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Der Tod der Theologie in Deutschland

16. Februar 2026 in Kommentar, 21 Lesermeinungen
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Jetzt bekommen die deutschsprachigen Fakultäten die Quittung für das Niveau, auf dem gelehrt wird. Wer sich auf ein Theologiestudium einlässt, will nun einmal den Glauben der Kirche studieren und nichts anderes. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Glaubst Du noch oder hast Du schon Theologie studiert? Diese Frage ist in Deutschland mehr als berechtigt. Die katholischen theologischen Fakultäten und Institute (kleinere akademische Einrichtungen für die Lehrerausbildung) stehen im Ruf alles Mögliche zu lehren, aber keine ernstzunehmende katholische Theologie. Alle aufrechten Dozenten und Professoren – Akademische Räte einmal ausgenommen – wissen längst: In Münster macht man das Kleine Häretikum, in Tübingen das Große. Polemik hin, Polemik her, auch die Fakultäten holt irgendwann die Wirklichkeit ein. Begonnen hat es längst.

Die jüngsten Studentenzahlen zeigen, die Fakultäten leeren sich. Wo die Leere der Lehre weicht, muss die Frage nach dem Fortbestand gestellt werden. Gerade bei den Vollfakultäten, die der Staat gemäß Konkordat zur Priesterausbildung bereithalten muss, stellt sich angesichts der Zahlen der Priesteramtskandidaten die Frage, ob und wie lange die Bundesländer noch bereit sind, diese aufrecht zu erhalten. Als das Bistum Essen seine Studenten von Bochum nach Münster geschickt hat, war die Theologische Fakultät im Grunde obsolet. Grundsätzlich ist die Existenz einer Katholisch-Theologischen Fakultät an die Priesterausbildung geknüpft. Im Falle von Bochum hatte der Heilige Stuhl zugestimmt, dass die Bochumer Fakultät dennoch als solche erhalten bleiben kann. Diese bundesweit einmalige Konstruktion geht auf eine Verständigung von Nordrhein-Westfalen und dem Heiligen Stuhl zurück. Armin Laschet hatte sich als Ministerpräsident dafür eingesetzt. Ob es sich wiederholen lässt, dürfte mehr als fraglich sein.

Laschet sagte damals: „Die Theologie spielt eine wichtige Rolle im Konzert der Wissenschaften. Gerade im Ruhrgebiet wünschen wir uns auch für die Zukunft viele geistige Impulse“, etwa im Umgang mit dem technologischen Wandel und der Künstlichen Intelligenz. Die Frage nach Gott, so der Ministerpräsident, bleibe zentral. So richtig zentral war es dann wohl doch nicht, denn von 750 Studenten im Jahr 2018 sind es heute gerade noch 163 im Wintersemester 2023/24. An anderen Universitäten sieht es nicht viel anders aus. Stabil ist allein Augsburg mit 73 Studenten. Münster ging in den vergangen sechs Jahren von 1012 auf 444 Studenten zurück. München von 251 auf 102, Bonn von 215 auf 88. Einen gegenläufigen Trend zeigen die Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) mit einem Zuwachs von 46 auf 82 oder die Hochschule der Pallotiner in Vallendar mit 53 auf 60.


Wen mag es wundern. Junge Menschen interessieren sich nur noch in einer verschwindend geringen Minderheit für den katholischen Glauben. Was aber die reine Quantität durchaus kompensieren mag, ist die Qualität. Wer sich auf den Weg macht, um Theologie zu studieren, möchte diesen so exotischen Glauben an Jesus Christus mit seinem Verstand tiefer durchdringen. Eine Berufswahl mit Karriereoption ist Theologie ohnehin nicht, und will man sich beruflich der Kirche anvertrauen, macht man sowieso immer nur Karriere nach unten. So man sich auf den Glauben einlässt und nicht nach Ämtern und Ehren strebt, ist das sogar dann so, wenn man Bischof wird. Der Bischof hat nicht etwa die Macht gepachtet, sondern er hat dem Glauben zu dienen und ihn authentisch zu verkünden. Dass dies durchaus anders sein kann, hat der Synodale Weg deutlich gezeigt. Bischöfe, die sich hoch über den überlieferten Glauben der Kirche erhaben fühlen, weil sie erkannt haben, was die Kirche angeblich von den säkularen Wissenschaften lernen kann, sind wirklich die allerschlechtesten Beispiele für Theologen. Denn letztendlich ist der Bischof der erste Theologe in seinem Bistum.

