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| ![]() Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit (Mt 28,16–20) – Das göttliche Geheimnis der Liebevor 5 Stunden in Spirituelles, 2 Lesermeinungen „Es gibt Feste im Kirchenjahr, die uns sofort ansprechen… Doch das heutige Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit scheint vielen zunächst fern und schwer zugänglich.“ Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer Eichstätt (kath.net) Liebe Schwestern und Brüder, es gibt Feste im Kirchenjahr, die uns sofort ansprechen. Weihnachten berührt das Herz: Gott wird Mensch. Ostern erfüllt uns mit Hoffnung: Christus lebt. Pfingsten entzündet die Sehnsucht nach Kraft und Erneuerung: Der Heilige Geist kommt über die Kirche. Doch das heutige Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit scheint vielen zunächst fern und schwer zugänglich. Vater, Sohn und Heiliger Geist – ein Gott in drei Personen: Das klingt für manche wie ein theologisches Rätsel, wie eine komplizierte Formel aus vergangenen Jahrhunderten. Und doch ist dieses Fest vielleicht das menschlichste und tröstlichste aller christlichen Feste. Denn die Dreifaltigkeit sagt uns etwas Entscheidendes über Gott – und zugleich über uns selbst: Gott ist nicht Einsamkeit. Gott ist Beziehung. Gott ist Liebe. Der christliche Glaube verkündet keinen fernen Herrscher, keinen kalten Weltenlenker und keinen einsamen Monarchen über den Wolken. Der Gott Jesu Christi ist lebendige Gemeinschaft: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gott ist ewige Liebe, die sich schenkt, empfängt und erwidert. Darum ist die Dreifaltigkeit nicht zuerst ein Problem für den Verstand, sondern eine Heimat für das Herz. I. Gott ist nicht einsam Der christliche Glaube sagt jedoch etwas anderes: Gott ist nicht Selbstverschlossenheit. Gott ist nicht kalte Macht. Gott ist Liebe – und Liebe gibt es niemals ohne Beziehung. Der Vater liebt den Sohn von Ewigkeit her. Der Sohn empfängt alles vom Vater und schenkt sich ihm vollkommen zurück. Und diese lebendige Liebe zwischen Vater und Sohn ist der Heilige Geist – der Atem Gottes, die Kraft des Lebens, die Wärme göttlicher Gemeinschaft. Der heilige Augustinus von Hippo formulierte einmal einen tiefen Gedanken: „Wo Liebe ist, dort ist Dreifaltigkeit.“ Denn wo echte Liebe geschieht, da gibt es immer den Liebenden, den Geliebten und die Liebe selbst. So leuchtet in jeder wahren Liebe etwas vom innersten Wesen Gottes auf. Das bedeutet zugleich: Der Mensch ist nicht geschaffen für Isolation. Er ist geschaffen für Beziehung, für Hingabe, für Gemeinschaft. Darum verletzt Einsamkeit den Menschen so tief. Darum kann Lieblosigkeit eine Seele austrocknen. Der Mensch trägt die Sehnsucht nach Gemeinschaft in sich, weil er aus dem dreifaltigen Gott hervorgegangen ist. II. Einheit ohne Zwang – Verschiedenheit ohne Spaltung Der große Kirchenvater Gregor von Nazianz schrieb: „Ich kann das Eine nicht denken, ohne vom Drei umstrahlt zu sein; und ich kann das Drei nicht betrachten, ohne zum Einen zurückgeführt zu werden.“ Was bedeutet das? In Gott gibt es Einheit ohne Einförmigkeit. Der Vater ist nicht der Sohn. Der Sohn ist nicht der Geist. Und doch sind sie vollkommen eins. Das ist vielleicht eine der wichtigsten Botschaften für unsere Zeit. Denn unsere Welt kennt oft nur zwei Möglichkeiten: entweder Gleichmacherei oder Spaltung. Entweder muß alles gleich sein — oder alles zerbricht in Gegensätze. Die Dreifaltigkeit zeigt einen anderen Weg: Gemeinschaft ohne Vereinnahmung. Einheit ohne Zwang. Verschiedenheit ohne Trennung. Gerade darin liegt eine tiefe Hoffnung für Kirche und Gesellschaft. Menschen müssen nicht identisch sein, um einander lieben zu können. Wahre Gemeinschaft entsteht nicht durch Uniformität, sondern durch Liebe. - Der dreieinige Gott wird so zum Urbild jeder versöhnten Gemeinschaft. III. Die