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Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht

vor 3 Stunden in Weltkirche, 10 Lesermeinungen
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Vor allem braucht sie Gläubige, die in Demut festhalten: Der Glaube lässt sich nicht verteidigen, indem man die Gemeinschaft mit Rom schwächt, schreibt Wouter Suenens angesichts der angekündigten von Rom nicht autorisierten Bischofsweihen der FSSPX.


London (kath.net/jg)
Die angekündigten Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) zwingen Katholiken, die der traditionellen Liturgie verbunden sind, zu einer klaren Unterscheidung. Häufig werden verschiedene Fragen vermischt – sowohl von Gegnern als auch von unbesonnenen Verteidigern des alten Ritus. Ist die Alte Messe wichtig für das Leben der Kirche? Verdient sie einen stabilen, großzügigen und friedlichen Platz in ihr? Und darf die FSSPX ihr eigenes institutionelles Überleben mit dem Überleben der katholischen Tradition gleichsetzen? Mit diesen Fragen befasst sich der Wouter J. Suenens in einem Gastbeitrag für den Catholic Herald.

Die Antwort auf die erste Frage ist eindeutig: Ja, schreibt er. Der überlieferte Ritus ist keine exzentrische Vorliebe Unzufriedener und kein verstecktes politisches Signal. Er hat über Jahrhunderte den Glauben von Heiligen, Familien, Priestern und einfachen Gläubigen genährt. Auch heute führt er viele – besonders junge Menschen – nicht aus Nostalgie, sondern aus echter geistlicher Sehnsucht zum Glauben zurück. Er habe ihn vor etwa acht Jahren selbst entdeckt und durfte eine Vertiefung des Glaubens erfahren, die weit über Geschmack oder Ästhetik hinausgeht, erinnert er sich.

Die Behauptung, ohne die FSSPX wäre der alte Messritus längst verschwunden, sei zwar menschlich verständlich, aber historisch zu einfach und zeuge von einem Mangel an Vertrauen in die göttliche Vorsehung. Die Liturgie sei nie Eigentum einer einzelnen Priestergemeinschaft gewesen. Es gab und gibt andere Wege: die englische Petition, die zum „Agatha-Christie-Indult“ von 1971 führte, die Arbeit von Una Voce seit den 1960er Jahren, die Erlaubnisse unter Papst Johannes Paul II. sowie die Gründung traditioneller Gemeinschaften nach 1988.


Suenens stellt die Frage, ob die enge Verknüpfung des Alten Ritus mit einer kanonisch irregulären und oft trotzig auftretenden Bewegung nicht langfristig dessen Feinden geholfen haben könnte, jeden traditionellen Katholiken als potenziellen Schismatiker darzustellen.

Der überlieferte Ritus wird heute von Gemeinschaften gefeiert, die in voller Gemeinschaft mit Rom stehen – in Diözesen, durch Institute wie die Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP), das Institut Christus König und Hoherpriester oder das Institut vom Guten Hirten. Viele Gläubige lieben ihn, ohne in Rom den Gegner ihres geistlichen Lebens zu sehen.

Die FSSPX mag neue Bischöfe für ihre eigene interne Kontinuität brauchen. Das ist eine Frage ihres eigenen Überlebens – nicht jedoch eine Frage des Überlebens der Tradition oder der Kirche. Die Messe ist größer als die Gesellschaft, älter als sie und gehört der Kirche, von der die FSSPX sie empfangen hat.

Viele Besucher von Messen der Piusbruderschaft schätzen dort Ehrfurcht, klare Predigten und eine kohärente katholische Lebensform. Das muss ernst genommen werden. Dennoch birgt die Existenz der FSSPX die Tendenz, eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Zweiten Vatikanischen Konzil und gegenüber Rom zu verbreiten. Rom wird dann nicht mehr als sichtbares Zentrum der Einheit geliebt, sondern als fehlerhafte Institution betrachtet. Gehorsam wird zur Verhandlungsmasse.

