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Fünf Jahre seit der Seligsprechung von Kardinal Wyszyński: „Wer hasst, hat schon verloren“

vor 46 Minuten in Chronik, keine Lesermeinung
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In Polen erinnert man sich an die Seligsprechung von Kardinal Stefan Wyszyński


Warschau (kath.net/Radio Vatican Polen/pl) „Wer hasst, hat schon verloren.“ An diese Worte von Kardinal Stefan Wyszyński wurde bei seiner Seligsprechung erinnert. Heute, fünf Jahre später, in einer von Kriegen gezeichneten Welt, in der ganze Völker Gewalt und Hass erfahren, klingen sie wie eine der kraftvollsten Botschaften des „Primas des Jahrtausends“. Am 12. September 2021 sprach die Kirche in Warschau Kardinal Wyszyński und Mutter Elżbieta Róża Czacka selig.

Er ließ sich nicht vom Hass besiegen

Der Seligsprechungsfeier im Tempel der Göttlichen Vorsehung stand im Namen von Papst Franziskus Kardinal Marcello Semeraro, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, vor. In seiner Predigt erinnerte er daran, dass Wyszyński die Kirche in Polen durch eine der schwierigsten Phasen ihrer jüngeren Geschichte geführt habe. Er stellte sich einer Ideologie entgegen, die – so Kardinal Semeraro – „den Menschen entmenschlichte und ihn von der Fülle des Lebens, die im Evangelium liegt, fernhielt“. Für seine Haltung büßte er mit einer dreijährigen Haftstrafe.


Genau in diesem Zusammenhang wurden bei der Seligsprechung seine Worte zitiert: „Wer hasst, hat schon verloren.“ Der Primas rief nicht zur Passivität auf. Er verstand es, entschlossen für die Freiheit der Kirche und die Würde des Menschen einzutreten, ließ jedoch nicht zu, dass der Kampf gegen das System in Hass auf Menschen umschlug.

Zuerst muss das Gewissen geweckt werden

Diese Botschaft ist mit einem weiteren großen Thema der Lehre Wyszyńskis verknüpft: dem Gewissen. Im Jahr 1980, als Polen einen weiteren historischen Umbruch erlebte, sagte der Primas: „Überall muss das Gewissen erwachen.“ Die Erneuerung der Gesellschaft sollte seiner Ansicht nach nicht beim Gegner beginnen, den es zu besiegen galt, sondern beim Menschen selbst, der rechtschaffen leben und Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss.

„Ich habe alles auf Maria gesetzt“

Wenige Tage vor der Seligsprechung wies Papst Franziskus auf einen weiteren Schlüssel zum Verständnis des Lebens des Primas hin: „Ich habe alles auf Maria gesetzt.“ Der Papst erinnerte zudem an die Worte des heiligen Johannes Paul II., der zu Kardinal Wyszyński gesagt hatte, dass es ohne dessen Glauben – der weder vor Gefängnis noch vor Leid zurückschreckte –, ohne seine heldenhafte Hoffnung und sein Vertrauen auf die Mutter der Kirche keinen polnischen Papst gegeben hätte.

Fünf Jahre nach der Seligsprechung sind es genau diese drei Begriffe – Glaube, Hoffnung und Vertrauen –, die den besten Schlüssel zum Verständnis seines Vermächtnisses darstellen. Wyszyński hat gezeigt, dass man standhaft sein kann, ohne Hass zu hegen; dass man die Wahrheit verteidigen kann, ohne den Menschen zu verachten; und dass man Zeiten der Prüfung durchstehen kann, ohne die Hoffnung zu verlieren.

Hintergrund: Kardinal Stefan Wyszyński (1901-1981) war Bischof von Lublin, später Erzbischof von Gniezno und Warschau sowie Primas von Polen, zeitweise war er der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz. Seine Seligsprechung erfolgte 2021. Während des Zweiten Weltkrieges beteiligte er sich an widerständiger Bildungsarbeit unter Jugendlichen, außerdem wirkte während des Warschauer Aufstands als Geistlicher der polnischen Untergrundarmee. Nach dem Krieg – schon zum Kardinal ernannt, aber noch nicht offiziell ins Kardinalskollegium aufgenommen – wurde er drei Jahre lang inhaftiert (1953-1956). Er war Teilnehmer am II. Vatikanischen Konzil, er zählte zu jenen polnischen Bischöfen, die zu einer Versöhnung zwischen Polen und Deutschland aufriefen. Er spielte in den 1980er Jahren eine entscheidende Rolle als Vermittler zwischen der polnischen Oppositionsbewegung Solidarność und dem kommunistischen Regime. Wyszyński wird in Polen als Symbolgestalt des geistigen Widerstands gegen das kommunistisch-atheistische Regime verstanden, in katholischen polnischen Texten wird er auch öfter hochachtungsvoll als „Primas des Jahrtausends“ bezeichnet.

kath.net dokumentierte 2021 die Predigt von Kardinal Semeraro zur Seligsprechung in voller Länge in eigener Übersetzung, siehe Link.

Archivfoto: Papst Johannes Paul II. und Kardinal Stefan Wyszyński


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