Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise

25. September 2026 in Prolife


„Die erste Botschaft, die wir vermitteln wollen, ist gewiss der Wert des menschlichen Lebens; es muss von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod angenommen, geliebt und behütet werden.“


Vatikan-Paris (kath.net/pl) Das Motto der Papstreise nach Frankreich lautet: „Damit die Welt Leben habe“. Gefragt nach der konkreten Botschaft dieses Mottos erläutert Pietro Kardinal Parolin, Kardinalstaatssekretär des Heiligen Stuhls: „Wenn wir an das Leben denken, das die Welt braucht, kommen uns drei Aspekte in den Sinn. Zunächst das natürliche Leben. Die erste Botschaft, die wir vermitteln wollen, ist gewiss der Wert des menschlichen Lebens; es muss von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod angenommen, geliebt und behütet werden. Die gegenwärtige Situation in vielen Ländern führt dazu, dass Praktiken und sogar Gesetze eingeführt und gerechtfertigt werden, die diesen Wert missachten.“ Parolin äußert sich im Interview mit Massimiliano Menichetti für „Vatican News“ unmittelbar vor der großen Apostolischen Reise von Papst Leo XIV. nach Frankreich, die heute beginnt.

„Vor dem Hintergrund sinkender Geburtenraten in Europa bietet die Reise nach Frankreich die Gelegenheit, das Leben als ein Geschenk wiederzuentdecken, das mit Dankbarkeit und Verantwortungsbewusstsein angenommen werden muss“, führt Parolin weiter aus, um dann zu fragen: „Doch was wäre das körperliche Leben ohne die Seele? Damit komme ich zum zweiten Aspekt: dem geistlichen Leben.“

Denn Frankreich zeichne sich „heute durch eine große Zahl junger Erwachsener aus, die sich auf die Taufe vorbereiten (Katechumenen). Dies bietet die Gelegenheit, den Durst nach geistlichem Leben hervorzuheben, der die heutige Welt prägt. Hinter dem Motto ‚Damit die Welt Leben habe‘ lässt sich auch lesen: ‚Damit die Welt glaube‘. Denn es gibt kein Leben des Leibes ohne das Leben der Seele.“

Außerdem würdigt Parolin „die großartige Arbeit beim Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame“, dies zeige „das handwerkliche und geistige Können, zu dem der Mensch heute fähig ist. In einer zunehmend technisierten und künstlichen Welt ermöglicht es das Motto der Reise nach Paris, auf die schöpferische Lebendigkeit des Menschen aufmerksam zu machen. Möge der Einsatz neuer Technologien – einschließlich der KI – die Menschheit niemals diesen Aspekt ihres Lebens vergessen lassen.“

Der Interviewer wies auf „den Hintergrund der Verabschiedung des Gesetzes zur Sterbehilfe in Frankreich“ statt, weshalb „die Frage des Lebens“ als „unveräußerliches Gut wird dabei unweigerlich im Mittelpunkt stehen“ werde. „Welche Botschaft wird Papst Leo XIV. zu diesem Thema vermitteln wollen?“

Parolin antwortete darauf: „Angesichts des Geheimnisses von Leid, Krankheit und Zerbrechlichkeit, das alle Menschen verbindet, wird die Stimme des Heiligen Vaters nicht als starre, abstrakte Mahnung erklingen, sondern als nachdrücklicher Appell an die gemeinsame Verantwortung, die uns miteinander verknüpft – gerade dann, wenn das Leben schwächer und verletzlicher wird.“

Der Heilige Stuhl verfolge „solche gesetzlichen Änderungen mit tiefer Sorge und aufmerksamem Blick verfolgt. Die Haltung der Kirche in dieser Frage ist hinlänglich bekannt: Sie tritt stets für den Schutz des Lebens in all seinen Phasen, Ausdrucksformen und Dimensionen ein – von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod.“

Papst Leo werde deshalb, erläuterte Parolin, „daran erinnern, dass wahres Mitgefühl angesichts des Leids nicht darin besteht, die Beendigung des Lebens zu erleichtern oder vorwegzunehmen, sondern darin, niemanden in der Einsamkeit seines Leidens allein zu lassen.“

Denn es gehöre „zu den unverzichtbaren Pflichten einer zivilisierten Gesellschaft“ gehöre es, „‚fürsorglich zu handeln‘ und konkrete Antworten zu geben, die von Nähe, Zuwendung und Liebe geprägt sind. In diesem Sinne wird der Appell des Papstes an Frankreich eine herzliche Einladung sein, die tiefsten Wurzeln des eigenen Humanismus neu zu entdecken, indem die Palliativversorgung und die ganzheitliche Betreuung des Menschen wirksam und umfassend gestärkt werden.“

Wörtlich erläutert Kardinal Parolin dazu: „Sich für die Begleitung Leidender zu entscheiden, bedeutet, in ein gesellschaftliches Bündnis zu investieren, das angesichts der Zerbrechlichkeit nicht kapituliert, sondern sie verantwortungsvoll annimmt. Die dem Menschen innewohnende Würde ist nicht an Kriterien der Effizienz oder der biologischen Gesundheit geknüpft.

Daher darf die Antwort von Staat und Gesellschaft auf das Leid nicht darin bestehen, Optionen einzuführen, die Gefahr laufen, mit der Zeit zu einer verschleierten Form von gesellschaftlichem Druck oder zu einem Ausweg zu werden, der das Gefühl des Verlassenseins bei alleinstehenden Menschen noch verstärkt.

Der Papst wird sich mit der Sensibilität eines Hirten und der Klarheit des Nachfolgers Petri zu dieser heiklen Weichenstellung äußern und dabei nicht nur die Gläubigen ansprechen, sondern an das Gewissen eines jeden Menschen guten Willens appellieren. Die tief empfundene Hoffnung ist, dass Europa – und insbesondere Frankreich – seinen Gesellschaftsvertrag weiterhin auf das Grundprinzip der Wahrung der Menschenwürde stützt, wobei die Fürsorge für und der Schutz von Leben, das von Leid geprägt ist, stets der wahre Maßstab für den Fortschritt einer Zivilisation bleiben.“

Archivfoto: Kardinal Parolin mit Papst Leo (c) Vatican Media

The Vatican Secretary of State looks ahead to the Pope’s visit to France and to UNESCO, highlighting the “diplomacy of encounter” and the “creative efforts” capable of freeing Europe from a logic of violence.https://t.co/x0I0z2b6Qu

— Vatican News (@VaticanNews) September 24, 2026

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