![]() |
Loginoder neu registrieren? |
|||||
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
| ||||||
SucheSuchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln: ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-diskutiert
| ![]() Bischof Overbeck ist mit Weidel und Chrupalla in Sachen Iran einer Meinungvor 4 Stunden in Kommentar, keine Lesermeinung Ein vorschnelles Urteil bringt den deutschen Militärbischof in die Nähe von politisch ganz rechten und politisch ganz linken. Man nennt so ein Phänomen ein Hufeisen.In guter Gesellschaft ist der Bischof hier nicht. Montagskick von Peter Winnemöller Linz (kath.net) Der deutsche Militärbischof zeigt sich kritisch gegenüber den Angriffen der USA und Israels auf den Iran. „Einen Krieg anzufangen, der nicht rechtlich abgesichert ist, bleibt Unrecht“, sagte der Bischof im Rahmen eines Besuches am Essener Mariengymnasium. Er selbst habe bald nach den ersten Angriffen am Wochenende die Militärseelsorgerinnen und -seelsorger kontaktiert, die mit der Bundeswehr derzeit in Jordanien und im Nordirak sind, sagte Overbeck im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern. „Und ich war sehr froh, als sie mir berichten konnten, dass beide Einheiten in Sicherheit sind.“ Als Schüler habe er Anfang der 1980er Jahre für sich entschieden: „Wenn wir angegriffen werden, würde ich die Freiheit verteidigen.“ Gleichzeitig betonte Overbeck, dass es nur um einen regelbasierten Einsatz von Waffen gehen dürfe, der einzig dem Schutz und der Wiedererlangung von Frieden und Freiheit dienen dürfe. Damit begibt sich der deutsche Militärbischof recht nahe an die Position des AfD-Vorstandes. Alice Weidel und Tino Chrupalla hatten in der vorletzten Woche am Samstag mitgeteilt, sie hätten die Angriffe „mit großer Sorge zur Kenntnis genommen“. Die „erneute Destabilisierung des Nahen Ostens“ liege „nicht im deutschen Interesse“ und müsse „beendet werden“. „Ich verurteile die extrem gefährliche militärische Eskalation im Mittleren Osten”, schrieb die Präsidentin der UNO-Vollversammlung, Annalena Baerbock auf X. Die UN-Charta sei eindeutig, so die selbsternannte Chefdiplomatin der UN, Streitigkeiten friedlich lösen, zur Diplomatie zurückkehren. Sarah Wagenknecht sagt auf der Internetseite des BSW „Der Angriff von USA und Israel auf den Iran ist ein schwerer Völkerrechtsbruch und droht die ganze Region ins Chaos zu stürzen. Offenkundig geht es den USA bei diesem Krieg nicht um iranische Atomraketen, sondern um einen geopolitisch motivierten Regime-Change.“. Damit ist das Hufeisen sichtbar und hinreichend umschrieben, mit dem sich ausgerechnet der deutsche Militärbischof gemein macht. Kirchliche Friedensappelle sind nicht nur nachvollziehbar, sondern auch notwendig. Nicht umsonst ringt das Magisterium der Kirche seit Jahren mit der Frage der Existenz eines gerechten Krieges. So sollte man den Bischof nun nicht der Kontaktschuld bezichtigen, das ist linke Cancel culture und einer seriösen Einordnung nicht angemessen. Dennoch kommt man nicht umhin, an dieser Stelle festzustellen, dass ein profilierter Mann der Kirche, der sonst zu jeder Zeit nicht müde wird zu betonen, politisch bei den Parteien der Mitte verortet zu sein, sich gerade an den äußersten Rand begeben hat, nämlich dorthin, wo sich linke und rechte Ideologien treffen. Die politische Einordnung ist hochkomplex und kann hier nur sehr grob erfolgen. Das Mullah-Regime im Iran hat seit 1979 die Bevölkerung in ein radikales und fundamental islamistisches Regime