Die KHKT oder die Hochschule in Heiligenkreuz zeigen es sehr deutlich: Junge Menschen, die sich auf die Theologie einlassen, wollen natürlich Wissenschaft treiben. Doch sie wollen den authentischen Glauben der Kirche wissenschaftlich durchdringen und nicht die Fantasien von Professoren nachplappern müssen. Schon in der Antike war der Glaube der Kirche an die Vernunft rückgekoppelt. Der Dialog mit der säkularen Philosophie, hier zuerst der Neuplatonismus, machte den Glauben in der antiken Umwelt satisfaktionsfähig. Wie sehr Vernunft und Glauben zusammen gehören, konnte man bei Joseph Ratzinger /Papst Benedikt XVI. lernen. Jener bescheidene Diener in Weinberg des Herrn hat ein so umfassendes theologisches Lebenswerk vorgelegt, dass man nur vor Neid erblassen könnte, wäre es nicht ein solches Geschenk für jeden von uns. Liest man seine Werke, so atmen sie einen tiefen, mit den Jahren immer reifer werdenden Glauben, den er immer wieder im Feuer der Vernunft und vor den Lehren der Väter härtete, damit er nicht wanke.

Es ist nicht die Aufgabe einer Kolumne hier einzelne Theologen zu bashen. Doch nehme man folgendes Maß, wenn man ein Werk eines Theologen liest: Versteht diese Arbeit meinen Glauben, der immer auch der Glaube der Kirche sein muss, zu stärken oder bringt das Werk meinen Glauben/meine Kirchlichkeit ins Wanken? Gerät der Glaube ins Wanken, so ist das nicht zwingend negativ, ich selbst kann ja falsch liegen. Die Kontrollinstanz ist die Lehre der Kirche und diese ist so weit und so groß, dass sich darin viel bewegen kann. Der Glaube der Kirche innerhalb der Grenzpfähle, die das ordentliche Lehramt im Laufe der Geschichte eingeschlagen hat, so groß und so weit, dass man kaum zum Häretiker werden kann, wenn man es nicht absichtlich anstrebt. Doch selbst da muss man bei zahlreichen zeitgenössischen deutschen Theologen feststellen, dass die Zwischenräume der Pfähle nicht mehr ausreichen. Prüft man, was man liest, vor dem Glauben der Kirche und findet diesen im Gelesenen nicht mehr vor, dann weg damit, es taugt nicht. Leider ist das viel zu häufig der Fall. Kurz und boshaft gesagt, in vielen Vorlesungen an deutschen katholischen theologischen Fakultäten wäre allein Häresiebingo die angemessene Beschäftigung. Mitschreiben lohnt nicht, es sei denn, man braucht Nachplappermaterial für die Prüfung.

Wer in Deutschland Theologie studiert, das muss man leider feststellen, geht das Risiko ein, in den fünf Jahren komplett vom Glauben abzufallen. Wer in die Wissenschaft will und nicht auf der linkskatholischen Schiene fährt, hat es schwer. Wie tief das greift, vermag man daran zu erkennen, dass inzwischen – so sagte es einst ein inzwischen verstorbener Weihbischof – die verdorbene Theologie der deutschen Universitäten im Episkopat angekommen ist. Ein Synodaler Weg wäre anders gar nicht möglich gewesen. Aus diesem Grund sollte sich auch niemand Hoffnungen machen, dass sich die Situation ändern wird. Den Entzug einer Venia legendi oder eines Nihil obstat wird es in Deutschland nicht mehr geben. Selbst wenn ein deutscher Bischof Bedenken hätte, ob man einen unter seiner Verantwortung Lehrenden nicht besser aus dem Lehrbetrieb nehmen sollte, so wird dieser kaum den Shitstorm riskieren oder einen beamteten Professor, der danach auf einer staatlichen Fantasiestelle einfach weiter lehren kann, zum Märtyrer zu machen.

Die Heilung der deutschen katholischen theologischen Fakultäten und Institute besteht im Zweifel darin, sie sterben zu lassen. Heiligenkreuz, KHKT, Vallendar und vielleicht ein oder zwei weitere kirchliche Fakultäten reichen aus, den Bedarf an Theologie in Deutschland zu decken. Für die gläubigen Studenten ist dies längst der Weg der Wahl, das zeigen die Zahlen und Trends. Wenn die theologischen Fakultäten und Institute irgendwann komplett leer sind, wird auch der Staat sein Interesse daran verlieren, die Theologie noch in irgendwelche Exzellenzcluster einzubinden. Den Hochschulen ist die Theologie meist längst ein Dorn im Auge. Die Räume kann man besser anders verwenden. Zudem streben auch die Bischöfe bei immer weiter sinkenden Berufungszahlen die Konzentration der Ausbildungsorte an. Damit mögen die Fakultäten vielleicht noch ein oder zwei Jahrzehnte existieren, weiterleben werden sie nur, wenn sie sich bekehren.

 

Bild oben: Der leere Hörsaal ist wohl in Theologie mehr und mehr der Normalfall. Die Studentenzahlen sinken dramatisch. Foto: Pixabay.


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