Die Liturgie: das Gebet der Kirche und Atem des Geistes

5. August 2026 in Aktuelles


Leo XIV.: die Liturgie als gemeinsames Gebet des Leibes Christi, Quelle des geistlichen Lebens. Die Bedeutung des Stundengebets: Die Eucharistie und das Stundengebet - Mitte des kirchlichen Lebens und der christlichen Zeitordnung. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen, auch für mich, dass mir das rechte Wort gegeben werde, sooft ich meinen Mund auftue, mit Freimut das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden“ (Eph 6,18-19).

Mit der ersten Generalaudienz im Petersdom nach der Sommerpause setzte Papst Leo XIV. seine Katechesen über die Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils fort. Im Mittelpunkt seiner Betrachtung stand diesmal die kirchliche Dimension des liturgischen Gebets. Zu Beginn erinnerte er daran, dass der Heilige Geist selbst den Menschen das Beten lehre. Seit dem Pfingsttag wohne der Geist in der Kirche, inspiriere ihr ganzes Handeln und insbesondere ihr Gebet. Das Leben der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem sei deshalb ein Leben aus dem Geist des auferstandenen Herrn gewesen.

Unter Hinweis auf die Liturgiekonstitution führte Leo XIV. aus: „Seit jener Zeit unterließ es die Kirche niemals, sich zur Feier des Pascha-Mysteriums zu versammeln: indem sie las, ‚was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht‘ (Lk 24,27), die Eucharistie feierte, in der der Sieg und der Triumph seines Todes gegenwärtig werden, und Gott dankte ‚für sein unfassbares Geschenk‘ (2 Kor 9,15) in Christus Jesus, ‚zum Lob seiner Herrlichkeit‘ (Eph 1,12), durch die Kraft des Heiligen Geistes“. Dann richtete Leo XIV. den Blick auf die Gegenwart. In einer von Effizienzdenken und Konsum geprägten Welt könne das Gebet als etwas erscheinen, das keinen Nutzen habe. Wo Wissenschaft und Technik den Anspruch erhoben, auf alle Fragen Antworten zu geben, könne das Beten als Flucht verstanden werden. Zugleich werde in vielen christlichen Familien das Gebet nicht mehr weitergegeben, während andere Gefahr liefen, es lediglich als psychologische Methode zum persönlichen Wohlbefinden zu betrachten. Das Gebet verdiene jedoch, so führte der Papst aus, „als grundlegende Dimension unseres Menschseins in seiner Wahrheit neu entdeckt zu werden“.

Gerade diese Notwendigkeit habe die Konstitution Sacrosanctum Concilium ernst genommen. Leo XIV. erinnerte an Papst Paul VI., der bei der Promulgation des ersten vom Zweiten Vatikanischen Konzil verabschiedeten Dokuments erklärt hatte: „Gott an erster Stelle: das Gebet unsere erste Verpflichtung; die Liturgie erste Quelle des göttlichen Lebens, das uns mitgeteilt wird, erste Schule unseres geistlichen Lebens“ (4. Dezember 1963). Der Papst erläuterte, dass die Konstitution unter dem Begriff des Gebets die gesamte Liturgie verstehe. Diese Sichtweise sei grundlegend gewesen, weil sie die Liturgiereform auf die tätige Teilnahme der Gläubigen ausgerichtet habe. Die Liturgie erscheine zunächst als Ort der Begegnung, als Ort der Initiative Gottes, der im menschgewordenen Sohn dem Menschen nahekomme. Christus sei „das Wort, das Fleisch angenommen hat und mit dem Heiligen Geist gesalbt worden ist“ (SC 5), auf dessen Handeln die Kirche antworte „durch Christus, mit Christus und in Christus, in der Einheit des Heiligen Geistes“, das heißt durch „jenes Gebet, das Christus vereint mit seinem Leibe an seinen Vater richtet“ (SC 84).

Von dort aus wandte sich Leo XIV. dem Stundengebet zu. Papst Paul VI. habe gewünscht, dass die „Liturgie der Stunden“, das tägliche öffentliche Gebet der Kirche, das untrennbar mit der Eucharistie verbunden sei, das gesamte christliche Gebet durchdringe, belebe, leite und ausdrücke sowie das geistliche Leben des Gottesvolkes nähre (vgl. Apostolische Konstitution Laudis canticum, 1. November 1970). Damit dieser Wunsch Wirklichkeit werde, müsse das Stundengebet immer stärker in das gewöhnliche Leben der Getauften und der kirchlichen Gemeinschaften aufgenommen werden. Für viele Menschen, die das Beten lernen wollten, insbesondere für Katechumenen, könne es „den Weg und die Schule des christlichen Gebets“ eröffnen. Leo XIV. bezeichnete Eucharistie und Stundengebet als den Atem des kirchlichen Lebens: „Jede Woche und jeder Tag sind Eucharistie und Liturgie der Stunden der Atem des Lebens der Kirche, der den Heiligen Geist durch ihren Leib strömen lässt“. In diesem Gebet schare Christus „die gesamte Menschengemeinschaft um sich, um gemeinsam mit ihr diesen göttlichen Lobgesang zu singen“ (SC 83). Auf diese Weise werde die Kirche Tag für Tag tiefer mit dem Pascha-Mysterium verbunden und Christus gleichgestaltet.

Zur Vertiefung dieses Gedankens zitierte der Papst ausführlich den heiligen Augustinus: „Wenn wir im Gebet zu Gott sprechen, dürfen wir den Sohn nicht von ihm trennen; und wenn der Leib des Sohnes betet, trenne er sein Haupt nicht von sich. Es ist also derselbe einzige Erlöser seines Leibes, unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, der für uns betet, der in uns betet und der von uns angebetet wird. Er betet für uns als unser Priester; er betet in uns als unser Haupt; er wird von uns angebetet als unser Gott. Erkennen wir also in ihm unsere Stimme und seine Stimme in uns“ (Enarr. in psalmum LXXXV: PL 37, 1081).

Ausgehend von dieser Einheit zwischen Christus und seiner Kirche erläuterte Leo XIV., dass die „Liturgie der Stunden“ das Licht der Eucharistie in den Ablauf des Tages hinein verlängere und die Zeit des menschlichen Lebens heilige. Am Morgen beginne der Christ den Tag mit Glauben und Dankbarkeit. Zur Mittagszeit bitte er um die Kraft der Treue inmitten der Mühen. Am Abend begleiteten die Vesper die Dämmerung des Tages nach Vollendung der Arbeit. In der Nacht vertraue sich der Mensch dem Frieden Gottes an. Jede einzelne Gebetsstunde sei deshalb, wie der Papst abschließend hervorhob, „ein Akt der Hoffnung“. Während der irdischen Pilgerschaft wache die Kirche und warte auf die glorreiche Wiederkunft des Herrn.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Liebe Brüder und Schwestern, am heutigen Gedenktag der Weihe der Basilika Santa Maria Maggiore wollen wir die heilige Jungfrau bitten, dass sie uns helfe, im Gebet treu zu sein, damit Gott stets den ersten Platz in unserem Leben einnehme.

 


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