gezwängt. Der ehemals moderne und westlich orientierte Iran wurde zu einem Unterdrückerstaat. Insbesondere Frauen litten darunter, ihnen wurde Bildung und Freiheit in hohem Maße vorenthalten, während sie unter den freiheitsberaubenden Schleier gezwungen wurden. Die jüngsten Proteste hat das Regime brutal und extrem blutig niedergeschlagen. Fachleute berichten von 30.000 Toten, die von den Sicherheitskräften der Mullahs ermordet wurden. Aus den Kreisen derer, die nun das regelbasierte Völkerrecht so entschieden einfordern, darunter Bischof Overbeck, blieb es damals erstaunlich still. In einen kleinen weiteren Schritt muss man dieses Völkerrecht mal erklären. In Folge des Zweiten Weltkrieges wurden die Vereinten Nationen und mit diesen der Weltsicherheitsrat gegründet. Im Laufe des Kalten Krieges bis 1990 wurden hier die Interessen der beiden Blöcke Ost und West ausgeglichen. Unter Radar oder allenfalls zu Propagandazwecken ans Licht geholt, blieben die zahlreichen Stellvertreterkriege der Blöcke. Es ging darum, die Interessen und Machtbereiche auszugleichen und einen Konflikt sowohl zwischen den Blöcken als auch in Zentraleuropa zu vermeiden. Sicherheitsethisch ist der Weltsicherheitsrat praktizierter Zynismus. Dabei aber gut für die jeweilige Propaganda. Die regelbasierte Ordnung hat nur einmal geklappt, und zwar beim ersten Angriff des USA auf den Irak. Infolge der Kuwait-Krise waren alle maßgeblichen Staaten der Welt mit dem Angriff auf den Irak einverstanden. Einmal und nie wieder. Man stelle sich vor, die USA und Israel hätten sich um ein UN-Mandat für einen Angriff auf den Iran bemüht. Im Weltsicherheitsrat treffen inzwischen die Ansichten der USA auf die Russlands und auf die Interessen Chinas und so weiter. Damit sei an dieser Stelle nicht gesagt, dass der Angriff der USA auf den Iran ohne Zweifel gerecht ist. Es kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Möchte man einem Land, das von unberechenbaren islamistischen Fanatikern beherrscht wird und das im gesamten Nahen Osten den islamistischen Terror finanziert, wirklich die Atombombe erlauben? Allein Israel kann das nicht dulden. Und die USA können es nicht dulden, weil es Israel nicht dulden kann. Auf den Punkt gebracht hat es der Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, die nun von der Polizei für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. „Krieg ist wirklich dreckig“, so der Abt in einer Videobotschaft. „Krieg reißt einem die Maske runter“, so der Benediktiner, „man steht sehr nackt da, und alle Schutzpanzer, die man sich im Alltag anlegt, die splittern.“ Das ist ehrlich, keine Verherrlichung des Krieges, das ist keine Negativpropaganda mit dem Krieg, wo man sich mit seiner Gegnerschaft profilieren will. In einer Ansprache zum Angelus der Papst: „Stabilität und Frieden lassen sich nicht durch gegenseitige Drohungen oder durch Waffen erreichen, die Zerstörung, Leid und Tod bringen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog“. Auch damit hat der Papst eindeutig Recht, doch der Dialog mit dem Mullah-Regime ist lange geführt worden, und wenn ein Regime hohe fünfstellige Todeszahlen zur Abwehr von Demonstrationen verursacht, ist es nicht mehr satisfaktionsfähig und kann nicht mehr als Gesprächspartner akzeptiert werden. „Möge die Diplomatie ihre Rolle wiederfinden“, so der Papst, „und das Wohl der Völker gefördert werden, die sich nach einem friedlichen Zusammenleben auf der Grundlage der Gerechtigkeit sehnen. Und beten wir weiterhin für den