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Lächle einen Menschen an, der dich nervt!

30. Mai 2025 in Kommentar, 5 Lesermeinungen
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Der steile Weg der Tugenden: Warum wir uns mehr mit unserem eigenen Verhalten als mit dem der anderen beschäftigen sollten. BeneDicta am Freitag von Petra Knapp.


Wien (kath.net) „Menschen sind oft unberechenbar, unlogisch und selbstzentriert. Vergib ihnen einfach.“ Was uns Mutter Teresa empfiehlt, immerhin eine Heilige, ist definitiv eine Zumutung. Denn ich greife zugegebenermaßen routinemäßig zu anderen Strategien. Im besten Fall drehe ich mich um und gehe meiner Wege, weil ich Besseres zu tun habe.

Im schlechtesten Fall gehe ich voll auf Konfrontation und galoppiere die Eskalationsstufen hinauf. Meistens mache ich irgendwas dazwischen. Ich lästere mit anderen über diesen Menschen, der sich in meinen Augen gerade komplett irrational, dämlich, eigenartig oder selbstsüchtig verhält; ich rede ihn schlecht und nebenbei mein eigenes Verhalten gut; ich meide ihn, unterstelle ihm dies und jenes…

Kennst du das? Es wundert nicht, dass Jesus uns mahnt, sieben Mal siebenundsiebzig Mal zu vergeben. Das ist sehr, sehr, sehr oft. Offenbar braucht es diese Hartnäckigkeit, weil es komplett gegen unsere Natur ist, zu vergeben. Es scheint absurd, genau das zu tun, was wider jede Logik und vor allem gegen den eigenen Willen ist.


Franz von Sales geht in seiner „Philothea“ zunächst auf das Verurteilen anderes Personen ein. Wir sollen nicht über andere urteilen, „weil die wesentliche Bosheit der Sünde in der Absicht, in der Gesinnung des Herzens liegt, die für uns im Dunkel verborgen bleibt“, mahnt er. Kurz gesagt: Du weißt nicht, was wirklich die Not des Menschen ist, der da vor dir steht. Was aus ihm herausbricht, hat in den meisten Fällen nichts mit dir zu tun, sondern mit einer Wunde in seinem Leben.

Franz von Sales empfiehlt ein simples Gegenmittel. „Wer den Saft der äthiopischen Schlangenpflanze trinkt, glaubt überall Schlangen und schreckliches Gewürm zu sehen. Wer von Hochmut, Neid, Ehrsucht und Hass eingenommen ist, sieht überall nur Schlechtes und Tadelnswertes. Die einen müssen als Heilmittel Palmwein trinken, den anderen rate ich: Trinkt möglichst viel vom heiligen Wein der Liebe! Sie wird euch von diesem Gift befreien, das euch stets zu falschen Urteilen verleitet.“    

In eine ähnliche Richtung geht die trockene Feststellung von Mutter Teresa: „Wenn man Leute verurteilt, hat man keine Zeit sie zu lieben.“ Was romantisch klingt, ist harte Arbeit im echten Leben: Du lächelst jemanden an, der dich komplett nervt, du verkneifst dir eine patzige Antwort, die deiner Meinung nach absolut gerechtfertigt wäre… Mutter Teresas Erfolgsformel dafür: „Lächle fünfmal am Tag einem Menschen zu, dem du gar nicht zulächeln willst. Tue es um des Friedens willen.“

Wiederum geht es darum, gegen die Bestrebungen seines Willens anzukämpfen. Oder, um es in der Sprache der Logotherapie und Existenzanalyse zu sagen: Bring eine finale Vorleistung. Geh auf den anderen zu – zu einem Zeitpunkt, wo er es nicht verdient hat. Mach den ersten Schritt.

Der eigene Wille gehört trainiert, empfiehlt Franz von Sales, der außerdem den allgemeinen Tipp gibt, sich mit seinem eigenen Verhalten mehr zu beschäftigen als mit dem der anderen. „Wenn die Bienen sehen, dass es neblig ist, ziehen sie sich in den Stock zurück und beschäftigen sich mit dem Honig. So befassen sich auch die Gedanken guter Menschen nicht mit unklaren und nebelhaften Handlungen ihrer Mitmenschen, sondern ziehen sich in das eigene Herz zurück, um sich dort mit guten Vorsätzen für den eigenen Fortschritt zu beschäftigen. Nur müßige Seelen finden ein Vergnügen daran, das Leben anderer Leute zu untersuchen.“

Ausgenommen seien jene, die Verantwortung für andere tragen, sei es in Familie und Gesellschaft. „Sie sind im Gewissen verpflichtet, auf das Gewissen der anderen zu achten und darüber zu wachen. Sie mögen ihre Pflicht in Liebe erfüllen, sonst aber sich in dieser Hinsicht zurückhalten.“

Letztlich geht es darum, sich auf den steilen Weg des Tugenderwerbs zu begeben. Franz von Sales schreibt, dass jeder Mensch mit schlechten Anlagen ausgestattet sei. Man müsse sich nun die Mühe machen, die entgegengesetzten Tugenden anzustreben oder – im Idealfall – sich ganz freimachen von schlechten Eigenschaften.


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