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| ![]() „Karfreitag. Das Kreuz steht da“vor 4 Stunden in Spirituelles, 1 Lesermeinung „Und wir stehen davor. Seit Jahren. Seit Jahrzehnten. Vielleicht schon seit frühester Kindheit. Wir haben es gesehen, so oft gesehen, dass wir glauben, wir hätten es verstanden. Ein vertrautes Zeichen. Aber…“ Von Diakon Ulrich Franzke Essen (kath.net/uf) Karfreitag. Das Kreuz steht da. Und wir stehen davor. Seit Jahren. Seit Jahrzehnten. Vielleicht schon seit frühester Kindheit. Wir haben es gesehen, so oft gesehen, dass wir glauben, wir hätten es verstanden. Ein vertrautes Zeichen. Ein Stück Holz. Zwei Balken. Und genau darin liegt die Gefahr. Denn was vertraut ist, wird harmlos. Und was harmlos wird, hört auf zu sprechen. Das Kreuz spricht nicht mehr zu uns. Wir sprechen über das Kreuz. Und das ist ein Unterschied. Wir haben gelernt, über alles zu sprechen. Über Schuld. Über Verantwortung. Über Gott. Wir erklären. Wir ordnen. Wir relativieren. Schuld wird zu Umständen. Verantwortung verteilt sich. Und Gott wird zu einer Idee. Zu etwas Höherem. Zu einer Kraft. Zu einem Gedanken, den man haben kann oder auch nicht. Ein Gott, über den man sprechen kann, ohne ihn anzureden. Ein Gott, der scheinbar nichts verlangt, weil er scheinbar niemand ist – das heißt: kein Gegenüber, das mich ansieht, mich ruft, mir widerspricht, mich meint. Keine Stimme, die mich beim Namen nennt. Kein Anspruch, der mein Leben berührt. Ein Gott, den ich denken kann, ohne mich ändern zu müssen. So lässt sich gut leben. Und dann steht da dieses Kreuz mit dem angenagelten Körper. Und plötzlich funktioniert das alles nicht mehr. Denn am Kreuz hängt keine Idee. Keine Kraft. Kein Prinzip. Da hängt einer. Ein Mensch. Mit einem Leib, der gequält ist. Mit einem Gesicht, das geschlagen ist. „Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, Das ist nicht symbolisch. Das ist wirklich. Und genau deshalb weichen wir aus. Wir erklären, um nicht hinschauen zu müssen. Und wir fragen, wie dieses alte Lied fragt. Ein Lied aus einer anderen Zeit. Wie gerne gehe ich mit meiner Drehleier hier in Roßhaupten auf den Pestfriedhof oder in die Maria-Steinach-Kapelle und spiele dort dieses Lied und singe den wunderbaren Text. Johann Heermann hat es um 1630 gedichtet, mitten hinein in eine Welt, die Leid, Schuld und Tod nicht theoretisch kannte, sondern täglich vor Augen hatte. Johann Crüger hat es 1647 in seine Sammlung aufgenommen. Seitdem wird es gesungen und manchmal auch mit der Drehleier begleitet – bis heute. Und doch nicht mehr ganz. Denn im heutigen Gotteslob steht es nur noch in Auswahl, gekürzt, geglättet, fast entschärft – als müsste man es erträglicher machen. Vielleicht ist genau das bezeichnend: dass wir die Schärfe nicht mehr aushalten. Dass wir eine Sprache verloren haben, die noch wusste, wovon sie spricht. Und wir fragen, wie dieses alte Lied fragt: „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, Eine berechtigte Frage. Denn das, was wir sehen, schreit nach einem Grund. So etwas geschieht nicht ohne Ursache. Und doch ist die Antwort so schlicht, dass wir sie kaum aushalten: nichts. Er hat nichts verbrochen. Und dennoch steht er dort. Weil er gerufen hat. Zur Umkehr. Hin zu Gott. Weil er den Menschen nicht im Sessel gelassen hat, sondern ihn aufgerufen hat aufzustehen – aufzustehen aus Bequemlichkeit, aus innerer Zufriedenheit mit sich selbst, aus einem Leben ohne Frage nach Gott, aus einem Leben, das sich selbst genügt, aus einem Leben, das keinen braucht und