Kirchenhistoriker Wolf: Erwarte von Leo XIV. in Sachen Kirchenreform nichts

8. November 2026 in Chronik


Münsteraner Kirchenhistoriker bei Pressegespräch in Wien: „Politisch ein gutes Pontifikat, aber reformmäßig erwarte ich gar nichts“


Wien (kath.net) Der Münsteraner Kirchenhistoriker Prof. Hubert Wolf zieht nach den ersten eineinhalb Jahren des Pontifikats von Papst Leo XIV. eine durchwachsene Bilanz, wie KAP berichtet. Bei einem Pressegespräch am Donnerstag in Wien bezeichnete er das derzeitige Oberhaupt der katholischen Kirche als politisch klug agierenden Akteur, trat jedoch Dämpfern bezüglich großer Reformerwartungen entgegen: „Es ist politisch ein gutes Pontifikat, aber reformmäßig erwarte ich gar nichts.“

Diese Entwicklung habe sich bereits im Verlauf des kurzen Konklaves abgezeichnet, so der Renommierforscher. „Man wollte offenbar keinen Liberalen, aber auch keinen konservativen Kandidaten.“ Das Kardinalskollegium habe sich bewusst für einen Kurs der Mitte entschieden, um niemanden „vor den Kopf zu stoßen“.

Vor diesem Hintergrund plädiert der Kirchenhistoriker dafür, den Begriff der Reform neu und historisch fundiert zu denken. Reform bedeute im eigentlichen Wortsinn eine „Zurückformung“ auf das Wesentliche. Die Kirchengeschichte biete hierzu ein reichhaltiges Repertoire an Alternativmodellen, auf die man bei der Gestaltung künftiger kirchlicher Strukturen zurückgreifen könne.


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