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Das Konsistorium war „eine gute Erfahrung der Kollegialität der Kardinäle mit dem Heiligen Vater“

vor 4 Stunden in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Man sollte jedoch die Stuhlkreis-Methode überdenken, denn „es geht hier nicht wie bei Parteien oder Konzernen um das Ringen der Meinungen, die sich am Ende mit viel Diplomatie durchsetzen.“ Von Gerhard Cardinal Müller


Vatikan (kath.net) Das Konsistorium am 26. und 27. Juni war eine gute Erfahrung der Kollegialität der Kardinale mit dem Heiligen Vater. Er ist nach dem katholischen Glauben der Nachfolger Petri, den der auferstandene Christus selbst zu seinen Stellvertreter bestimmte hatte, als er am See von Tiberias Petrus mit den Worten „Weide meine Schafe und Lämmer“ (Joh 21, 15-17) zum universalen Hirten der Kirche eingesetzte. Deshalb ist der römische Papst nicht der Vorsitzende eines religiösen und sozialen Weltkonzerns Welt, sondern „das sichtbare Haupt der ganzen Kirche, der zusammen mit den Bischöfen als den Nachfolgern der Apostel „ das Haus des lebendigen Gottes leitet“ (Lumen gentium 18).

Nur nebenbei soll auf einen groben theologischen Fehler in Annuarium Pontificium hingewiesen werden, wo immer noch diese Wesensbezeichnungen des Petrus-Dienstes als bloß historische, also dem Bischof von Rom nur zufällig zugewachsene, Titel angegeben werden. Was hier seit dem letzten Pontifikat als Demut verkauft wurde, war nichts anderes als eine Fehlleistung der „Theologie in dürftiger Zeit“. Die Terminologie hat sich gewiss historisch entwickelt, aber diese Bestimmungen sind analytisch enthalten in der von Christus umschrieben Mission des hl. Petrus und seiner Nachfolger im römischen Bischofsamt. 

Dem Heiligen Vater Leo XIV. ist zu danken für die Bestätigung der tragenden Funktion des Kardinalskollegiums der römischen Kirche in der Communio der vielen anderen Ortskirchen. Seit Irenäus von Lyon bis zum I. Vatikanum sprach man nicht von dem Primat des Papstes wie von einer isolierten Person, sondern vom Primat der römischen Kirche, deren Bischof zugleich das sichtbare Haupt der ganzen katholischen Kirche ist. Damit wollte man seine Isolation von der Kirche vermeiden, über der er nicht wie ein Orakel oder ein einsamer Autokrat schwebt. Als Bischof von Rom ist er immer auch das Haupt des Kollegiums der suburbikarischen Bischöfe der römischen Kirchenprovinz, und des römischen Klerus, der Presbyter und Diakone. Es gibt nämlich eine weite und äußere Kollegialität des Papstes mit den Bischöfen der anderen Kirchen, aber es gibt auch die innere Kollegialität, insofern der Bischof immer in Gemeinschaft mit seinem Presbyterium ist, wie Ignatius von Antiochien sagt. Ein Teil des römischen Klerus hat in einem historischen Prozess sich im Kardinalskollegium institutionalisiert, das nicht direkt zuständig ist für die Seelsorge in der Diözese Rom. Das Kollegium der Kardinale, die alle in der Stadt Rom eine Titelkirche haben, dient dem Papst als „Instrument“, dessen sich in seinem Lehramt und der Regierung der Universalkirche bedient. 


Von daher sollte man auch die Stuhlkreis-Methode in der Durchführung eines Konsistoriums bedenken. Man kann sie nicht einfach von den vergangenen synodalen Versammlungen abschauen, die nach den Prinzipien des Jesuitenordens organsiert sind. Die Jesuiten sind zwar ein wichtiger und verdienstreicher Orden, aber sie sind nicht das Modell der Verfassung der universalen Kirche. Seltsamerweise wurden die Ergebnisse der Beratungen, die ein heterogenes Konglomerat von Kirchenutopien und modernistischen Wunschlisten darstellten, für ein Dokument des ordentlichen Lehramtes ausgegeben. Da man aber durch die Benennung von Priestern und Laien zu Unrecht mit bischöflichem Stimmrecht die Natur der Bischofssynode grundlegend verändert oder zerstört hatte, dürfen diese Versammlungen keine lehramtliche Autorität beanspruchen. Denn der Papst kann die bischöflichen Vollmachten des Lehrens, Leitens und Heiligens der Kirche niemanden außerhalb des Weihesakramentes verleihen, was jedem einigermaßen theologisch Gebildeten seit dem II. Vatikanum klar sein müsste. (Lumen gentium 21). 