doch so oft so einsam ist. Und genau das hält der Mensch schwer aus. Bis hierhin können wir noch Abstand halten. Noch beobachten. Noch sagen: das ist eine Geschichte. Eine ferne Geschichte. Und dann kommt diese Strophe. „Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ein Satz, der nicht mehr in unsere Zeit passt. Eine Strophe, die man mitsingen kann, ohne sie sagen zu wollen. Denn wir haben gelernt, anders zu sprechen. Wir sagen: die Dinge sind kompliziert. Die Umstände sind schwierig. Die Verantwortung ist verteilt. Niemand ist allein gemeint. Und dieses Lied sagt: ich. Nicht die anderen. Nicht die Zeit. Nicht die Welt. Ich. Und damit bricht etwas auf, das wir längst zugedeckt haben. Denn wenn dieser Satz stimmt, dann ist das Kreuz nicht einfach ein Ereignis, das man betrachten kann. Dann geschieht hier etwas, das mich betrifft. Dann ist Schuld nicht nur ein Begriff, sondern Wirklichkeit. Und Wirklichkeit verschwindet nicht, weil man sie erklärt. Sie bleibt. Sie trennt. Sie hat Gewicht. Und genau dieses Gewicht hängt am Kreuz. Als ich Kind war, hat mir mein alter Dorfpfarrer einmal gesagt: „Jesus hat das alles für dich getan. Nur für dich.“ Ein Satz, den man schnell als fromme Übertreibung abtun kann. Und doch liegt darin etwas, das man kaum auszuhalten wagt. Denn wenn es stimmt, dann ist das Kreuz nicht allgemein. Dann ist es nicht nur „für uns“. Dann ist es für mich. Für mich. Und damit wird es still. „Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Das ist keine Theorie. Das ist Beziehung. Einer für andere. Einer für mich. Und damit wird das Kreuz nicht verständlicher, sondern unerbittlicher. Denn wenn das stimmt, dann ist das hier nicht Symbol, sondern Handlung. Nicht Erinnerung, sondern Gegenwart. Und es bleibt ein Widerspruch, der sich nicht auflösen lässt: „Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, Das ist nicht gerecht. Das widerspricht allem, was wir für vernünftig halten. Wir wollen eine Welt, die funktioniert. Eine Welt, die erklärbar ist. Das Kreuz ist nicht erklärbar. Es bleibt stehen wie ein Fremdkörper. Und das Lied geht weiter. Es lässt uns nicht los. „Ich war vom Fuß auf voller Schand und Sünden Eine Sprache, die wir verloren haben. Nicht, weil sie falsch wäre. Sondern weil sie uns nicht mehr passt. Weil sie uns nicht mehr erlaubt, Zuschauer zu bleiben. Sie zieht uns hinein. Sie nimmt uns die Distanz. Sie lässt uns nicht über Schuld sprechen – sie zwingt uns, sie zu bekennen. Und genau hier weichen wir aus. Wir flüchten uns in einen Gott, der niemand ist. In eine Kraft, die nichts fordert. In eine Liebe, die alles gelten lässt. Ein Gott ohne Gegenüber. Aber ein solcher Gott hängt nicht am Kreuz. Am Kreuz hängt einer, der ruft. Der meint. Der nicht zulässt, dass ich bleibe, wie ich bin. Einer, der mich aus meinem ruhigen, eingerichteten Leben herausruft – zur Umkehr, zur Entscheidung, zum Leben vor Gott. „O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, Kein Gefühl. Keine Stimmung. Sondern ein Gegensatz, der weh tut. Mein Leben. Sein Leiden. Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Karfreitag geschieht. Nicht draußen. Sondern hier. Wo ich nicht mehr ausweichen kann. Nicht hinter Gedanken. Nicht hinter Erklärungen. Nicht hinter einem Gott, der nichts von mir will. Sondern vor diesem Gott stehe, der alles gegeben hat. Für mich. Und der eine Antwort erwartet. Nicht erzwungen. Aber unausweichlich. Archivfoto (c) kath.net/Lorleberg Ihnen hat der Artikel gefallen? 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