Die Berufung auf die „Notwendigkeit“ für das Heil der Seelen rechtfertigt in den Augen der FSSPX öffentlichen Ungehorsam gegenüber dem Papst in einer Angelegenheit, die klar zu dessen Vollmacht gehört. Suenens erkennt an, dass es in der Kirchengeschichte extreme Situationen geben kann, in denen das Gewissen handeln muss. Doch hier sei das nicht der Fall: Der Papst kennt die Lage, hat sie geprüft und eine klare Entscheidung getroffen.

Wer letztlich sein eigenes Urteil über das Heil der Seelen über das des Papstes stellt, begibt sich auf den Weg, aus dem Schisma erwächst. Die Kirchengeschichte kennt weit schlimmere Krisen – Westschisma, Korruption, moralischen Verfall. Heilige wie Katharina von Siena oder Birgitta von Schweden haben in solchen Zeiten nicht eine vermeintlich „reinere“ Parallelkirche gegen den Papst errichtet, sondern als treue Kinder der Kirche gewirkt.

Die Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat stellen einen öffentlichen Ungehorsam in einer Frage dar, welche die sichtbare Einheit der lateinischen Kirche schützt. Wer an dieser Stelle das eigene Urteil über die Autorität Petri stellt, bewahrt keine katholische Tradition mehr.

Traditionell gesinnte Katholiken sollten daher entschieden für Großzügigkeit, Stabilität und Gerechtigkeit gegenüber dem alten Ritus eintreten – aber sie dürfen das Unhaltbare nicht verteidigen, nur weil es in traditioneller Sprache vorgetragen wird.

Suenens ist überzeugt: Die Alte Messe braucht die FSSPX nicht. Sie braucht Priester, Familien, Seminare, Gemeinschaften und Bischöfe, welche den Alten Ritus in sichtbarer Einheit mit der Kirche leben. Vor allem braucht sie Gläubige, die in Demut festhalten: Der Glaube lässt sich nicht verteidigen, indem man die Gemeinschaft mit Rom schwächt.

In der Wahl zwischen der selbstgewissen Sicherheit der FSSPX und der manchmal schmerzhaften, verwundeten, aber geforderten Treue zu Petrus weiß der Autor, wo er steht – nicht, weil jede römische Entscheidung klug oder jeder Bischof ein vorbildlicher Vater wäre, sondern weil Christus seine Kirche nicht auf das Privaturteil eines vermeintlich letzten treuen Restes gebaut hat.

Wouter J. Suenens ist belgischer Jurist, Ökonom, Kanonist und Aktivist für Lebensschutz und Religionsfreiheit.

 


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Lesermeinungen

 Per-Mariam-ad-Jesum-Christum vor 50 Minuten 
 

Frage nach dem eigenen Gehorsam und Kampf gegen die altrituellen Gemeinschaften

Frage an die Theologen: Inwieweit war die kath. Kirche in den letzten 60 Jahren zu sich und dem ordent. Lehramt der früheren Päpste gehorsam? Die Kirche ist zum Gehorsam verpflichtet gegenüber Gott zum treuen Verwalten des anvertrauten Glaubensschatzes.
Seit über 50 Jahren findet ein Kampf gegen die überlieferte Messe statt, und dieser wurde mit Traditionis Custodes, das Papst Leo XIV. bisher nicht gedenkt aufzuheben, verstärkt. «Als Papst Franziskus betrieb er eine regelrechte Verfolgung des überlieferten Ritus und die Zurückdrängung altritueller Gemeinschaften. Ein besonderer Dorn im Auge waren ihm dabei die Franziskaner der Immakulata, weil sie Modell und Fanal zugleich waren: ein neuritueller Orden, der altrituell geworden war und zahlreiche Berufungen anzog und dadurch schnell wuchs, während viele neurituelle Orden stagnierten oder mangels Berufungen der Auflösung zustreben.» (katholisches.info/einziger-nachfolgeorden-der-franziskaner-der-immakulata-aufgeloest/; 10.06.26)


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 lesa vor 1 Stunden 

Es ist, was es ist.

