
27. Juli 2026 in Spirituelles
Der biblisch fundierte Schutzpatron ist ein Erzengel, der im Buch Tobit im Alten Testament auftritt.
Vatikan (kath.net/jg)
Auf die Frage nach dem Schutzpatron für die Reisenden würden die meisten Katholiken spontan den heiligen Christophorus nennen. Das Medaillon am Armaturenbrett, das Bild am Schlüsselbund oder das kurze Gebet vor einer langen Fahrt – Christophorus gilt seit Jahrhunderten als der klassische Patron aller, die unterwegs sind. Doch der wahre, biblisch begründete Schutzpatron der Reisenden ist ein Erzengel, dessen Geschichte älter, konkreter und überraschender ist, schreibt Daniel Esparza in einem Artikel für die englischsprachige Ausgabe von Aleteia.
Die Legende des heiligen Christophorus
Die Geschichte des heiligen Christophorus ist wunderschön und theologisch tiefsinnig: Ein riesenhafter Mann (manche Überlieferungen sprechen sogar von einem hundeköpfigen Wesen), der dem mächtigsten König der Welt dienen wollte. Am Ende trug er ein Kind über einen reißenden Fluss. Das Kind wurde immer schwerer, weil es die Last der ganzen Welt trug – es war Christus selbst. Deshalb erhielt er den Namen Christo-phoros, der Christus-Träger. Er wurde zum Schutzpatron aller Reisenden.
1969 wurde Christophorus im Zuge der Kalenderreform unter Papst Paul VI. aus dem allgemeinen römischen Kalender gestrichen – nicht, weil die Kirche ihn als Mythos abtat oder ihn „entheiligte“ (das kann die Kirche gar nicht), sondern weil die historischen Belege für seine Existenz gering sind. Er bleibt ein Märtyrer im Römischen Martyrologium und wird lokal weiter verehrt, ist aber nicht mehr der universale Patron der Reisenden.
Manche nennen stattdessen Jakobus den Älteren, den Patron der Pilger, besonders jener, die nach Santiago de Compostela wandern. Doch Jakobus ist vor allem der Schutzpatron der Pilger im engeren Sinn. Geschäftsreisende, Familien auf einem Ausflug oder Alleinreisende in fremden Städten fallen nicht direkt in sein „Aufgabengebiet“.
Der wahre Patron: Erzengel Raphael
Die ältere, biblisch fundierte und faszinierendste Antwort lautet: Erzengel Raphael. Sein Name bedeutet übersetzt „Gott heilt“. Sein Gedenktag ist der 29. September. Seine Verbindung zu Reisenden stammt direkt aus dem Buch Tobit – einem der charmantesten und am wenigsten gelesenen Bücher der Bibel.
In der Geschichte schickt der blinde, verzweifelte Tobit seinen Sohn Tobias auf eine lange Reise, um eine Schuld einzutreiben. Tobias braucht einen Reisebegleiter und findet einen Fremden namens Asarja. Gemeinsam erleben sie eine abenteuerliche Reise.
Sie fangen einen großen Fisch, dessen Herz, Leber und Galle auf Empfehlung von Raphael später medizinisch genutzt werden. Raphael hilft Tobias, die von einem Dämon geplagte Sara zu heiraten. Er beschützt, heilt und vermittelt auf der gesamten Reise.
Am Ende der Reise offenbart sich Asarja: „Ich bin Raphael, einer der sieben heiligen Engel, die die Gebete der Heiligen vor den Thron der Herrlichkeit Gottes bringen.“
Raphael hat Tobias während der Reise als normaler Mensch begleitet, hat praktische Probleme gelöst, geheilt, beschützt und Beziehungen geknüpft – bevor er ebenso plötzlich wieder verschwunden ist, wie er gekommen war. Er ist der einzige Erzengel, den die Heilige Schrift auf einer gewöhnlichen menschlichen Reise begleitend zeigt.
Warum Raphael der ideale Schutzpatron ist
Seine Patronate ergeben sich direkt aus der Geschichte, die im Buch Tobit erzählt wird: Reisende, Blinde, Kranke und Heiler, glückliche Begegnungen und solche, die einen Ehepartner suchen. Jeder dieser Aspekte hat eine konkrete Entsprechung in der biblischen Erzählung.
Die Christophorus-Verehrung ist nicht falsch – ihre Legende ist reich und die Frömmigkeit echt. Wer jedoch einen Schutzpatron mit klarer biblischer Grundlage, einer dokumentierten Reise und sogar einem Fisch als Symbol sucht, findet in Raphael einen noch tieferen Begleiter.
Ob auf der Autobahn, im Flugzeug oder auf unbekannten Wegen – viele Gläubige bitten bewusst den Erzengel Raphael um seinen Schutz. Er begleitet Reisende meist unauffällig, genau wie damals Tobias auf dem Weg von Ninive nach Medien. Erst am Ende der Reise wird manchmal klar, wer wirklich mit dabei war.
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