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„Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“

vor 1 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung
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„Gott ist es, der uns reformiert und erneuert, damit wir zu guten Christen werden …Es ist nicht unsere Aufgabe, die Kirche Gottes zu reformieren, sondern unser eigenes Leben zu wandeln“. Von Gerhard Kardinal Müller


Łomża (kath.net/red) kath.net dokumentiert die Predigt von Gerhard L. Kardinal Müller zum Abschluss des 100-jährigen Jubiläums der Diözese Łomża am 25.10.2026 in der Kathedrale des Hl. Erzengels Michael in voller Länge in kath.net-Übersetzung:

Hochwürdigster Herr Bischof Janusz, Herr Weihbischof Tadeusz, liebe Priester und Ordensschwestern, in Christus dem Herrn geliebte Schwestern und Brüder!

Zum Abschluss des hundertjährigen Jubiläums der Diözese Łomża wollen wir unseren Blick auf die Zukunft richten. Möge sich jeder Christ, und insbesondere jeder junge Katholik, in diesem Augenblick die Frage stellen: Wie steht es um meine persönliche Beziehung zu Gott, dem dreifaltigen Einen – dem Gott der Liebe und der Wahrheit? Wir gehören nämlich keiner Gemeinschaft an, in der der Wert eines Menschen allein daran gemessen wird, wie sehr er seiner sozialen Klasse und deren Ideologie dient. Wir bezeichnen uns nicht als Jakobiner, Kommunisten, Faschisten oder Chauvinisten. Wir sind Personen – von Gott erschaffen und geliebt, in den Sakramenten der Taufe und Firmung beim Namen gerufen zu einem Leben voller Sinn, das in Gemeinschaft mit anderen, uns ebenbürtigen Menschen im Geist der Liebe und Einheit gelebt wird. Wir gehen unseren Weg nicht einsam, in Isolation von anderen; wir gehen durch das Leben in der Gemeinschaft von Ehe und Familie, mit Freunden, in der Schule, bei der Arbeit und in der Freizeit, in verschiedenen Gruppen, in unserer Stadt, unserer Region und unserem Volk, in Europa und in der gesamten Völkergemeinschaft. Mehr noch: Wir legen unseren gesamten Lebensweg in der Gemeinschaft der pilgernden Kirche zurück, auf das endgültige Ziel hin – das ewige Leben in der Schar aller Heiligen. Und wenn wir nach unserer Auferstehung Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werden, werden wir wieder mit all unseren Lieben vereint sein. Dann wird alles Leiden überwunden und alle Tränen werden vergessen sein.

Nach der wechselvollen Geschichte der Diözese Łomża – von ihrer Gründung über die Zeit des Zweiten Weltkriegs, die schreckliche Besatzung durch Nazi-Deutschland und die kommunistische Diktatur bis hin zur Wiedererlangung der Freiheit im Jahr 1989, die Europa zu einem großen Teil den Polen und dem größten Sohn des Volkes, Papst Johannes Paul dem Großen, verdankt – richten wir unseren Blick auf die Zukunft. Was ist die Kirche, und wie dient sie – in Christus, der ihr Haupt ist – dem Heil der Menschen und jedes einzelnen Individuums, das unmittelbar auf Gott ausgerichtet ist: unseren Schöpfer, Erlöser und denjenigen, der alles zur Vollendung führt?


Die Kirche ist keine Nichtregierungsorganisation (NGO) – und kann auch keine werden –, also keine religiös-soziale Gemeinschaft, deren Ziel es wäre, ein irdisches Paradies zu schaffen; ein solches Unterfangen ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sie ist vielmehr ein lebendiger Organismus: der Leib Christi, dessen Haupt und Erlöser Er selbst ist.

Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen; Gott ist es, der uns reformiert und erneuert, damit wir zu guten Christen werden – zu lebendigen Gliedern seines Leibes, also der Gemeinschaft der Kirche –, und zwar durch die Sakramente, allen voran durch das Sakrament der Eucharistie. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Kirche Gottes zu reformieren, sondern unser eigenes Leben zu wandeln. Der heilige Paulus schreibt an die Römer: „Passt euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und lasst euch erneuern in eurem Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist“ (Röm 12, 2).

Christus ist das Haupt; wir aber – Bischöfe und Priester – sind seine Diener (vgl. 1 Kor 4, 1), die für das Heil der Menschheit wirken. „Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der schon gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 3, 11). Dieses Wort Gottes muss das grundlegende Prinzip sein, das die Zukunft der Kirche in Łomża bestimmt.

Die Kirche ist der Leib Christi, des Sohnes Gottes. Der auferstandene Herr sagte zu den Aposteln: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20, 21). Sie verkündeten das Evangelium, „damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen“ (vgl. Joh 20, 31).

