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Ukraine: „Die zerstörerischste Waffe ist das Gefühl, vergessen zu sein“

16. August 2025 in Interview, 2 Lesermeinungen
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Interview von Kirche in Not mit Maksym Ryabukha, griechisch-katholischer Bischof von Donezk


München-Wien (kath.net/Kirche in Not) Der 45-jährige Ukrainer Maksym Ryabukha ist einer der jüngsten Bischöfe der Welt. Er leitet das Apostolische Exarchat Donezk, zu dem die Regionen Donezk, Luhansk, Dnipro und Saporischschja gehören. Über die Hälfte dieses kirchlichen Gebietes ist von russischen Truppen besetzt. Bei einem Besuch des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) sprach er über die dramatische Lage seines Exarchats, die seelsorglichen Herausforderungen und die Kraft des Glaubens.

Kirche in Not: Wie würden Sie die aktuelle Lage in ihrem Exarchat beschreiben?

Bischof Maksym Ryabukha:
Sie wird immer dramatischer. Drohnen machen jeden Ort unsicher, auch für Zivilisten. Entlang der Frontlinie schlafen Menschen nachts im Freien aus Angst vor Angriffen. Ich habe Familien getroffen, die nur knapp Bombenexplosionen entkommen sind. Solche Erlebnisse erschüttern zutiefst.


Kirche in Not: Wie erleben Sie den Krieg als Bischof?

Bischof Ryabukha: Wir fühlen uns oft machtlos – als ob niemand wahrnehmen würde, was hier geschieht. Am schmerzlichsten ist, dass zivile Gebiete bombardiert werden und die Welt zu diesem Massaker schweigt. Sichtbare Schritte in Richtung Frieden gibt es kaum.

Kirche in Not: Welche Veränderungen hat der Krieg für Ihre Kirche gebracht?

Bischof Ryabukha: Vor der Invasion hatten wir mehr als 80 Pfarreien, heute sind nur noch 37 aktiv. Die übrigen sind geschlossen, besetzt oder zerstört. Die Gesetze der Besatzungsregierung verbieten jede Zugehörigkeit sowohl zur griechisch-katholischen als auch zur römisch-katholischen Kirche. Alle Kirchen dort sind geschlossen. Es ist verboten, sie zu besuchen.

Kirche in Not: Wie erreichen Sie die Menschen unter diesen Umständen?

Bischof Ryabukha: Ich bin ständig unterwegs, deshalb nenne ich mich „Bischof auf Rädern“. Ich besuche Pfarreien, gehe in die Häuser, höre zu, bete mit den Menschen. In den besetzten Gebieten treffen sich Gläubige heimlich. Die zerstörerischste Waffe ist nicht die Bombe, sondern das Gefühl, vergessen zu sein.

Kirche in Not: Wie sieht die seelsorgliche Arbeit konkret aus?

Bischof Ryabukha: Wir haben 53 Priester, acht Ordensfrauen und mehrere Familien- und Caritaszentren. Wir begleiten vor allem Menschen, die durch den Krieg traumatisiert sind: Kinder, die das Lesen oder Sprechen verlernt haben, Mütter gefallener Soldaten, Menschen, die alles verloren haben. „Kirche in Not“ (ACN) unterstützt uns mit Schulungen für Seelsorger, um psychische Wunden zu heilen, und mit humanitärer Hilfe: Lebensmittel, Hygieneartikel, warme Zufluchtsorte im Winter.

Kirche in Not: Können Sie ein Erlebnis schildern, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Bischof Ryabukha: Wir brachten Hilfspakete zu einem alten Ehepaar in Slowjansk. Als die Frau die Lebensmittel sah, sagte sie: „Davon habe ich geträumt.“ Für mich zeigt das: Es geht nicht nur um materielle Hilfe, sondern darum, dass Menschen spüren:  jemand liebt sie.

Kirche in Not: Was gibt Ihnen Hoffnung in dieser Situation?

Bischof Ryabukha: 
Dass Gott stärker ist als das Böse. Wir sehen das Leben durch die Brille des Paradieses: Früher oder später wird alles enden – und das Ende heißt Paradies. Jeder Tag ist eine Chance, einen Schritt in diese Richtung zu machen.

Archivfoto Bischof Maksym Ryabukha, Apostolisches Exarchat Donezk © Kirche in Not


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