Frieden“. Der letzte Satz ist hier der wichtigste, denn mit den Mullahs gibt es kein friedliches Zusammenleben. Der Frieden im Iran ist seit Jahrzehnten faktisch nicht existent und die Ruhe ist eine ungerechte Ruhe, die mit Waffen erzwungen wird. Die Vernunft sagt uns, dass uns hier ein langer Krieg ins Haus steht. Frieden wäre ein Wunder, doch es ist an uns, um ein Wunder zu beten. In gesamten Region ist der Iran der Unruhestifter Nummer eins. Jeglicher islamistische Terror im Nahen Osten wurde von dort aus zumindest mitfinanziert. Egal ob Hisbollah, Hamas, Islamischer Djihad (PIJ), die Huthi-Bewegung im Jemen und nicht zuletzt schiitische Gruppen im Irak profitierten von den Mullahs. Seit der Revolution 1979 hatte Iran ein Netzwerk von sogenannten Stellvertretern im Nahen Osten aufgebaut. Im Jahr 2022 hatte Teheran Verbündete unter mehr als einem Dutzend großer Milizen, einige mit eigenen Parteien in den Staaten, in denen sie aktiv waren und die lokale und benachbarte Regierungen herausforderten. Irans Revolutionsgarden und die Al-Quds-Brigade stellten Waffen, Ausbildung und finanzielle Unterstützung für Milizen und politische Bewegungen in mindestens sechs Ländern bereit: Bahrain, Irak, Libanon, die palästinensischen Gebiete, Syrien und Jemen. Das Land der Mullahs ist seit 36 Jahren ein Hort der Unruhe und des Terrors. In Verbindung mit den Aufständen im Iran ist es möglicherweise auch nach katholischer Ethik vorstellbar, dem Volk zu seiner Befreiung zu helfen. Jedenfalls fällt die Vorstellung schwer, die Tötung von über 30.000 Iraner durch Kräfte des Mullah-Regimes sei in irgendeiner Weise völkerrechtskonform. Zum brutalen Vorgehen der Mullahs gegen Aufständische hatte man von Bischof Overbeck nichts gehört. Videos aus dem Iran zeigen tanzende Menschen, die den Tod führender Vertreter des Regimes, unter denen sie gelitten hatten, feiern. Eine gerade, eindeutige und lineare Antwort kann es nicht geben. Dem Eingreifen der USA steht vor allem der Misserfolg bei vergangenen Aktionen entgegen. Weder Libyen, Syrien noch der Irak oder Afghanistan sind nach Kriegen der USA gegen die dortigen Herrscher zu Horten der Freiheit geworden. Angesichts derart zweifelhafter Ergebnisse gibt genug Gründe, die Intervention kritisch zu sehen. Anders ist noch einmal der Einsatz Israels zu beurteilen. Ein Land wie der Iran, der die Auslöschung Israels sozusagen als Staatsziel hat, darf keine Atombombe bekommen. Wenn einem kein anderer Grund einfällt, den Einsatz gegen den Iran beziehungsweise gegen das Unrechtsregime der Mullahs zu rechtfertigen, dann ist hier wenigstens einer und der ist – auch für Katholiken – nicht der schlechteste. Ob es der Bevölkerung im Iran gelingen kann, die Freiheit zu erringen, das steht noch in den Sternen, aber neben Frieden für den Iran sollte Freiheit für die Menschen im Iran das zweite große Gebetsanliegen sein. Dass sich nun ein Militärbischof Sorgen um seine Truppen macht, die in einer Krisenregion stationiert sind, ist nur recht und billig. Ein vorschnelles moralisches Urteil in diesem alles andere als einfachen Konflikt steht ihm dagegen schlicht und ergreifend nicht zu. Die Wirklichkeit ist nicht so eindimensional.
Bild oben: Blick über Teheran mit dem Elburs-Gebirge im Hintergrund. Foto: Ninara/flickr.com / CC BY 2.0 Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuMontagskick
| ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-gelesen
| |||
![]() | ||||||
© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz | ||||||