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Offener Brief an Kardinal Marc Ouellet

vor 3 Stunden in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Das Charisma ist dem Amt untergeordnet. Ein Gastkommentar von Martin Grichting


Vatikan (kath.net) Eminenz,
Sie haben in einem auf vaticannews.va veröffentlichten Beitrag versucht, die faktische Zurückweisung des II. Vatikanischen Konzils durch die Päpste Franziskus und Leo XIV. betreffend das Weihesakrament und die potestas sacra (LG 21) zu legitimieren. Diese Päpste haben Laien zu Inhabern von kirchlichen Ämtern ernannt, welche die Ausübung der Potestas sacra mit sich bringen, wofür diese Laien jedoch aufgrund der fehlenden Weihe keine Habilität besitzen. 

Sie versuchen, dieses Vorgehen mit den vom heiligen Geist hervorgebrachten Charismen zu begründen. Zugleich betonen Sie an drei Stellen in Ihrem Text, die Bedeutung der Charismen in der Kirche sowie ihre Zuordnung zum apostolischen Amt müsse vertieft studiert werden, auch das Wirken des Hl. Geistes betreffend die Sakramente und die Kirche. Natürlich darf und soll alles, was die Hl. Überlieferung sowie die Hl. Schrift enthalten, stets weiter vertieft werden. Aber wenn es so wäre, dass es bezüglich der Zuordnung von Charisma und Amt bedeutende Unklarheiten geben sollte – was ich bezweifle –, entlarven Sie durch Ihre Argumentation das Handeln der erwähnten Päpste als Willkürakte. Denn wenn es offenbar in wichtigen Fragen nicht klar ist, wie die Dinge lehramtlich und theologisch liegen, darf man nicht Fakten schaffen, wie es geschehen ist. Das ist nicht prophetisch, sondern verantwortungslos und wirkt spaltend. 

Auch wenn es Nuancierungen und Vertiefungen der kirchlichen Lehre immer geben kann: An einem wird man aufgrund der Hl. Überlieferung und der Hl. Schrift nicht vorbeikommen: Die Charismen sind immer dem von Jesus Christus geschaffenen (Lehr-)Amt unterworfen gewesen: Prüft alles, behaltet das Gute (vgl. 1 Thess 5,21). Das II. Vatikanische Konzil hat dies bestätigt, wenn es von den Charismen sagt: «Das Urteil über ihre Echtheit und ihren geordneten Gebrauch steht bei jenen, die in der Kirche die Leitung haben» (LG 12).  

Es hat nie eine Kirche Jesu Christi und daneben eine Kirche des Hl. Geistes gegeben. Es gibt das eine Lehr- und Leitungsamt der Kirche, in der es auch die Charismen gibt, die aber von diesem Amt anzuerkennen und zu ordnen sind. Das Weihesakrament ist deshalb, anders als Sie behaupten, die einzige Quelle der Leitung, die es in der hierarchisch-sakramental verfassten Kirche gibt. Und dabei handelt es sich auch nicht, wie Sie behaupten, bloss um eine «Gewohnheit», sondern es ist ein wesentlicher Teil der Lehre der Kirche. Charismen sind im Übrigen keineswegs das Proprium der Laien, von dem aus sie vermeintlich den Klerikern Paroli bieten könnten: Der Hl. Geist «verteilt unter den Gläubigen jeglichen Standes auch besondere Gnaden», wie das II. Vatikanum betreffend die Charismen lehrt (LG 12).


Die Offenbarung ist mit dem letzten Apostel abgeschlossen (DV 4). Der Hl. Geist kann deshalb nicht nach 2000 Jahren zum Konkurrenten des Gottessohnes werden. Er kann nicht Charismen hervorrufen, die neben dem durch das Weihesakrament geschaffenen hierarchisch-sakramentalen Wesen der Kirche eine zweite, auf «Charismen» begründete Basis schafft, aufgrund derer es ebenfalls Leitung in der Kirche geben kann. Genau das jedoch suggerieren Sie. Wir hätten dann einen Kompetenzkonflikt in der Trinität: Der Geist als Konkurrent des Sohnes. Wer sollte da vermitteln? Der Vater? Oder würden Sie sich für würdig und geeignet halten, hier im Sinne einer synodalen Unterscheidung einen tragfähigen Kompromiss zu erzielen, zur Widerherstellung des innertrinitarischen Friedens? 