Dreifaltigkeit ist Bewegung Hier zeigt sich etwas Entscheidendes: Die Dreifaltigkeit ist kein Stillstand. Gott ist lebendige Bewegung der Liebe. Der Vater sendet den Sohn in die Welt. Der Sohn schenkt den Heiligen Geist. Der Geist führt die Kirche durch die Geschichte. Der heilige Irenäus von Lyon verwendete dafür ein schönes Bild: Der Vater wirke durch seine „zwei Hände“ den Sohn und den Heiligen Geist. Mit diesen Händen forme Gott den Menschen, berühre die Welt und heile das Verwundete. Darum bedeutet Glaube niemals Erstarrung. Wer aus der Dreifaltigkeit lebt, lernt hinauszugehen aus sich selbst: auf andere Menschen zu, auf die Leidenden, auf die Einsamen, auf jene, die Trost brauchen. – Die Liebe Gottes will weiterfließen. IV. Die Dreifaltigkeit begleitet unser ganzes Leben Wir wurden getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das war nicht bloß eine Formel. Es war Aufnahme in das Leben Gottes selbst. Seitdem trägt unser Leben einen göttlichen Namen. Und jedes Mal, wenn wir das Kreuzzeichen machen, bekennen wir mit unserem Leib: Ich gehöre nicht mir allein. Ich komme vom Vater. Ich bin erlöst durch den Sohn. Ich lebe aus der Kraft des Heiligen Geistes. Das Kreuzzeichen ist eine stille Zusammenfassung des ganzen Evangeliums. Von der Stirn zum Herzen, von Schulter zu Schulter: Denken, Lieben und Handeln sollen unter den Namen Gottes gestellt werden. Die Dreifaltigkeit bedeutet darum vor allem dies: Der Mensch ist nicht verlassen. Nicht das Nichts trägt die Welt, sondern Liebe. Nicht die Angst ist das letzte Wort, sondern Gemeinschaft. Der heilige Basilius der Große sagte einmal: „Durch den Heiligen Geist kehren wir ins Paradies zurück, steigen auf in das Himmelreich und werden wieder Kinder Gottes.“ V. Die Sehnsucht des Menschen und die Nähe Gottes Darum bleiben Beziehungen oft überfordert. Kein Mensch kann für einen anderen Gott sein. Doch genau in diese innere Leere hinein spricht die Dreifaltigkeit Gottes. Der Vater sagt: „Du bist mein geliebtes Kind.“ Der Sohn sagt: „Ich gehe deinen Weg mit dir.“ Der Heilige Geist sagt: „Ich wohne in dir und stärke dich von innen und bringe dich wieder heim.“ So wird Einsamkeit nicht einfach ausgelöscht, aber verwandelt. Sie kann zu einem Raum werden, in dem Gott spricht. Die Kirchenväter wussten: Wer in die Tiefe seines Herzens hinabsteigt, kann dort Gott begegnen. Der heilige Gregor von Nyssa schrieb: „Das Herz des Menschen ist weit genug, um Gott aufzunehmen.“ VI. Demut vor dem Geheimnis Das bedeutet nicht, daß der Glaube unvernünftig wäre. Es bedeutet vielmehr: Gott ist größer als unser Denken. Die rechte Haltung vor der Dreifaltigkeit ist deshalb nicht Besserwisserei, sondern Staunen. Nicht Rechthaberei, sondern Anbetung. Vielleicht braucht unsere Zeit genau diese Demut neu. Denn wir leben in einer Welt, die alles erklären, messen und kontrollieren möchte. Aber das Wichtigste im Leben entzieht sich letztlich dem Zugriff: Liebe, Schönheit, Vertrauen, Gnade. Die Dreifaltigkeit erinnert uns daran, daß Wahrheit nicht kalt ist. Wahrheit ist Liebe. VII. Aus der Dreifaltigkeit leben Wir brauchen heute Menschen, die aus der Dreifaltigkeit leben: Menschen, die wie der Vater Raum geben. Menschen, die wie der Sohn dienen. Menschen, die wie der Geist trösten und verbinden. Dann verändert sich auch unser Blick auf die Welt. Schluss: In Gottes Liebe geborgen Wir feiern Gott als Ursprung allen Lebens. Wir feiern Christus als unseren Bruder und Erlöser. Wir feiern den Heiligen Geist als Tröster und Lebenskraft. Die Dreifaltigkeit ist kein Rätsel, das gelöst werden muß. Sie ist ein Raum, in den wir eintreten dürfen. Ein Licht, das uns umfängt. Ein göttlicher Kreis der Liebe, der offensteht für die ganze Welt. Darum dürfen wir vertrauensvoll beten: Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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