
26. Mai 2026 in Chronik
Theologen weisen auch darauf hin, dass „das beeindruckende theologische Erbe Joseph Ratzingers eine immer größere Bedeutung gewinnt“ und Benedikt mittelfristig potenziell nicht nur als Heiliger, sondern auch als Kirchenlehrer anerkannt werden könnte
Warschau (kath.net/pl) Angesichts der wachsenden Zahl von Zeugnissen über Heilungen, die seiner Fürsprache zugeschrieben werden, könnte das Seligsprechungsverfahren für Papst Benedikt XVI. bald eröffnet werden. Zudem könnte er als Heiliger eines Tages zum Kirchenlehrer ernannt werden, dies aufgrund der „außergewöhnlichen Tiefe seines theologischen Erbes“. Dies schreibt die polnische katholische Presseagentur KAI anhand eines Beitrags des französischen katholischen Portals „Tribune Chrétienne“.
Papst Benedikt XVI. war am 31. Dezember 2022 verstorben. Das Kirchenrecht schreibt vor, dass ein Seligsprechungsverfahren frühestens fünf Jahre nach dem Tod des Betreffenden möglich ist, allerdings kann der jeweils amtierende Papst davon eine Dispens gewähren.
Die katholische Nachrichtenagentur KAI schreibt eigens: „Der Ruf der Heiligkeit Benedikts XVI. ist unter zahlreichen Katholiken fest verankert. Zudem tauchen seit einigen Jahren immer wieder Zeugnisse über Heilungen auf, die seiner fürbittenden Fürsprache zugeschrieben werden.“
Dazu erinnert KAI an den Fall eines jungen US-Amerikaners, der an einem Hodgkin-Lymphom im fortgeschrittenen Stadium litt. Im Jahr 2012, während einer Audienz auf dem Petersplatz, legte Benedikt XVI. dem jungen Mann die Hand auf die Brust – direkt über den betroffenen Lymphknoten. Kurz darauf kam die Krankheit in eine vollständige Remission. Heute ist dieser junge Mann Priester.
Außerdem erinnert KAI an die Berichte in spanischen katholischen Medien im Jahr 2016, wonach ein junges, an Krebs erkranktes Mädchen nach einem Segen und Gebet durch Benedikt XVI. wieder gesund geworden sei. Nach dieser Begegnung im Vatikan – die zu einem Zeitpunkt stattfand, als die Ärzte die Hoffnung auf Rettung des Kindes bereits fast aufgegeben hatten – ereignete sich eine Reihe „schicksalshafter Ereignisse“, die es ermöglichten, das kleine Mädchen am Leben zu erhalten. Einige Jahre später traf die gesamte Familie erneut mit Benedikt XVI. zusammen.
KAI schließt seinen Beitrag folgendermaßen ab: „Unter Theologen werden derweil Stimmen laut, die darauf hinweisen, dass das beeindruckende theologische Erbe Joseph Ratzingers – Benedikts XVI. – eine immer größere Bedeutung gewinnt. Folglich könnte der Papst, der von 2005 bis 2013 amtierte, potenziell nicht nur als Heiliger, sondern auch als Kirchenlehrer anerkannt werden. Dieser Titel ist jenen Heiligen vorbehalten, die einen außergewöhnlichen Beitrag zum Verständnis der göttlichen Offenbarung geleistet und sich dadurch zu einer maßgeblichen Orientierungsgröße innerhalb der Kirche entwickelt haben. Zu ihnen zählen Gestalten wie der heilige Augustinus, der heilige Thomas von Aquin und die heilige Thérèse von Lisieux. Viele Theologen betrachten Benedikt XVI. als ‚den letzten Vertreter der klassischen europäischen Theologie – einen, der mit seltener Tiefe in einen Dialog mit den Kirchenvätern, der mittelalterlichen Tradition und den Herausforderungen der Moderne zu treten vermag.‘ Der Titel eines Kirchenlehrers kann jedoch erst nach einer Heiligsprechung verliehen werden.“
Archivfoto Papst Benedikt XVI. (c) Paul Badde
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