Wir werden mit Taschenspielertricks nicht weiterkommen. Solche verwenden Sie leider mehrfach. Auf der einen Seite haben Sie Recht: Eine Frau kann in einem staatlichen Gebilde wie dem Vatikanstaat Leitungsfunktionen übernehmen, der 1929 mittels eines Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und Mussolini geschaffen wurde. Der Vatikanstaat ist nicht göttlich offenbart. Auch bedarf es keiner potestas sacra, um eine vatikanische Kommunikationsabteilung oder eine Bibliothek zu leiten. In der Kurienkonstitution «Praedicate Evangelium» steht aber: «Jede kuriale Einrichtung erfüllt ihren eigenen Auftrag kraft der Vollmacht, die sie vom Papst erhalten hat, in dessen Namen sie mit stellvertretender Gewalt [potestas sacra] in der Ausübung des primazialen Amtes handelt. Aus diesem Grund kann jeder Gläubige einem Dikasterium oder einem Organ abhängig von deren besonderer Zuständigkeit, Leitungsgewalt und Aufgabe vorstehen» (II.5). Das geht weit über das hinaus, was Sie an Tätigkeiten von Laien im Vatikan erwähnen. Nimmt man «Praedicate Evangelium» wörtlich, hätten Sie, anstatt durch Kardinal Prevost, durch einen Laien ersetzt werden können. Als Präfekt der Bischofskongregation haben Sie zwar nicht die Diözesanbischöfe ernannt. Aber Sie haben die Dekrete unterzeichnet, mittels welcher Bischöfe als Apostolische Administratoren von Diözesen ernannt wurden. Also könnte gemäss «Praedicate Evangelium» ein Laie – Mann oder Frau – einer Diözese einen Bischof geben. Wollen Sie tatsächlich «Praedicate Evangelium» mit den verheerenden Konsequenzen rechtfertigen, die dieses Dokument für die Sakramentalität der Kirche mit sich bringt?

Manipulativ ist auch Ihre Argumentation betreffend die Präfektin des Ordensdikasteriums. Sie haben Recht, wenn Sie feststellen, dass die innerhalb der Ordensgemeinschaften ausgeübte Leitungsvollmacht keine potestas sacra ist. Denn die Orden sind nicht Teil der sakramental-hierarchischen Verfassung der Kirche. Jesus Christus hat die Apostel gesandt, aber keine Orden gegründet. Die Leitungsvollmacht in den Orden leitet sich deshalb nicht vom apostolischen Amt her, sondern aus der Vereinigungsfreiheit der Gläubigen – oder wenn Sie wollen – vom Charisma. Dies mit der kirchenamtlichen Leitungsvollmacht über diese Gebilde in eins zu setzen, wie Sie es tun, ist nicht ehrlich. Das eines ist die Vollmacht in den Orden. Das andere ist die Leitungsvollmacht über die Orden. Denn die Orden als charismatische Grösse sind dem apostolischen Amt unterstellt. Das Charisma der Orden wird vom Amt geprüft, anerkannt und geordnet. Wenn ein Laie diesem Bereich apostolischer Sorge vorsteht, prüft er im Sinne des apostolischen Amtes die Charismen. Das ist Aufgabe der Geweihten, nicht von Laien. Das Wirken einer Äbtissin liegt demgegenüber auf einer anderen Ebene.

Es kommt hinzu, dass es in den Orden bekanntlich Kleriker gibt. Insofern diese betroffen sind, gibt es auch in den Orden potestas sacra (CIC, can. 596 § 2). Nun steht ein Laie Zehntausenden von Ordensklerikern vor und übt über diese potestas sacra aus. Damit wird das sakramental-hierarchische Wesen der Kirche im Namen der Charismen des Hl. Geistes auf den Kopf gestellt. Sie rechtfertigen das mit dem Versuch, Laien stärker in die Sendung der Kirche einzubeziehen. Sie stellen damit die Geschlechtergerechtigkeit über das sakramentale Wesen der Kirche. Ein kirchenfremdes Kriterium wird damit höher gewichtet als ein kircheninternes. Damit sind Sie das Gesicht der tragischen Verweltlichung der Kirche unserer Tage.

