
27. Oktober 2026 in Österreich
Emeritierter Bischof Küng leitete traditionellen Gottesdienst zum 26. Oktober - Wiener Stephansdom ein "Zeuge für Zusammenhalt" - Bitte um Frieden in der Welt - Küng: Christlicher Glaube gibt Zuversicht und Hoffnung
Wien (kath.net/KAP) Zu Dankbarkeit und Zuversicht hat der emeritierte Bischof Klaus Küng bei der traditionellen Marienfeier am Nationalfeiertag im Wiener Stephansdom aufgerufen. Trotz Kriegen, rückläufiger Glaubenspraxis und gesellschaftlicher Veränderungen gebe es neben Gründen zur Sorge auch Anlass für einen "gut begründeten Optimismus", sagte Küng in seiner Predigt. Die Feier "Schutzfrau Österreichs" am Montagabend umfasste einen mit Mozarts Credo-Messe festlich gestalteten Gottesdienst mit festlicher Kirchenmusik, eine Lichterprozession und das Geläute der Pummerin, der größten Glocke Österreichs.
Der Stephansdom sei nicht nur ein Wahrzeichen Wiens, sondern "die in Stein gemeißelte Erinnerung an die bewegte Geschichte unseres Landes" und ein "Zeuge für Zusammenhalt", erinnerte Küng an den von allen Bundesländern mitunterstützten Wiederaufbau des Doms nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit der Marienfeier am Nationalfeiertag sage man auch Dank für die Freiheit seit dem Staatsvertrag von 1955 und für den in den Jahrzehnten seither gewährten Frieden.
Österreich habe viele Gründe, Gott zu danken, betonte Küng. Das Land erfreue sich eines beachtlichen Wohlstands, im Wesentlichen herrschten Frieden und Sicherheit. Auch das Gesundheitswesen sei trotz mancher Probleme beachtlich. Bildung, Kunst und Kultur müssten sich ebenfalls nicht verstecken.
Zugleich gebe es Sorgen, die am Nationalfeiertag Anlass zu Gebeten und Bitten an Gott seien, so der frühere Diözesanbischof von Feldkirch (1989-2004) und St. Pölten (2004-2018). Besonders wichtig sei die Bitte um Frieden in der Welt. Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten verursachten großes Leid und könnten jederzeit zu einer Gefahr für die ganze Welt werden, sagte Bischof Küng.
Sorge bereite ihm auch der Rückgang der Glaubenspraxis, auch wenn es erste Zeichen eines neuen Aufschwungs gebe, wie der Bischof sagte. Es gebe zu wenige Priester und zu wenige Christen, die ihren Glauben praktizierten. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich zudem die staatliche Gesetzgebung zunehmend vom christlichen Menschenbild gelöst. Küng verwies auf die Fristenlösung und den assistierten Suizid. Auch Bestrebungen auf EU-Ebene, Abtreibung zu einem Recht zu machen, die Euthanasie auszuweiten und Leihmutterschaft überall zu ermöglichen, kritisierte er.
Küng: Früher oder später erwacht die Sehnsucht nach Gott
Trotz dieser Entwicklungen gebe es hinsichtlich der Glaubenspraxis einen "gut begründeten Optimismus". In den Herzen der Menschen erwache früher oder später die Sehnsucht nach Gott, nach Vergebung, Heilung und geistiger Heimat, sagte Küng. Er berichtete von einem Mann, der nach seinem Kirchenaustritt wieder in die Kirche aufgenommen werden wollte, und von einer jungen Frau, die sich als Erwachsene erstmals intensiv mit dem Glauben beschäftigte und schließlich die Sakramente empfing.
Der Mensch sei als Abbild Gottes geschaffen und von Gott geprägt, "ob er daran glaubt oder nicht, ob er es beachtet oder nicht", so Küng weiter. Die Entdeckung des Glaubens und die Begegnung mit Christus könne zu innerem Frieden führen und neue Hoffnung schenken.
In der Kirche habe es immer "ein gewisses Auf und Ab gegeben" und sie habe "schon schwierigere Zeiten und Situationen überstanden", zeigte sich der emeritierte Bischof zuversichtlich. "Christus ist unter uns. Dieser wunderschöne Dom macht es uns bewusst. Wir sind nicht allein. Und Maria sichert den Weg ab." Wer sich vertrauensvoll an Maria wende, könne erfahren, dass sie durch ihre Fürsprache Jesus in die Herzen der Menschen bringt und "eine gut begründete, mit Zuversicht und Optimismus gepaarte Hoffnung erwachen lässt".
Bereits seit mehreren Jahren wird der österreichische Nationalfeiertag kirchlich durch eine Marienfeier im Stephansdom begangen. Die Feier beginnt traditionell mit Bläsermusik und der gesungenen Mariazeller Litanei. Danach führte eine Lichterprozession durch den Dom zum Hauptaltar. Die Gottesmutter Maria wird dabei immer als "Schutzfrau Österreich" angerufen in einem Lied, das der Franziskanerpater Petrus Pavlicek (1902-1982), Gründer des Rosenkranz-Sühnekreuzzugs (RSK), nach dem Erreichen des Staatsvertrages 1955 getextet hatte. Den Schlusspunkt der Messe bildeten auch heuer die Bundeshymne sowie das Läuten der Pummerin.
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