In seinen Abschiedsreden, die Jesus angesichts seines bevorstehenden Leidens hielt, antwortete er auf die Bitte des Apostels Philippus: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns“ (Joh 14, 8). Mit dieser Antwort führt uns Jesus zum eigentlichen Kern unseres Glaubens, indem er feststellt: „Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen“ (Joh 14, 7). Philippus fragte sich, wie es möglich sei, Gott zu schauen – der „in einem unzugänglichen Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat und auch nicht sehen kann“ (1 Tim 6,16). Jesus antwortete: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9).

Wenn wir also Jesus von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen – und auf sein menschliches Antlitz blicken –, dann erkennen wir in seinen Augen die gütige, durchdringende, urteilende und rettende Kraft der Liebe; jener Liebe, die Gott in der Einheit und Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist ist. Mit unseren physischen Augen schauen wir auf Jesus, während wir zugleich – dank der „erleuchteten Augen des Herzens“ (Eph 1,18) – seine göttliche Natur und Macht wahrnehmen. In der göttlichen Person, die der Vater dem Sohn verliehen hat, verbindet sich die ewige göttliche Natur Christi mit der menschlichen Natur, die er angenommen hat. Nur durch Jesus können wir zum Vater gelangen, denn allein er bildet eine Brücke über den unendlichen Abgrund zwischen der Schöpfung und dem Schöpfer. „Denn einer ist Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus“ (1 Tim 2,5). Er ist der menschgewordene, universale Heilsplan Gottes – er, „der will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4). In seiner menschlichen Natur ist Jesus der Weg, durch den Wahrheit und Leben in diese Welt eingetreten sind (vgl. Joh 14,6).

Der Apostel Paulus bezeichnet die menschliche Natur Christi als „Bild [Ikone] Gottes“ – als „imago Dei“ (2 Kor 4,4) –, durch die wir die Herrlichkeit Gottes erkennen und von ihr erfüllt werden. Es handelt sich hierbei nicht um ein Gottesbild, das von einem begrenzten Verstand erdacht oder von Menschenhand geschaffen wurde. Schon vor der Menschwerdung des Wortes ist der Sohn – innerhalb des dreifaltigen Gottes – das Abbild des Wesens Gottes, des Vaters, oder, um es mit den Worten des Neuen Testaments auszudrücken: „Abbild seines Wesens“ (Hebr 1,3). Christus ist wahrer Gott vom wahren Gott. Er ist kein „Gott“ in Anführungszeichen und auch kein Gott im rein metaphorischen Sinne. Christus ist der Sohn des Vaters, aus dessen Wesen gezeugt. Wie der heilige Athanasius in seinem Werk „Gegen die Arianer“ (I, 39) treffend darlegt: „Es ist also nicht so, dass er als Mensch erst später Gott wurde; vielmehr wurde er als Gott später Mensch, um uns als Söhne anzunehmen.“ In der Finsternis der Sünde, die das Denken der Ungläubigen verblendet (vgl. 2 Kor 4,4), hat Gott sein Licht in den Herzen der Gläubigen entzündet, damit die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes auf dem Antlitz Christi aufstrahlt (vgl. 2 Kor 4,6).

Brüder und Schwestern, heute endet ein Jahr der Feierlichkeiten, doch unsere Sendung endet damit nicht. Im Gegenteil! Wir überschreiten die Schwelle zum zweiten Jahrhundert. Wie wird es aussehen? Das hängt von unserem Glauben, unserer Liebe und unserer Verantwortung für die Kirche ab.

Wir stehen vor neuen Herausforderungen. Heute beten wir inständig um neue, heilige Berufungen zum Priester- und Ordensstand, damit es auf dieser Erde niemals an Händen fehlt, die segnen und das Brot brechen. Wir beten für unsere Familien, dass sie in Gott stark sind und den Krisen der heutigen Zeit mutig entgegentreten. Wir brauchen lebendige Gemeinschaften, in denen junge Menschen ihren Weg zu Christus finden. Dem Vorbild unseres Hauptpatrons, des heiligen Bruno von Querfurt – Bischof und Märtyrer – folgend, müssen wir in unserem Arbeits- und Studienumfeld sowie in unserem Alltag wieder zu eifrigen Missionaren werden.

Gleich, vor dem Abschluss dieses heiligen Messopfers, werden wir den feierlichen Lobgesang „Dich, Gott, loben wir“ anstimmen. Bringen wir unsere gesamte Vergangenheit – mit all ihrer Schönheit und ihren Mühen – an den Altar in dieser Kathedrale von Łomża. Bringen wir unsere Gegenwart ein und blicken wir vertrauensvoll in die Zukunft. Möge das kommende Jahrhundert der Geschichte der Diözese Łomża eine Zeit neuer Heiliger, lebendiger Pfarreien und einer ungebrochenen Liebe zu Gott werden.

Mutter der Schönen Liebe, heiliger Bruno, unser Patron – führt uns in ein neues Morgen! Amen.

 


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