
29. Juni 2026 in Kommentar
Der Zustand der Kirche in Deutschland sollte selbst uns Laien langsam peinlich sein. Wenn nun Rom klarstellen muss, dass sich die Kleriker nicht um die Homilie drücken dürfen, ist das ein Alarmsignal. Der Montagskick von Peter Winnemöller
Linz (kath.net)
Das erneuerte Verbot der Laienpredigt in Eucharistiefeiern war erwartbar. Das von den Bischöfen erbetene Indult für Deutschland entbehrt, wie das Schreiben zeigt, jeglicher Substanz. Mehr noch, es zeigt, mit welch einer verdünnten theologischen Wassersuppe die deutsche Kirche unterwegs ist. Schon jetzt ist klar, dass auch im November in Deutschland wohl kaum eine Synodalkonferenz tagen wird. Die Signale, das hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz bereits zugegeben. stehen auf Rot. Nicht, dass insbesondere der Club der obersten Laienfunktionäre Deutschlands, welcher unter dem Label „ZdK“ firmiert, irgendwelche Probleme hätte, über Rot zu fahren. Nicht, dass der deutsche Episkopat, zumindest in großen Teilen, in dieser Hinsicht irgendwelche Hemmungen kennte.
Jahrelang wurde auf einem für jeden gläubigen Katholiken erkennbar häresielastigen synodalen Weg vom Frauenpriestertum, den Diakonat für die Frau, einer Art Ehe für alle und natürlich auch von einer Laienpredigt herumfantasiert. Führende deutsche Bischöfe wurde nicht müde, all das als Fortschritt zu verkaufen. Ebenso wurden sie nicht müde, sogenannte systemische Ursachen für sexuellen Missbrauch und Machtmissbrauch anzuführen, die alle diese sogenannten Reformen unbedingt erfordern. Auch hier wieder nur verdünnte Wassersuppe. Wer seine Verantwortung und seine ihm übertragenen Vollmachten in Gestalt missbrauchter Macht anwendet, macht sich persönlich schuldig. Gleiches gilt für Kleriker, die Knaben sexuell schänden. Halunken sind das, Halunken, die in den Knast gehören. Doch auch hier gilt bis zu einer gerichtlichen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Scheußlich ist es geradezu, wie sich aktuelle Bischöfe in damnatio memoriae üben und sich damit selbst reinzuwaschen versuchen. Über einen Verstorbenen haben wir die Gerichtsbarkeit verloren. Ein historisches Urteil kann vernichtend ausfallen, der postmortale Bann einstiger Ehrenbürger wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Wer versucht, persönliche Verantwortung durch sogenannte systemische Ursachen zu entschuldigen oder gar zu ersetzen, hat schon den ersten Schritt getan, den katholischen Boden zu verlassen.
Im Kontext mit der sonderbaren Indultbitte für eine Laienpredigt – in Wirklichkeit geht es ja um die in der sonntäglichen Eucharistiefeier vorgeschriebene Homilie – erklären sich alle diese gesammelten Reformforderungen als blanke, populistische Augenwischerei. Die Strategie sollte doch langsam sogar für Funktionäre durchschaubar sein. Deutsche Bischöfe erklären sich mit jedem Mist einverstanden, wissen, dass Rom oft sehr lange braucht und hoffen, am Ende aller Absagen selbst nicht mehr im Amt zu sein. Fakt ist, mit jeder Absage aus Rom wächst die Klarheit über den Zustand der Kirche in Deutschland. Mehr und mehr zeigt sich, dass die Bischöfe und in vielen Fällen wohl auch die Priester gar nicht mehr tun wollen, wozu sie geweiht und beauftragt sind. Sehr zu Recht kann man ab einem bestimmten Punkt klerikaler Arbeitsverweigerung nach der Berechtigung des sakramentalen Amtes fragen. Selbiges geschieht übrigens längst.
Völlig zu Recht wird darauf verwiesen, dass im Falle einer sonntäglichen Eucharistiefeier doch in der Tat ein Priester vor Ort ist, der dann auch die Homilie halten kann. Der reflexhafte Einwand des Liturgiewissenschaftlers Kranemann, Rom lege offensichtlich keinen Wert auf Qualität bei Predigten, fällt den Ausbildungsstätten für Priester auf die Füße. Wenn von Priestern keine Qualität zu erwarten ist, warum gibt es dann keine Reform der Priesterausbildung? Denkt man an die Dialogpredigten des ehemaligen Vorsitzenden der DBK, dann muss man doch so ehrlich sein, dass sie zum Weglaufen waren. Qualität?
