
23. Juli 2026 in Deutschland
Katholischer Journalist übt Kritik: "Die Sorgen jener Europäer, die unter Massenmigration leiden, bewegten ihn kaum. Das ist Leos erster großer Fehler in einem noch jungen Pontifikat."
Berlin (kath.net)
"Die Sorgen jener Europäer, die unter Massenmigration leiden, bewegten ihn kaum. Das ist Leos erster großer Fehler in einem noch jungen Pontifikat." In einem Kommentar für NIUS setzt sich der katholische Journalist und Autor Alexander Kissler kritisch mit den jüngsten Äußerungen und Handlungen von Papst Leo XIV. auseinander. Anlass ist der Besuch des Oberhaupts der katholischen Kirche auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa.
Kissler wirft dem US-amerikanischen Papst vor, in der Migrationsfrage nahtlos an die Linie seines argentinischen Vorgängers Franziskus anzuknüpfen und damit die Hoffnung vieler Gläubiger und Beobachter auf mehr Realismus enttäuscht zu haben.
Vorwurf der Einseitigkeit und Vernachlässigung der Einheimischen
Laut Kissler mache Papst Leo den Fehler, Asylmigration faktisch als bedingungsloses Menschenrecht zu behandeln. Durch seinen Besuch auf Lampedusa und seine dortigen Worte zeige er zwar Verständnis für die ankommenden Menschen aus Afrika, ignoriere jedoch weitgehend die Sorgen und Probleme der europäischen Bevölkerung, die unter den Folgen der Massenmigration leide.
Obwohl das Sterben im Mittelmeer eine zweifellose Tragödie sei und die Kirche an der Seite der Leidenden stehen müsse, gehe die Haltung des Papstes weit über diese christliche Selbstverständlichkeit hinaus. Indem Leo XIV. Sicherheitsrisiken sowie Straftaten und Übergriffe im Zusammenhang mit Migration ausblende, sende er eine gefährliche und einseitige Botschaft an den Kontinent.
Schwächung von Volkssouveränität und Gemeinwohl
Besonders kritisiert Kissler die päpstliche Forderung, Migranten bedingungslos aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren. Damit werde den Zielstaaten in Europa die Hauptverantwortung zugeschoben, während die Heimatländer aus der Pflicht genommen würden.
Kissler betont, dass jeder souveräne Staat unter Wahrung der Menschenwürde selbst darüber entscheiden können müsse, wer ins Land einreisen und dort bleiben dürfe. Indem der Papst diesen Aspekt ignoriere, schwäche er zentrale Grundlagen der Demokratie wie die Volkssouveränität und das Wohl der eigenen Gemeinschaft. Zudem versäume er zu berücksichtigen, dass nicht jeder Migrant zur Integration bereit sei.
Neben der Migrationspolitik greift Kissler auch die Vorstellungen des Papstes zur Wirtschaft auf. Auf Lampedusa habe Leo XIV. gefordert, dass ein gerechtes Wirtschaftssystem auf „Freundschaft“ und „Sorge für die Schöpfung“ basieren müsse. Kissler bezweifelt die Praxistauglichkeit dieser Begrifflichkeiten in einem auf Angebot und Nachfrage ausgerichteten Markt.
Fazit
Alexander Kissler zieht das Fazit, dass Leo XIV. zwar kein „Spontifex“ wie sein Vorgänger sei, aber bislang auch nicht als die erhoffte „Stimme katholischer Vernunft“ auftrete. Mit seiner aktuellen Haltung versäume es der Papst, die Schattenseiten der aktuellen Migrationspolitik klar zu benennen.
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