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| ![]() Ägypten – Das Land, auf dem Gott sich offenbart hatvor 7 Stunden in Weltkirche, keine Lesermeinung Das neue Selbstbewusstsein der Christen in Ägypten unter der Regierung von Präsident Abd al-Fattah as-Sisi. Kairo (kath.net/jg) Die dem Erzengel Michael geweihte Kathedrale in Luxor ragt mit ihrer monumentalen Kuppel weithin sichtbar über die staubige Stadt. Mit Platz für 9.000 Gläubige gehört sie zu den größten Kirchen Ägyptens. Vor dem Eingang gibt es strenge Sicherheitskontrollen. Erst danach beginnt der sakrale Raum. Drinnen ist die Kirche noch unfertig – nackter Beton, lose Kabel, hallende Schritte. Ein Ort zwischen Baustelle und Weihe, ein Symbol für das neue, selbstbewusstere Verhältnis zwischen ägyptischem Staat und koptischen Christen. Die Kopten stellen mit rund zwölf Millionen Menschen etwa zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung und bilden damit die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten. Im Gegensatz zu Syrien oder Irak kam es hier nie zu einer massenhaften Flucht. Armut, fehlende internationale Netzwerke und eine tiefe emotionale Bindung an das Land halten die meisten trotz jahrzehntelanger Diskriminierung vor Ort. Unter Präsident Anwar as-Sadat (1970–1981) verschärfte sich die Lage, als dieser sich bewusst als „muslimischer Präsident eines muslimischen Landes“ positionierte. Konservative islamische Strömungen aus den Golfstaaten und später der Aufstieg des IS führten zu einer Welle von Anschlägen auf Kirchen und Christen. Der Höhepunkt der Gewalt folgte nach dem Sturz Hosni Mubaraks 2011 und während der kurzen Herrschaft des Muslimbruders Mohamed Mursi, unter dem mehr als 100 Kopten getötet wurden. Seit dem Militärputsch 2013 und dem Amtsantritt von Abd al-Fattah as-Sisi hat sich die Situation spürbar verändert. Ägypten wurde zu einem strengen Überwachungsstaat. Kirchen werden nun systematisch durch Sicherheitskräfte geschützt. Anschläge auf Kopten sind seit 2018 deutlich zurückgegangen. Sisi betont bewusst die nationale Einheit. Er besucht regelmäßig die koptische Weihnachtsmesse, ließ die riesige „Kathedrale der Geburt Christi“ in Kairo errichten – die größte Kirche des Nahen Ostens – und erklärte: „Der Bau von Kirchen ist ein Recht, kein Privileg.“ Seit einem neuen Kirchengesetz 2016 wurden offiziellen Angaben zufolge über 2.500 Kirchen und kirchliche Gebäude legalisiert oder anerkannt. Überall im Land entstehen neue, oft monumentale Gotteshäuser. Öffentliche Gesten unterstreichen diesen Kurs: Hohe Vertreter betonen die Verbundenheit von Muslimen und Christen. „Wir stehen alle gemeinsam in einer Reihe, wie ein einziger Körper: Brüder, die sich lieben und zusammenarbeiten“, sagt etwa der Dekan Salah Al Din Zidan. Ein ehemaliger Abgeordneter formuliert es so: „Kirchen sind unser zweites Zuhause.“ Und ein Generalmajor bringt es auf den Punkt: „Weil dies das Land ist, auf dem Gott sich offenbart hat – das Land der Propheten.“ Dennoch bleibt das Bild ambivalent. Kritiker wie die Nahostexpertin Michele Dunne vom Carnegie Endowment sehen in der staatlichen Toleranz vor allem ein Instrument zur Demonstration von Stabilität – nach innen wie nach außen. Strukturelle Ungleichheiten bestehen fort: Christen sind in hohen Staatsämtern deutlich unterrepräsentiert, und in ländlichen Regionen kommt es weiterhin zu lokalen Konflikten, die meist zugunsten der muslimischen Mehrheit entschieden werden. Koptische Aktivisten im Exil berichten von anhaltender Diskriminierung und Repression, die durch staatliche Medienkontrolle oft unsichtbar bleibt. Auch in Luxor ist die Stimmung gespalten. Während drinnen in der hell erleuchteten Kirche Gesänge und Weihrauchduft den Raum füllen, stehen draußen schwer bewaffnete Soldaten. Ein Gemeindemitglied fasst es vorsichtig zusammen: „Der Staat hilft uns mehr als früher. Aber wir wissen auch, warum die Soldaten da sind. Weil wir noch immer nicht sicher sind.“
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