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Erik Varden: „Habe den Eindruck, dass Leo ein Mann von großer Integrität und weise, geduldig ist“

10. März 2026 in Spirituelles, 2 Lesermeinungen
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Norwegischer Bischof: Liturgie ist einer der Schlüssel zur Evangelisierung – Rolle der Kirche bei Neuevangelisierung – Blick auf II. Vatikanisches Konzil: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für eine gründliche Bestandsaufnahme des katholischen Glaubens“


Trondheim (kath.net/pl) Er habe den Eindruck, dass Papst Leo XIV. „ein Mann von großer Integrität und eine weise, geduldige Leitungspersönlichkeit ist. Von Anfang an setzte er sich für die Einheit ein und wies auf Christus, das Wesentliche, hin. Und das ist wunderbar. Darüber hinaus strahlt er eine einzigartige Stabilität und Ruhe aus. Man sagt, er habe die Gabe, einen Raum zu betreten und ihn friedvoll zu gestalten. Und das ist eine große Gabe.“ Das erläutert Bischof Erik Varden im Interview mit Fran Otero für die in Madrid (Spanien) erscheinende und zu den Medien der Spanischen katholischen Bischofskonferenz gehörende Monatszeitschrift „Ecclesia Revista“. Anlass für das Interview war das Erscheinen der spanischensprachigen Buchausgabe von „Verletzt“, das über die Wunden Christi und die Wunden der Menschheit nachdenkt.

Bischof Varden bejahte die Frage des Interviewers, wonach die Liturgie ein Schlüssel zu Evangelisierung sei. Er betonte, sie sei „ein entscheidender Schlüssel. Sie ist nicht der einzige Schlüssel, aber der wichtigste. Das war sie schon immer.“ 

Auf die Frage des Interviewers, was man tun könnte, um in der Fastenzeit über die Wunden Christi und über unsere eigenen Wunden nachzudenken, erklärte Varden, dass man sich „eingehender mit der Liturgie der Kirche auseinandersetzen“ könnte, denn die Liturgie sei „ein außergewöhnliches Lehrmittel, und die Kirche ist eine große Lehrerin. Durch ihre Zeichen, Texte, Handlungen, Präsenzen und Nicht-Präsenzen lenkt die Liturgie unsere Aufmerksamkeit und schärft unser Gewissen. Wenn wir die Liturgie zu uns sprechen lassen und an ihr teilnehmen, werden wir zum Mysterium hingezogen. Wenn wir die Liturgie zu uns sprechen lassen und sie nicht banal und langweilig finden, wird uns das Geheimnis der Fastenzeit erschlossen, und wir werden auf Ostern vorbereitet sein.“


Auch in Spanien werde derzeit von einer spirituellen Renaissance gesprochen, erinnert der Interviewer. Varden greift diesen Gedanken auf und bestätigt, dass es tatsächlich „ein erneutes Interesse“ gebe. Doch „ob dies zu einer Wiedergeburt des Glaubens führen wird, bleibt abzuwarten. Dies wird maßgeblich davon abhängen, wie wir als Kirche dieses Interesse aufnehmen, lenken und fördern. In diesem Zusammenhang zeigen die Evangelien, dass sich große Menschenmengen um Jesus versammelten, angezogen von seiner Predigt, von seinem Versprechen von Glück und Freiheit. Doch je mehr er die Kosten der Nachfolge und die Bedeutung der Teilnahme an dieser fortwährenden Mission der Erlösung und Befreiung offenbarte, desto mehr Menschen sagten, dass dies nichts für sie sei. Die große Tragödie des Evangeliums ist es, zu sehen, wie diese große Menschenmenge auf Golgatha auf zwei reduziert wurde: die Mutter Gottes und den Lieblingsjünger.“

Dann ging Varden darauf ein, dass Papst Leo in seinen Katechesen nun das Zweite Vatikanische Konzil erneut aufgreift. „Benedikt XVI. sagte immer, das Erbe des Konzils liege in den Texten“, erinnerte der norwegische Bischof, „und wir befinden uns in einem sehr interessanten Moment, denn wir, die wir heute Erwachsene in der Kirche sind, waren keine Augenzeugen dieses großen Ereignisses. Und wie immer bei jedem bedeutsamen Ereignis verändern sich Rezeption und Weitergabe, wenn es nicht mehr mit einer bestimmten kollektiven Erfahrung verbunden ist. Wir sind vielleicht gezwungen, uns objektiver mit dem Erbe des Konzils auseinanderzusetzen. In jedem Fall müssen wir eine Hermeneutik der Kontinuität wählen, die die einzige Möglichkeit ist. In dieser Zeit, wie der heilige Benedikt [A.d.Ü.: von Nursia] dem Abt sagt, müssen wir in der Lage sein, Altes und Neues aus dem großen Schatz, den wir hüten, hervorzubringen. Doch zuerst müssen wir wissen, was sich in unserem Schatz befindet. Daher ist jetzt ein guter Zeitpunkt für eine gründliche Bestandsaufnahme des katholischen Glaubens.“

Priorität in der Kirche sollte sein, so Varden, „auch auf die Gefahr hin, Sie zu enttäuschen…: die beständige Verkündigung des Evangeliums Christi. Der Welt zu verkünden, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist und der Tod besiegt ist, dass Vergebung möglich ist und dass die Menschen zur Heiligkeit berufen sind.“

Mit Blick auf die aktuelle politische Weltlage erläuterte Varden, dass man in Zeiten lebe, „in denen Entscheidungen getroffen werden müssen. Und wir, die wir in freien Ländern leben, müssen uns fragen, ob wir uns wirklich dem Leben, das wir führen, und den Werten, die wir zu verteidigen und zu teilen vorgeben – Freiheit, Gleichheit, Gastfreundschaft – verpflichtet fühlen und ob wir bereit sind, Opfer zu bringen, um frei zu bleiben, oder ob wir lieber unsere Freiheit verkaufen würden, solange wir in Frieden leben können.“

Varden ist der Prälat von Trondheim, der Apostolische Administrator von Tromsø und auch der aktuelle Präsident der Skandinavischen Bischofskonferenz. Der Trappistenmönch, ein Konvertit aus dem lutherisch geprägten Christentum, ist ein gesuchter geistlicher Lehrer, Autor vieler spiritueller Bücher und leitet die diesjährigen Fastenexerzitien des Papstes und der Kurie auf persönliche Einladung von Papst Leo XIV.

Weitere kath.net-Artikel über Bischof Varden: siehe Link.


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