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Ein Brief vom Papst an die Kardinäle und der Stilwechsel in Rom

vor 3 Stunden in Kommentar, keine Lesermeinung
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Der neue Papst setzt andere Akzente. Ein Brief an die Kardinäle und die Einberufung eines Konsistoriums zeigen, wohin Leo steuern will. Neue Spannungen im Verhältnis zur Kirche in Deutschland bahnen sich an. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Rom (kath.net/pw)

Der Stilwechsel im Rom ist kaum noch zu übersehen: Nicht nur der Einzug des Papstes in den Apostolischen Palast ist ein Zeichen dafür. Auch das äußere Auftreten des Papstes mit Mozetta und Stola, der geradezu freundliche oder brüderliche Leitungsstil. Die Osterfreude, die man dem Papst am Gesicht ansehen konnte. Die entschiedenen Friedensappelle, die sehr an Johannes Paul II. erinnern. Ebenso die Ostergrüße in zehn Sprachen und vieles andere mehr. Der nächste Impuls kommt mit der Einladung zum außerordentlichen Konsistorium.

Papst Leo XIV. hat die Kardinäle der Weltkirche zum außerordentlichen Konsistorium nach Rom eingeladen. Augenzwinkernd könnte man sagen, der Papst präzisiert sein Verhältnis zur Synodalität. Doch Polemik ist hier nicht angezeigt. Synodalität wird uns noch eine Weile begleiten. Der Synodalismus wird ebenso sterben wie der Konziliarismus. Wann dies geschehen wird, ist derzeit nicht vorherzusehen. Auf nationaler Ebene wird er noch eine Weile sein Unwesen treiben. Erst mal sehen, was das Konsistorium bringt. Der Papst hat den Kardinälen einen Brief geschrieben. Der Brief ist kurz, höflich und auf den ersten Blick unspektakulär. Gerade darin liegt eine politische und kirchenstrategische Bedeutung. Papst Leo XIV. setzt hier keinen Paukenschlag. Er zieht einen Rahmen auf. Der Papst dankt zunächst für die Beratungen im Januar, hebt deren Qualität hervor und bezeichnet die Ergebnisse als „Ressource von bleibendem Wert“.

Inhaltlich lenkt Leo XIV. den Fokus auf zwei Themen, die bereits im Januar priorisiert wurden. Erstens die Synodalität als Stil kirchlicher Leitung. Da steht eine Hoffnung im Raum, die der nächste Punkt eröffnet. Zweitens geht es nämlich um die missionarische Ausrichtung der Kirche im Geist von „Evangelii gaudium“, dem programmatischen Text seines Vorgängers Franziskus. Angesichts der Tatsache, dass es in Deutschland sogar einen Preis gibt, der den Namen dieses Apostolischen Schreibens trägt und von der Initiative Neuer Anfang verliehen wird, könnte das für Deutschland eine spannende Geschichte werden. Denn, auch das muss man sagen, nichts, wirklich nichts anderem stand der Synodale Weg von DBK und „ZdK“ so feindlich gegenüber wie der (Neu)Evangelisierung.

Mit der Bezugnahme auf „Evangelii gaudium“ bindet sich Leo XIV. einerseits demonstrativ an die Linie von Franziskus. Mission, Synodalität und Öffnung zur Welt bleiben Leitbegriffe auch dieses Pontifikats. Andererseits zeigt der Papst, dass er eigene Impulse zu setzen und sich weitaus mehr mit den römischen Traditionen zu identifizieren vermag als Franziskus. Papst Leo XIV. arbeitet gut mit der Kurie zusammen. Der Vorgänger hatte eher die Neigung, diese zu beschimpfen. Papst Leo XIV. bindet die Kardinäle in die Arbeit der Weltkirche ein. Der Ton hat sich deutlich verändert. Wo Franziskus oft zugespitzt formulierte und Konflikte bewusst provozierte, wirkt Leo XIV. moderierend und zeigt die Bestrebung zusammenzuführen. Er würdigt die Beiträge der Kardinäle, betont den kollektiven Prozess und vermeidet die Polarisierung. Auch die Alte Messe ist nicht mehr so sehr im Bann wie unter dem Vorgänger. Der Klerus erfreut sich der Wertschätzung des Papstes und steht nicht mehr unter Klerikalismusverdacht.


Es ist keine Frage, dass Franziskus Themen zu setzen vermochte. Doch er neigte auch dazu, Chaos zu verbreiten. Man denke nur an die sonderbare Pachamamafigur, die plötzlich bei der Amazonassynode auftauchte. Papst Leo XIV. zeigt die Bestrebung, auszuwählen und Sinnvolles institutionell zu verankern. Das kommende Konsistorium wird zum Instrument dieser Strategie. Es soll nicht nur beraten, sondern die synodale Praxis einüben. Wohlgemerkt, es ist eine bischöfliche Synodalität, die als Merkmal der Kirche so tatsächlich existiert. Laien können in Synoden ihr Wissen aus dem Weltdienst einbringen. Das Leitungsamt der Kirche ist und bleibt sakramental und nicht synodal. Wenn der Papst hier etwas umzulenken versteht, dann geht es mindestens in die richtige Richtung. Ein sehr schöner Aspekt ist der hörende Papst. Die Kardinäle wählen Themen, diskutieren in Gruppen, liefern Beiträge. Der Papst sammelt, ordnet und lenkt. Man nennt so etwas Führung durch Moderation. In Klöstern macht man das seit Jahrhunderten so. Ein Ordensmann auf dem Stuhl Petri bringt Erfahrungen und Fertigkeiten mit, die ein Professor oder ein Bischof aus dem Weltklerus vielleicht so nicht haben. Das bereichert die Kirche. Das stärkt die Kirche auch, weil hier Leitung um eine geistliche Komponente erweitert wird. Übrigens war auch das ein Anliegen von Franziskus. Mit seiner polternden Art kam er damit leider nicht durch. Ein weiterer Salto rückwärts in Stilfragen wird am letzten Tag der Anwesenheit der Kardinäle in Rom zu erleben sein, wenn nämlich der Papst den neu ernannten Erzbischöfen der Weltkirche die Pallien wieder persönlich überreicht. Die Erzbischöfe werden dann auch ein wenig von dem dynamischen Geist des Pontifikats mitbekommen.