Man kann nur spekulieren, welche Ziele Sie mit Ihrer Stellungnahme wirklich verfolgen. Vielleicht sind es gar nicht theologische, sondern politische oder persönliche. Aber Sie beschreiten auf jeden Fall mit Ihrer These, dass es eine vom Amt verschiedene, pneumatologische Habilität für die Übernahme von Leitungsgewalt in der Kirche gibt, einen Weg, der ins Schisma führt. 

Zudem versuchen Sie, eine kirchenpolitische Strategie des «Opting out» zu legitimieren: Der Papst kann sich von der Beachtung der Lehre, wie sie vom II. Vatikanischen Konzil in LG 21 festgehalten wurde, dispensieren. Die Diözesanbischöfe sollen bald Laien als Generalvikare ernennen dürfen, wird gemäss dem Vorbild des Papstes in der Kanonistik bereits gefordert. Etwas Ähnliches insinuieren auch Sie. Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre hat der Piusbruderschaft kürzlich angeboten, über Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der Kirche zu verhandeln. Sind «Sacrosanctum Concilium» und «Dignitatis Humanae» oder Teile davon eine Verhandlungsmasse im Rahmen eines Opt-out für Traditionalisten? Könnten die Afrikaner dann betreffend die Polygamie ein Opt-out geltend machen, die Belgier betreffend den assistierten Suizid in kirchlichen Einrichtungen, die Amazonier betreffend Pachamama und die Deutschen für ihren «Synodalen Weg»? Eine Kirche des Opt-out wird eine balkanisierte Kirche sein, eine anglikanisierte Kirche. Und man sieht, wo dies endet: in Nationalkirchen, im Schisma.

Das II. Vatikanische Konzil hat betreffend die Charismen einen weisen Satz gesagt: «Man darf auch nicht vermessentlich Früchte für die apostolische Tätigkeit von ihnen erwarten» (LG 12). In der Tat dürfen wir nicht im Sinne des Chiliasmus eine neue Kirche des Hl. Geistes erwarten, deren Joachim von Fiore Sie vermutlich nicht sein möchten. Die Lösung besteht für alle – seien sie der Papst, ein Kardinal, Bischof, ein Priester oder ein Laie (auch im geweihten Stand) – darin, dass wir auf der Basis der immerwährenden Lehre der Kirche, in die der Geist Gottes uns immer tiefer einführt, vorangehen. Die jüngste diesbezügliche Magna Charta ist das II. Vatikanische Konzil, das die Kirche nicht neu erfunden, sondern durch das die Kirche ihre immerwährende Lehre im Heute neu gesagt hat. Statt mit dem Feuer einer chimärischen Kirche des Hl. Geistes zu spielen, gilt es, dieses Konzil endlich in seinem Wortlaut anzuerkennen, aber auch ohne den Versuch, es bloss als Startrampe für eine neue Kirche zu betrachten. Das allein dient der Einheit der Kirche. 

Der Autor Dr. habil. Martin Grichting ist Kirchenrechtler und Priester des Bistums Chur.


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Lesermeinungen

 Cosmas vor 1 Stunden 
 

Brilliant! Die Frage ist, ob Papst Leo Grundsätzliches dieser Art an sich heranläßt...

Card. Ouellet wird es ihm wohl nicht weiterleiten.


0
 
 Stefan Fleischer vor 1 Stunden 

Dieses Problem ist,

soweit ich dies beurteilen kann, ein Problem, das man nicht punktuell lösen kann, sondern gesamtkirchlich angegangen werden muss. Die tiefe Ursache liegt nämlich in einer Entwicklung, welche die Kirche universell erfasst hat. Sie entzündete sich an der Befreiungstheologie, welche den Paradigmenwechsel auslöste, von einer gottzentrierten zu einer menschzentrierten Kirche. Jeder aufmerksame Beobachter sieht schnell, dass heute dem irdischen Heil und Wohlergehen der Vorrang gegeben wird vor dem ewigen Heil der unsterblichen Seelen. Dieser Vorrang aber schafft den irdischen Strukturen immer mehr Aufmerksamkeit und Macht gegenüber der göttlichen Ordnung. Doch weltliche Macht ist nur insofern für das ewige Heil nützlich, als sie sich am Willen Gottes ausrichtet. Sie kann das nur, wenn sie Gott als wahrhaft Gott, als den Schöpfer anerkennt und sich von Gottes Sohn erlösen lässt. Dazu braucht sie die Kirche als Mutter und Lehrerin.


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