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Stranger Things

vor 2 Stunden in Chronik, keine Lesermeinung
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Stranger Things ist natürlich kein Einzelfall, wenn es darum geht, wie mediale Unterhaltung als trojanisches Pferd für relativistisch geprägte Ideologie verwendet wird - Gedanken aus dem Auenland - Kommentar von Nikolaus Lobkowicz


Prag (kath.net)

Ich bin eigentlich alles andere als ein Horror Film Fan. Der Gedanke, mir absichtlich etwas anzuschauen das mir Angst einflösst, ist mit meinem Naturell nur schwer zu vereinbaren- ausser, die Geschichte ist extrem gut. Deswegen dauert es oft lange bis ich mich an Geschichten und Filme aus dem Horror Genre ran traue; und so kommt es, dass ich tatsächlich „erst“ vor einigen Jahren zum erstmal sehr zaghaft eine Episode der Serie „Stranger Things“ sah, während ich mit einer schweren Grippe im Bett lag. Drei Tage später hatte ich mir tatsächlich alle Folgen dieser spektakulär unterhaltsamen und auf merkwürdige Weise positiven Serie reingezogen, die erst mal eher als eine klassische und vergleichsweise harmlose Coming of Age Story daherkommt: 

Eine Bande „nerdiger“ und dabei hoch sympathischer Kinder aus den 80ern geraten wieder Willen ins Zentrum einer Entwicklung, bei der eine materielle Manifestation der Hölle immer aggressiver versucht, die natürliche Welt zu überkommen. Wie die Kinder an dieser Herausforderung wachsen und mit welchem Witz und Mut sie ihr begegnen, ist in etwa so glaubwürdig wie Indiana Jones und dabei so charmant wie „Stand by me“. 

Die Serie ist- zunächst- weitestgehend frei von ideologischen Belehrungen und jener semi-subtilen Indoktrinierung, an die wir uns mittlerweile so gewöhnt haben, wie zu Schulzeiten an den Mundgeruch eines Klassenkameraden. Das ändert sich aber, als in Season 4 klar wird, dass eine der männlichen Hauptfiguren offenbar homosexuelle Regungen hat, und gleichzeitig eine neue lesbische Hauptfigur ins Spiel gebracht wird, die natürlich ein starker Sympathieträger ist. In Season 5 wird das „Coming Out“ der männlichen Figur dann unverhohlen zum zentralen Element, sozusagen als der Kiesel, mit dem der Goliath dieser Erzählung zur Strecke gebracht werden soll. Besagte Figur, ein stereotypisch sanfter und sensibler


Junge namens Will, ist auch die am meisten gequälte Figur der ganzen Geschichte- gleich anfangs vom dämonischen Oberbösewicht entführt, gefoltert und für dessen finsteren Zwecke missbraucht, leidet der Bub im Verlauf der Serie (während der er heranwächst) zunehmend stärker an seiner hoffnungslosen Verliebtheit in seinen besten Freund.  Besonders durch die Dialoge mit der lesbischen Mitkämpferin Robin kommt Will nach und nach zu der Einsicht, dass gerade seine homosexuelle Neigung die Quelle seiner neu entdeckten übernatürlichen Fähigkeiten ist. 

Die intensive Eindringlichkeit, mit der dieser Prozess dargestellt wird, ist absolut beeindruckend- eindringlichst wird hier von Robin dafür geworben, dass Will doch endlich „der sein solle, der er wirklich ist“. Dabei wird ganz selbstverständlich so getan, als seien sexuelle Orientierung und Identität ein und dasselbe. 

Diese extrem spannende, durchaus anspruchsvoll gehaltene Serie wird von 12-17 jährigen auf der ganzen Welt gesehen- und aufgrund der immer grösseren Gruppe der durchwegs sympathisch Imperfekten „Guten“ findet bestimmt jeder irgendwo eine Identifikationsfigur. Jugendliche, die in einem relativistischen Umfeld aufwachsen (und daher Richtig und Falsch für rein subjektive Kategorien halten), finden hier wohlmöglich Antworten auf Fragen, die ihnen von ihrem kulturellen und medialen Umfeld sowieso dauernd gestellt werden: 

“Welche sexuelle Orientierung hast du?”

Und:

„Wer bist Du?“

Die verführerische Suggestion ist, dass diese Fragen zusammengehören. Dass ihre Beantwortung  identitätsstiftend sein könnte. Und wenn gleichzeitig die heterosexuelle Beziehung zwischen zwei anderen Hauptfiguren zerbricht- und der männliche Teil seinen Verlobungsring zum Schluss Machen verwendet- dann wird peinlich deutlich, was die Drehbuch Schreiber positiv betonen wollen und was nicht. 

Stranger Things ist natürlich kein Einzelfall, wenn es darum geht, wie mediale Unterhaltung als trojanisches Pferd für relativistisch geprägte Ideologie verwendet wird. Aber, besonders die Vermischung dieser Ideen mit dem Übernatürlichen und dem suggerierten Versprechen von übernatürlicher Macht hat eine besonders ausgeprägte verführerische Note. 

Des jungen Will‘s Leiden an sich selbst, aber eben auch an seinen von aussen kommenden Qualen, hat ganz bestimmt gerade für aufgrund von Pubertät unsichere  Jugendliche gewaltiges Identitfikationspozenzial. Die Figur des Will wird hier ganz bewussten zu einer schwulen Christus Darstellung stilisiert, deren Erlösung ihr Coming Out ist. Gleichzeitig ist diese „Versöhnung mit der sexuellen Orientierung“ hier irgendwie auch der Katalysator dafür, dass Will seine scheinbar enormen übernatürlichen Kräfte entdeckt. Womit das beliebte Genre des „Coming of Age“ sich mit dem esoterischen verbindet, und somit selbst zu genau der Art von sehr realem Einfallstor für unsichtbare Kräfte wird, um die es in dieser fiktiven Serie geht. Diese Serie geistig unbeschadet zu sehen setzt daher meiner persönlichen ein Mass an geistiger Reife und Unterscheidungsgabe voraus, das nur sehr wenige Pubertierende haben dürften. 

 

Nikolaus Lobkowicz lebt mit seiner Familie in Tschechien. Seit  Oktober 2025 erscheint seine neue Kolumne "Gedanken aus dem Auenland" regelmäßig auf kath.net.


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