
13. Mai 2026 in Deutschland
Pfr. Klaus-Peter Vosen: In letzter Zeit möchte sich „ein wachsender Teil der Jugend mit einer Kirche identifizieren, die mit Freude den Glauben verkündet und lebt. Auf Standortdiskussionen hat sie keine Lust. Sie möchte missionarisch tätig sein.“
Würzburg (kath.net/pl) Eine bemerkenswerte Äußerung fördert Richard Meusers von Wissmann in seinem Kommentar in der „Welt“ anlässlich des bevorstehenden Katholikentages in Würzburg zutage. In seinem Beitrag mit dem Titel: „Katholikentag. Wenn Besucher:innen ‚queere Spuren in der Bibel mit spielerischen Methoden entdecken‘“ zitiert er den stellvertretenden Wuppertaler Stadtdechanten, Pfr. Klaus-Peter Vosen. Dieser Priester aus dem Erzbistum Köln hatte gegenüber der „Welt“ telefonisch mitgeteilt:
„Deutsche Sonderwege und überzogenes Selbstbewusstsein des deutschen Katholizismus bringen uns nicht weiter. Die lebendige Bindung an die Weltkirche ist notwendig. Gerade von den katholischen Christen in Afrika und Asien können wir frische, neue Glaubensimpulse erwarten.“ Er mache die Erfahrung, dass sich „gerade in letzter Zeit ein wachsender Teil der Jugend mit einer Kirche identifizieren möchte, die mit Freude den Glauben verkündet und lebt. Auf Standortdiskussionen hat sie keine Lust. Sie möchte missionarisch tätig sein.“
Autor Meusers von Wissmann ordnet dies folgendermaßen ein: „Damit spricht Vosen eine Entwicklung an, die in Deutschland bislang vergleichsweise schwach ausgeprägt ist. Während etwa in Frankreich oder den USA jüngere katholische Milieus teils bewusst auf Liturgie, Tradition und missionarische Klarheit setzen, begegnen viele deutsche Kirchenfunktionäre solchen Strömungen eher reserviert.“
Der Journalist argumentiert, dass hierin „auch der latente Konflikt mit Rom“ liege. Er erläutert in der „Welt“ weiter, dass der Vatikan deutsche Reformdebatten seit Jahren mit Skepsis betrachte und vor nationalen Sonderwegen warne. Dann schlägt Meusers von Wissmann den Bogen zu den jüngsten Entwicklungen: „Erst vor Kurzem wurde der Dissens um die Segnung homosexueller Partnerschaften erneut deutlich. Der Katholikentag in Würzburg ist deshalb nicht nur ein kirchliches Großtreffen, sondern auch indirekt ein Testfall für die Frage, wie eng sich die katholische Kirche in Deutschland noch an die Weltkirche gebunden sieht. Das Treffen wird deshalb vor allem zu einem Seismografen für den Zustand der katholischen Kirche in Deutschland. Er zeigt eine Kirche, die gesellschaftlich weiterhin mitreden will, deren religiöse Bindekraft aber sichtbar erodiert.“
Hintergrund: Ähnliche Gedanken hatte auch der Passauer Bischof Stefan Oster im Februar 2026 geäußert. Er brachte zum Ausdruck, dass sich auch in einer geplanten „Synodalkonferenz auf Bundesebene als Nachfolgegremium“ „die vielen Gläubigen, die sich der lehramtlichen Tradition verpflichtet fühlen, erneut nicht repräsentiert fühlen und innerlich noch mehr abgehängt werden“.
Dann hatte Oster ausdrücklich auf „Zeichen der Erneuerung jenseits des Synodalen Weges“ hingewiesen, „die vielen Taufen junger Erwachsener in Frankreich, in Belgien, in der westlichen Schweiz; die signifikante Neu- oder Wiederentdeckung des katholischen Glaubens mehrheitlich durch junge Männer in England und in den USA; die Suche junger Menschen nach Glaubensidentität auch bei uns“.
Oster machte darauf aufmerksam, dass es „dieses wachsende Interesse auch bei uns“ gebe. „Aber anderes als in anderen Ländern fragt sich das katholische Establishment hierzulande: Wollen wir diese überhaupt haben? Es sind nämlich überwiegend keine Interessenten, die sich von den Themen des synodalen Weges bewegen lassen, sondern offenbar weit häufiger Menschen, die nach Tiefe suchen, nach authentischer, existenzieller Spiritualität, nach der Schönheit der Liturgie, nach intellektueller Auseinandersetzung mit der großen Tradition. Also – um es mit dem inkriminierten Wort zu sagen – eher Konservative.“
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