, dass er nicht mit den deutschen Segensfeiern einverstanden sei.
Nach langem Hin und Her, nachdem einige Bischöfe das umstrittene Papier entweder offiziell, offiziös, es ignorierend oder per Geheimdekret in Kraft gesetzt hatten, war ganz offensichtlich irgendwann der Punkt erreicht, an dem den Römern der Geduldsfaden gerissen ist. Dass das Glaubensdikasterium nachträglich ein fast zweijähriges Schreiben veröffentlicht, ist schon ein Knaller. Die Antwort aus Bonn war ein typisches Beispiel von Kommunikation mit selektiver Wahrheit. Das Schreiben habe sich ja auf eine Entwurfsfassung gerichtet, nicht auf die endgültige, ließ das Sekretariat wissen. Stimmt, das bestätigte auch Kardinal Fernandez kurz darauf. Um zu ergänzen, es habe sich nichts geändert, da die deutschen Bischöfe die römischen Einwände nicht berücksichtigt hätten. Die im Brief geäußerte Ablehnung gelte, so der Kardinal, auch für die veröffentlichte Fassung der Handreichung. Das sei Bischof Ackermann im Übrigen bekannt. War nun die Einlassung aus Bonn eine geplante Volte, um Rom zu einer weiteren Reaktion zu bringen? War es ein kommunikatives Desaster? In der Tat kann niemand behaupten, in der Stellungnahme der Pressestelle der DBK stehe etwas Unwahres. Es steht nur eben nicht alles drin. Dass der Adressat des Briefes gewusst haben muss, dass Rom auch mit der leicht überarbeiteten Fassung nicht einverstanden sei, wurde von der DBK verschwiegen. So kann man eben auch kommunizieren.
Nur kurz danach legte der als sehr moderat im Umgang mit den deutschen Bischöfen auftretende Kardinalstaatssekretär Parolin nach. Man sei noch im Gespräch, so die Aussage, und noch sei nicht die Zeit für Sanktionen. Wer sich mit der Kommunikation der römischen Kurie auskennt, konnte froh sein, wenn er saß, als diese Meldung reinkam. Das Wort „Sanktionen“ war selbst in den wildesten Auseinandersetzungen rund um den gruseligen Synodalen Weg nie gefallen. Wenn ein römischer Kardinal sagt, es sei noch nicht Zeit für Sanktionen, dann ist das der vermutlich letzte Schritt, bevor es Zeit für Sanktionen ist. Realistisch gesehen ist dies das Ende der umstrittenen Handreichung. Der einzig redliche Umgang mit dem Text wäre, ihn zurückzuziehen und ihn für unwirksam und ungültig zu erklären. Dummerweise hat das „ZdK“ mitbeschlossen und wäre dann natürlich übelst brüskiert. Darum wird man die Handreichung nicht zurückziehen. Seit den Äußerungen der Kardinäle Fernandez und Parolin liegt der eisige Hauch des Schweigens über dem Sekretariat der DBK und den deutschen Bischofshäusern. Eine Stellungnahme gibt es bis dato nicht.
Ein Appell des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz an seine Mitbrüder, die Handreichung nun bitte freiwillig zurückzuziehen, wäre jetzt das einzig richtige Signal. Doch der designierte Bischof von Münster weiß sehr genau, was die Folgen wären. Auf dem Katholikentag in den kommenden Tagen in Würzburg bräuchte er sich dann nicht mehr sehen lassen. Aber wäre das so schlimm? Wäre es wirklich ein Drama, würden sich die deutschen Bischöfe endlich vom „ZdK“ trennen? Es wäre besser, den Bruch mit dem ohnehin nicht mehr satisfaktionsfähigen Funktionärsgremium zu vollziehen als mit der Weltkirche. Doch das wird nicht passieren. Der Grund ist simpel: Die Kirche in Deutschland hat sich nicht nur einen tonnenschweren Funktionärsapparat zugelegt, sondern auch Hunderte Mitarbeiter in diözesanen und überdiözesanen Einrichtungen beschäftigt, die in schönem Gleichklang mit dem „ZdK“ ticken. Gegen die Weltkirche und den überlieferten Glauben der Kirche haben unsäglich viele in diesem Apparat eine unüberwindliche Abneigung. Politisch irgendwo zwischen links und grün angesiedelt, im Glauben protestantischer, als es Luther erlaubt, ist auch die Agenda der Apparatschiks mit einem Schwerpunkt auf Gender, Klima und Migration hinreichend umschrieben. Wer sich kirchliche Verlautbarungen der vergangenen Jahre anschaut findet dies Couleur in zahlreichen Texten wieder. Man erinnere sich an jenes skandalöse Schulpapier zur sexuellen Identität, das im Ständigen Rat gescheitert war und per Zaubertrick über die Schulkommission zu einem offiziellen Papier der Kirche in Deutschland wurde.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass es für das Segenspapier inzwischen gar keine Option mehr gibt. Vermutlich wird versucht, die Debatte darüber vom Katholikentag fernzuhalten. Es ist die übliche deutschkatholische Feigheit. Die Bischöfe müssten sich selbstbewusst zur Lehre der Kirche und zur Einheit mit der Weltkirche bekennen. Aber aus AnKst vor den übermächtigen Laien verlieren sie die gesunde Furcht vor dem Allmächtigen. Es ist zum Weglaufen. Abgesehen davon darf man davon ausgehen, dass das eine oder andere Mitglied des „ZdK“ des Lesens und des Denkens mächtig ist. Diejenigen, die es betrifft, werden einsehen müssen, dass es für die Sache mit dem Segenspapier nur noch zwei Worte gibt: Isch over! Also wird der Segen auf dem Katholikentag ein Thema sein und die Bischöfe sollten sich positionieren. Es stehen uns ein paar spannende Tage bevor. Tatsächlich könnte dieser Katholikentag der interessanteste seit langer Zeit sein.
Foto: (c) Von der umstrittenen Segenshandreichung bleibt ungefähr so viel, wie von dieser Regenbogenfahne, die der Wind zerfetzt, verweht und in die Pfütze geworfen hat. Foto: Peter Winnemöller mit KI erstellt.
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