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Kardinal Nichols über Konklave: Prevosts Antwort auf die Wahl kam „ruhig und mit großer Überlegung“

4. Juni 2025 in Chronik, 6 Lesermeinungen
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Britischer Kardinal schreibt im „Catholic Herald“: Papst Leo XIV. hat „ein sehr sanftes Wesen – und obwohl er klar denkt und entscheidungsfreudig sein kann, habe ich erlebt, wie er Schwierigkeiten löste, ohne Feinde zurückzulassen“.


Vatikan – London (kath.net/pl) „An diesem Punkt wurde mir klar, wie wichtig Geduld war. Wir waren Teil eines Prozesses, der in seiner heutigen Form seit Jahrhunderten etabliert war und seinen Lauf nehmen musste. Wir folgten jedem Schritt akribisch und buchstabengetreu. Das hätte irritierend sein können – aber es bot uns Gelegenheit zur stillen Besinnung.“ Das schreibt der britische Kardinal Vincent Nichols über seine Eindrücke beim Konklave. Der Erzbischof von Westminster/London und aktuelle Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz von England und Wales schildert in dieser Sequenz seine Erfahrung beim ersten Wahlgang am Mittwochabend des Konklaves, als ja die ganze Welt rätselte, warum der erwartete schwarze Rauch derart lange auf sich warten ließ. Kardinal Nichols, der in Großbritannien eine klare und hochengagierte Prolife-Position bezüglich der Menschenwürde auch der Ungeborenen, der Alten und der Schwerstkranken vertritt, äußerte sich in einem persönlich gehaltenen Beitrag in der britischen Zeitung „Catholic Herald“.

Die Wahl von Papst Leo XIV. sei „am Ende meines ersten und letzten Konklaves“ erfolgt, schreibt Kardinal Nichols. „Nachdem Papst Franziskus mich 2014 zum Kardinal ernannt hatte, war ich noch nie zuvor Teil dieses Prozesses gewesen – und da ich in wenigen Monaten 80 Jahre alt werde, soll es Gott gestatten, dass ich es auch nicht wieder sein werde.“

Er zeigte sich „erleichtert, als ich feststellte, dass die Realität eines Konklaves überhaupt nicht mit Edward Bergers jüngstem Film glich. Während dieses Konklaves, an dem 133 Kardinäle teilnahmen, gab es weder Groll zwischen uns noch politische Machenschaften, mit denen jemand versucht hätte, sich selbst zu fördern oder andere zu blockieren. Vielmehr war es zeitweise von brüderlicher Einheit und gläubiger Einsicht geprägt.“


Der Kardinal schildert auch: „Als wir uns in der Casa Santa Marta und der Sixtinischen Kapelle versammelten, wurde die Forderung nach völliger Abschottung von der Außenwelt voll und ganz eingehalten. Ich musste nicht nur auf mein Handy oder andere elektronische Geräte verzichten, selbst meine elektrische Zahnbürste wurde von den zuständigen Beamten kurz begutachtet. Niemand wollte etwas riskieren.“

Er habe während des Konklaves „viel über einige meiner Mitbrüder“ erfahren, „die aus fünf Kontinenten und 70 Ländern zusammengekommen waren und von denen ich viele noch nie zuvor getroffen hatte. So erzählte mir beispielsweise Kardinal Giorgio Marengo, das jüngste Mitglied des Konklaves, von seiner Arbeit in der Mongolei. Manche seiner Kirchen sind Zelte, die mit den Menschen ziehen, und er zieht mit ihnen. Die Randgebiete, denen sich Papst Franziskus verschrieben hatte, waren – wie von ihm beabsichtigt – gut vertreten.“

Bewegend ist, wie Kardinal Nichols die unmittelbare Wahl des neuen Papstes schildert: „Ich war nur wenige Meter von Kardinal Robert Prevost entfernt, als klar wurde, dass sein Name die erforderliche Zweidrittelmehrheit für seine Wahl zum Papst erreicht hatte. Kardinal Pietro Parolin – der Staatssekretär des Vatikans, der mit der Leitung des Konklaves betraut war – fragte ihn: ‚Nehmen Sie Ihre Wahl zum Papst an?‘ Seine Antwort war ruhig und mit großer Überlegung: ‚Ich akzeptiere.‘“

Eine Zeit lang hätten „nur 132 Menschen weltweit“ gewusst, „für wen sie nun als Papst beten sollten. Kardinal Parolin fragte Kardinal Prevost anschließend, unter welchem Namen er bekannt sein wolle. ‚Ich werde Leo genannt werden‘, antwortete dieser. Anschließend zog er sich zurück, um zu beten und seine [päpstliche] Kleidung anzulegen, während die Stimmzettel mit speziellen Chemikalien, die weißen Rauch erzeugen, verbrannt und eine Nachricht an die Basilika geschickt wurde, die Glocken zu läuten. Und damit waren wir wieder frei.“

Nichols zeigt sich hochzufrieden mit der Wahl von Papst Leo XIV. „Sicher ist, dass der von uns gewählte Mann über eine seltene Kombination von Talenten verfügt, die deutlich machte, dass er zu diesem Zeitpunkt die nötige Erfahrung für dieses Amt mitbringen könnte.“

Der Konklaveteilnehmer führt dazu weiter aus: „Papst Leo ist schließlich ein Weltbürger. Er war zweimal Generalprior der Augustiner, eine Funktion, die ihn rund um den Globus führte, um deren internationale Arbeit zu verstehen und zu leiten. Er war Lehrer und hat außerdem einen Doktortitel in Kirchenrecht – er weiß also, wie es richtig ist. Er war Diözesanbischof in Peru, wo er seine Leute manchmal zu Pferd besuchen musste, und war Mitglied der römischen Kurie.“

Eine keineswegs unwichtige Bemerkung macht der britische Kardinal dann im letzten Drittel seines „Catholic Herald“-Beitrags: Papst Leo habe „ein sehr sanftes Wesen – und obwohl er klar denkt und entscheidungsfreudig sein kann, habe ich erlebt, wie er Schwierigkeiten löste, ohne Feinde zurückzulassen“.

Archivfoto Kardinal Nichols (c) Bischofskonferenz von England und Wales


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