@Stefan Fleischer: "Gott hat nie die Akzeptanz von Lehren gefordert, die unklar oder mehrdeutig formuliert sind, und im Laufe ihrer Geschichte hat die Kirche immer entsprechend gehandelt."
Der Maßstab ist die übereinstimmung mit der Lehrüberlieferung. Und wo die Verkündigung nur noch eauf einer subjektiven momentanen Einschätzung erfolgt, fehlt den Menschen die Orientierung dabei gehen sie kaputt. Benedikt XVI. hat mehrfach betont, dass der Verzicht auf Wahrheit die Ursache der Kirchenkrise ist. Da kann man noch so stereoty wie Schwerhörige den FSSPX unterstellen, was man mag: Sie treten wirklich für die lebensrettende Wahrheit ein.
Wenn LGBT öffentlich propagion der Kirche propagiert wird, wenn (wie auch immer gemeinte) Selbstbestimmungsrecht schleichend subtil als "Normalzustand" medial verbreitet wird ohne dass Diözesen auch medial eindeutig einschreiten und die Menschen vor diesem furchtbaren Fehltritt schützt etc. etc. etc. Der Notstand überwiegt leider massiv.


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 nekonata vor 1 Stunden 
 

@ Stefan Fleischer

glauben Sie, dass die Notlage von der FSSPX an die Wand gemalen wird?
Auch ohne der FSSPX kann jeder gläubige Katholiken erkennen, dass es eine Notlage in der Kirche gibt:
- in Lateinamerika laufen die Katholiken zu den Evangelikalen über
- in Europa zu den Traditionalisten
- selbst im katholischen Polen sinkt die Zahl der Kirchgänger seit 1989 stetig.


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 Fragender087 vor 2 Stunden 
 

So einfach ist es nicht

Klar hat die alte Messe mittlerweile ihren (geduldeten) Platz innerhalb der RKK. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass selbige nur deshalb geduldet wird und wurde, weil es die Pius gibt. Und ja die ganze Situation ist verfahren, aber es ist nun mal so, dass die RKK alle möglichen Bischofsweihen als gültig betrachtet, obwohl sie in Kirchen gespendet werden die ganz klar das Tischtuch zerschnitten haben, und auch deren Sakraemnte im Notfall (JPII ut unum sit u.a.o) anerkennt. Deshalb was soll die Aufregung? Haben wir halt noch einen Verein mit dem die Ökumene gepflegt werden soll mehr. Ach Halt mit denen wollen wir aber keine Ökumene oder wie? P.S ich bin kein Piusbruder, nur zur Klarstellung.


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 Jothekieker vor 2 Stunden 
 

Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht

Es sei denn, Rom versucht wieder einmal, sie zu verbieten.
Mit anderen Worten: Wenn Rom der Alten Messe den ihr gebührenden Platz gibt, dann - und nur dann - wird die Piusbruderschaft nicht benötigt.


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 nekonata vor 2 Stunden 
 

Alte Messe

Und wer garantiert, dass die Alte Messe - wenn sie in den Gemeinden gefeiert werden sollte – nicht auch wieder mit Handkommunion, Messdienerinnen und Kommunionhelfer/innen „bereichert“ wird? Die Alte Messe selbst? Das zu glauben ist melancholisch und naiv.
Ende der 60-er konnte man sich auch nicht vorstellen, was all die „Neuerungen“ im NOM bewirken und die Modernisten und Synodalen werden alles tun, um auch die Alte Messe mit diesen „Innovationen“ zu bereichern.


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 Cyprian63 vor 2 Stunden 
 

Und umgekehrt!