Erst neulich hat das Dikasterium für den Gottesdienst in einem Brief an die deutschen Bischöfe klargestellt, dass die Vollmacht zur Homilie während der Eucharistie sich aus dem Lehramt ergibt (dem munus docendi), das dem Priester in der sakramentalen Weihe übertragen wird und sich deshalb wesentlich unterscheidet von der Teilnahme der Getauften an der Sendung der Kirche, das Evangelium zu bezeugen und das Opfer Christi und der Kirche innerlich mit zu vollziehen Kraft des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen (Lumen gentium 10). 

Ordentliches Lehramt der Kirche bedeutet die allgemeine Verkündigung der geoffenbarten Lehre der Kirche aufgrund der Heiligen Schrift, der Apostolischen Tradition und der bisherigen Lehrentscheidungen von Papst und Bischöfen in den Konzilien und ihrer Darlegung in Hirtenbriefen, Katechismen etc. 

Auch kann man sich für gewünschte Änderungen der Lehre der Kirche nicht auf die Dogmenentwicklung berufen, denn diese besagt nur, dass die Begrifflichkeit und die theologische Konzeption sich dem aktuellen Diskussionstand anpassen muss, aber nicht dass der Inhalt der Offenbarung, die in ihrer ganzen Fülle und Wahrheit in Jesus Christus, dem Fleisch gewordenen Wort ausgesprochen ist, verändert, ergänzt oder korrigiert werden dürfte. Hier wird oft mit den schönen Worten vom Paradigmenwechsel und der Weiterentwicklung der Lehre Nähe zur Erwartungshaltung des säkularisierten Zeitgeistes vorgetäuscht aber die Gläubigen über die Wahrheit des Evangeliums getäuscht.

Die Methode und Arbeitsweise einer Bischofssynode oder eines Konsistoriums der Kardinäle muss der Natur dieser kirchlichen Versammlungen entsprechen. Es geht hier nicht wie bei Parteien oder Konzernen um das Ringen der Meinungen, die sich am Ende mit viel Diplomatie oder auch faulen Tricks durchsetzen, sondern um das gemeinsame Zeugnis des den Bischöfen und der ganzen Kirche von den Aposteln überlieferten Glaubens an die Selbstoffenbarung Gottes in Christus zum Heil der Welt und die Verkündigung des Evangeliums heute.

Auf allen historischen Bildern und aktuellen Fotos der Konzilien und Synoden wird die Diskussion im Plenum gezeigt. Deshalb sollte der freie Austausch mit bestens ausgearbeiteten Statements der Arbeit in Gruppen vorausgehen und größeren Anteil erhalten als jetzt. Jedenfalls sollte man die neue Methode noch etwas überdenken hinsichtlich der Natur einer kirchlichen Versammlung der Kardinäle und Bischöfe mit dem Papst. 

Archivfoto Kardinal Müller beim Konklave (c) Vatican Media


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Lesermeinungen

 Cosmas vor 1 Stunden 
 

Die Stuhlkreismethode als Inkarnation der Synodalität

Möge die Kritik Kardinal Müllers in Rom gehört werden. Eine ganz kleine Hoffnung gibt es.


0
 
 naiverkatholik vor 2 Stunden 
 

Prophetisches Wort futsch, vielleicht.....

Wenn einer ein wichtiges Wort hat, eine wichtige Erkenntnis, ja es kann auch mal prohetisches Wort genannt werden, und dieser eine gerät in eine Kleingruppe und die Ergebinisse dieser Kleingruppe werden von einem Sprecher kurz zusammengefasst, dann kann es schnell sein, dass dieses wichtige prophetische Wort futsch ist.
Das würde bei kurzen ausgearbeiteten Statements im Plenum und vor allen nicht passieren. Danach erst Gruppe und Stuhlkreis.Leuchtet mir ein.


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