Wenn aber die Predigt von Laien so unglaublich wertvoll ist, warum gibt es dann nicht mehr Vespern, Andachten, Wortgottesdienste, in denen Laien doch gerne das Wort ergreifen dürfen. Einmal ganz davon abgesehen, dass es im Rahmen einer Eucharistiefeier um die klare Betonung der sakramentalen Einbindung auch der Verkündigung geht. Sakramentalität ist das innerste Wesen des kirchlichen Handelns. Darum ist auch Seelsorge, wenn sie Seelsorge sein soll, sakramental. Jegliche Seelsorgeassistenz, die von haupt- und ehrenamtlichen Laien geleistet wird, hat auf die Sakramentalität hinzuführen. Geschieht dies nicht, ist das Handeln der Laien am Ende ohnehin unfruchtbar. Man sieht es überdeutlich dort, wo wir von Diaspora sprechen. Arbeiten Priester und Laien wirklich Hand in Hand im Weinberg des Herrn, der in der Diaspora auch mal einem Steinbruch des Herrn gleichen kann, so wird der Boden irgendwann Früchte tragen. Selbstreferentialität bleibt unfruchtbar.
Nun haben wir in dieser Sache einerseits Klarheit aus Rom bekommen, dürfen aber durchaus erwarten, dass es etliche Diözesen gibt, die sich einfach nicht daran halten werden. Man wird auch dort mit sonntäglichen Predigten von Pastoralreferent*glucks*Innen rechnen müssen. Was hindert den gläubigen Laien daran, aufzustehen und rauszugehen? Ein laut ausgesprochenes „Unverschämtheit!“ schadet in einer solchen Situation niemandem. Um die Sonntagspflicht muss man sich keine Sorgen machen, man hatte die beste Absicht, diese zu erfüllen. Der Hinderungsgrund lag nicht in der eigenen Verantwortung. Die Alternative dazu wäre krasser: einfach dicke, fette Bluetooth-Kopfhörer aufsetzen und einen geistlichen Podcast hören.
Alles zu provokant? Nein, denn die Provokation liegt eindeutig auf Seiten derer, die sich schlicht und ergreifend nicht an die Regeln halten. Was für die Laienpredigt gilt, gilt ja um ein Vielfaches mehr für die außerordentlichen Kommunionspender. Dass ein Priester am Sonntag selbst in katholischen Regionen bei 20 bis 30 Gottesdienstbesuchern keinen Ministranten hat, kommt häufig vor. Dass keine Kommunionhelferin anwesend ist, sieht man so gut wie nie. Völlig unverständlich, wieso die Damen nicht den wirklichen liturgischen Laiendienst machen und ministrieren, sich aber stattdessen zu einem unnötigen Helferdienst heranziehen lassen. Verdünnte Wassersuppe. Und diese verdünnte Wassersuppe wird den gläubigen Laien gereicht. Wundert sich jemand über den bald finalen territorialen Niedergang der Kirche in Deutschland?
Es hilft alles nichts, es wird wohl noch viele rote Karten, Stoppschilder, Absagen, Ermahnungen und disziplinarische Maßnahmen benötigen, bis die Klarheit über die aussichtslose Lage der Kirche in Deutschland groß genug ist. Machen wir uns bitte nichts vor, die Finanzkraft der meisten deutschen Diözesen ist so groß, dass wir den moderaten Betrieb noch über viele, viele Jahre aufrechterhalten und noch viele Briefe aus Rom werden aussitzen können. Wir Laien können daran nur wenig ändern. Immer wieder zu signalisieren, dass wir den Abbau des Katholischen nicht wollen, ist gut. Das kann in Briefen, Gesprächen und in Abstimmung mit den Füßen geschehen. Es ist ja auch eine Ansage, wenn die Kapelle der Petrusbruderschaft aus allen Nähten platzt, während der Pfarrer schon wieder eine Kirche in seiner Pfarrkolchose schließen muss.
Eines aber, das kann uns Laien niemand nehmen, ist das Gebet um Bekehrung jener Bischöfe, die so sehr auf dem Holzweg sind, dass man nicht einmal ein Theologiestudium braucht, um das zu erkennen. Das Gebet um Erneuerung der Kirche ist in Deutschland so nötig wie nichts anderes. Theologiestudenten kann man nur ermutigen, sich zu Lesekreisen zusammen zu tun und gute theologische Literatur zu lesen. Es gibt sicher ältere Priester, die sich gerne als Anleiter zur Verfügung stellen. Was hier zu tun ist, ist Graswurzelarbeit. Es gibt sogar Theologen, die sich nicht zu schade dafür sind, den Laien die theologische Welt verstehbar zu erklären: Den Blog von Bischof Oster lesen, die Erklärbar von Martin Brüske schauen, die Videos von Johannes Hartl verfolgen, dem Kanal von Margarete Strauss folgen und vieles anderes mehr. Wir sind nicht wehrlos, wir sind nicht hilflos und die Lage ist keineswegs aussichtslos.
Wenn wir über den selbstbewussten mündigen Laien reden, dann ist das sicher nicht einer, der ein besserer Kleriker sein will, sondern einer, der um die Bedeutung des Amtes für die Kirche weiß, der aber eben auch weiß, dass er selbst bei der Firmung den Heiligen Geist empfangen hat. Dem darf man gerne vertrauen und sich von ihm anleiten lassen.
Bild oben: Auch wenn die Kanzeln nicht mehr genutzt werden, wollen die Laienfunktionäre und eine Bischöfe, die Laien dorthin verfrachten. Foto: Peter Winnemöller mit AI erstellt.
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