Die Piusbruderschaft braucht die alte Messe nicht oder besser ausgedrückt: Es geht der SSPX NICHT um die alte Messe. Die alte Messe ist nur ein Vorwand.
Man lehnt das II. Vatikanum und das Lehramt der Päpste seitdem ab und das äußere Zeichen dafür ist die alte Messe. Die SSPX will die Kirche in ihrer Gestalt im Jahre 1962 für alle Zeit einfrieren.
Das Lehramt wird nicht mehr rezipiert, nur mehr kritisiert. Der Papst wird zwar anerkannt, aber er hat uns nichts zu sagen. Auch andere Konfessionen erkennen an, dass es einen Papst gibt; nur sie lassen sich von ihm nichts sagen - auf der Ebene ist auch SSPX. Manche nachkonziliaren Entwicklungen haben sich nicht gut für die Kirche ausgewirkt, da wäre aber SSPX profiliert an einer Erneuerung der Kirche mitzuwirken - aber man begibt sich lieber außerhalb der Kirche. Die Kirche muss erneuert und tiefgefroren werden. Die Erneuerung geht nur "CUM ET SUB PETRO".


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 Stefan Fleischer vor 2 Stunden 

@ lesa Frage: Wer hat recht?

Andernorts wird gesagt:
Parallelstruktur der Piusbruderschaft - sie wollen gar keine Übereinkunft mit Rom
In fast perfekter Übereinstimmung mit den Sedisvakantisten rechtfertigt die FSSPX (sie beten für den Papst, er möge sich bekehren) ihre Bischofsweihen, indem sie einen Zustand der Notlage in der Kirche verkünden und die Zuständigkeit für sich selbst beanspruchen. Die Autorität der Kirche wird in ihrer Ausübung der Religion und der Unterweisung ihrer Anhänger mißachtet. So haben sie in der Praxis eine parallele Hierarchie eingerichtet (ohne paralleles Papsttum, jedoch mit) rivalisierenden Institutionen wie Seminare, Schulen und Kapellen mit autonomen Feiern der Eucharistie, Taufen, Firmungen, Ehen und Ordinationen und eigenen Büchern. Sie haben sogar ihre eigenen Ehetribunale und Annullierungsprozesse errichtet, in dem sie von ihren Anhängern verlangen, auf die heiligen Evangelien zu schwören, dass sie nichts mit den Bischöfen zu tun haben wollen!


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 Christianlay vor 2 Stunden 
 

Zu viel Optimismus

Es gibt keine 100 prozentige Sicherheit, daß nicht ein ganz liberal gesonnener Papst die "Alte Messe" ganz in der Kirche verbieten könnte.Alle "Conservativen" würden dann den Gehorsam diesem Papst gegenüber einfordern und es gäbe diese Messe nicht mehr!
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


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 lesa vor 2 Stunden 

Ohne Wahrheit, ohne intellektuelle Redlichkeit keine Einheit.

Wer einen faulen Zahn ausreißen und Krebszellen entfernen lässt, fördert die Gesundheit und ist nicht der Feind seines Körpers. Ebensowenig wird Rom hintangesetzt durch jene, die Rom echt lieben, nämlich indem sie auf Zweideutigkeiten aufmerksam machen, die den Glauben geschwächt haben und ihn weiterhin gefährden werden bis hin zur Auflösung. Jeder weß, dass ohne Erzbischof Lefebvre der Vetus Ordo verschwunden wäre.
"Wenn man mit intellektueller Ehrlichkeit die außergewöhnliche Krise untersucht, die die Kirche seit dem Konzil heimgesucht hat – zusammen mit den Zweideutigkeiten und dem doktrinären, liturgischen und pastoralen Relativismus, die sie begleitet haben –, dann kann die Existenz und Tätigkeit der SSPX aus einer langfristigen Perspektive und im Licht der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche als ein Werk der göttlichen Vorsehung und als Quelle der Hilfe betrachtet werden.
(B. A. Schneider, 4.6.2026, Diane Montagna substack)


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