Der Gedanke der Evangelisierung ist schließlich weltweit relevant. Mag es in vielen Ländern um Erstverkündigung gehen, ist es im Westen eher die Neuverkündigung. Alles hat seine Wege und darüber muss man miteinander nachdenken. Doch so manche Wege entstehen völlig ohne Zutun des Menschen. Im gesamten Nordatlantikbereich (USA, Kanada, England, Frankreich) gibt es einen bemerkenswerten Aufbruch junger Menschen, die sich ohne jegliche aktive Mission der Kirche für den Glauben interessieren. Viele kommen über soziale Medien, über Influencer mit dem Glauben in Kontakt und suchen ihren Weg in die Kirche. Diese wollen aufgenommen werden. Die Kirche in Frankreich will sich dem Thema mit einem Provinzkonzil widmen. In Deutschland träumt man dagegen immer noch von einer demokratisch dekonstruierten Kirche. Der neue Glaubenstrend wird auch nach Deutschland kommen, aber er wird in weitaus höherem Maße als in anderen Ländern auf eine unvorbereitete Kirche treffen.

Den Gedanken der Mission in die Weltkirche einzuspeisen, ist also tatsächlich dem Achten auf die Zeichen der Zeit geschuldet. Wir schulden der Welt das Evangelium. Das gilt vom Schulkind bis zum Papst für jeden Katholiken. Die Kirche in Deutschland möchte lieber Gender, Migration und Klima predigen als das Evangelium. Ob es gelingen kann, den Spin aus Rom nach Deutschland zu tragen? Zuerst hat der Vorsitzende der DBK einmal ein paar befremdende Anfragen nach Rom getragen. Frauenpredigt, Laientaufe und eine umstrittene Synodalkonferenz, in der Laienfunktionäre die Hoheit über Macht und die Kirchenfinanzen anstreben. Eine der Antworten war die Ernennung des neuen Nuntius. Seine Ernennung erfolgt ausdrücklich in einer Situation, die durch „doktrinäre Spannungen“ rund um den Synodalen Weg geprägt ist. Immerhin hatte der Vatikan den sogenannten deutschen Reformprozess mehrfach kritisiert und deutlich genug vor eigenständigen Strukturentscheidungen gewarnt. Vor diesem Hintergrund ist durchaus davon auszugehen, dass auch Erzbischof van Megen eine klare Gegenposition zum Synodalen Weg vertritt. Man bedenke allerdings, dass ein Nuntius ein Diplomat und kein Zuchtmeister ist.

Im Hinblick auf das Verhältnis zu Deutschland sieht man also einen Stilwechsel. Der Niederländer Erzbischof van Megen ist der deutschen Sprache mächtig. Er spricht sie fließend und akzentfrei. Das ist kein Zufall, da van Megen aus einer Grenzregion in den Niederlanden, nur wenige Kilometer von Deutschland entfernt, stammt und daher mit Sprache und Kultur entsprechend vertraut ist. Für seine Aufgabe ist das ein erheblicher Vorteil, da er anders als sein Vorgänger Debatten etwa in der DBK oder dem geplanten Synodalgremium direkt und ohne Dolmetscher verfolgen kann. Gerade in einem kirchenpolitisch sensiblen Umfeld wie Deutschland erhöht das seine Handlungsmöglichkeiten erheblich. Auch hinsichtlich der anstehenden Bischofsernennungen dürfte sich hier eine Akzentverschiebung andeuten, da der neue Nuntius alle mündlichen und schriftlichen Äußerungen potentieller Kandidaten unmittelbar nachvollziehen kann.

Hier sieht man, wie der Stilwechsel in der Weltkirche auch eine krisengeschüttelte Region betreffen kann. Deutsche Bischöfe werden sich in der neuen Dynamik orientieren müssen. Das Anliegen des Papstes, jene in die Einheit zurückzuholen, die wegdriften, betrifft unser Land eindeutig. Als Laien sind wir in der Pflicht, hierbei mitzuwirken. Wenn die Bischöfe erkennen, dass die Kirchenfunktionäre sie auf diesem Weg nicht begleiten werden, dann sollten glaubenstreue Katholiken bereit stehen, diesen Weg mitzugehen. Doch machen wir uns nichts vor, bis dahin werden die wenigsten Bischöfe derartige Bestrebungen wertschätzen wollen. Wir sind erst einmal und noch für lange Zeit darauf angewiesen, uns vorwiegend an Rom zu orientieren. Aber die Zeit arbeitet für den Glauben und für die Kirche unseres Herrn. Sein ist die Zeit.


 

Bild oben: Papst Leo XIV. zeigt seit Beginn seines Pontifikats große Anstrengungen, auseinander strebende Enden der Kirche zusammen zu führen. Foto: Ricardo Stuckert / PR - https://www.flickr.com/photos/157736962@N05/54851452841 / Lizenz: CC BY-SA 4.0


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