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| ![]() Die ekklesialen Abrissbagger kreisen in den Dörfernvor 13 Stunden in Kommentar, 7 Lesermeinungen In allen Bistümern stehen Entscheidungen an, welche Kirchengebäude erhalten werden und welche weichen müssen. Die Bistümer definieren Kriterien dafür und Gremien vor Ort werden entscheiden. Der Montagskick von Peter Winnemöller Linz (kath.net) Die Nachnutzung von Kirchen wird ein immer brennenderes Thema. Sonntag für Sonntag blicken Zelebranten in leere Kirchenschiffe. Von den rund 1,25 Millionen Katholiken des Erzbistums Paderborn besuchen etwa 67.000 Sonntag für Sonntag die Heilige Messe. Ehrlicherweise muss man anfügen: statistisch. Die Zahlen sind überall geschummelt. Der Kinderchor singt am Zählsonntag, der Pfarrer legt auf den Zählsonntag eine besondere Messfeier, und vieles anderes mehr. Wiederrum einschränkend ist hinzuzufügen, dass die Orte, an denen das möglich ist, immer weniger werden. Bleibt also am Ende nur noch der Trick einer längst verstorbenen Küsterin, die eine halbe Stunde vor der Messe durch die Kirche ging, an den Bänken verharrte und alle jene zählte, die sowieso immer kommen. Dass von diesen in den letzten Jahren ihrer Wirksamkeit mehr als die Hälfte schon verstorben war … Über solche Kleinigkeiten sind wir erhaben. In der Lebenswirklichkeit der Kirche heute erleben wir Dorfkirchen, die locker 500 Besucher fassen und am Sonntag besuchen 20 die Heilige Messe, wenn mal gerade ein Zelebrant vorbeikommt. Kein Wunder, dass die Bistümer von der Nordsee bis an die Alpen sich Gedanken um die Nutzung der hochwertigen Immobilien teils in bester Lage machen. Einer der beiden Paderborner Generalvikare, Thomas Dornseifer, schrieb zum Thema Nutzung von Kirchengebäuden auf der Webseite des Erzbistums Paderborn, grundsätzlich gelte, ein Gebäude sei erhaltenswert, wenn es pastoral benötigt werde. Schützenswert sei ein Gebäude hingegen, wenn es ein sichtbares Zeichen christlicher Kultur und kirchlichen Lebens sei. Das ist ein bemerkenswerter Satz, der noch präzisiert wird: „Manchmal ist ein Gebäude beides, manchmal nur eines von beiden. Und manchmal ist ein Gebäude denkmalpflegerisch wertvoll, pastoral jedoch kaum noch tragbar. Diese Ehrlichkeit in der Unterscheidung ist wichtig, um begründet und mit Maß zu entscheiden, ohne etwas abzuwerten.“ Der dahinter stehende Gedanke, da ist das Erzbistum Paderborn kein Einzelfall – es steht hier pars pro toto –, ist der Rückzug der Kirche aus der Fläche, ohne jedoch den letzten Fuß in der Fläche aufzugeben. Etwas Ehrlichkeit kann helfen. Es wird wohl niemand auf die Idee kommen, ein Kirchengebäude abzustoßen, wenn vor Ort eine finanzstarke Kirchenstiftung, ein Verein oder sonst ein Träger das Gebäude finanziert. Sind Betriebskosten und Baulast nachhaltig gesichert, wird niemand das Existenzrecht eines solchen Gebäudes, und sei es hundertfach überdimensioniert, in Frage stellen. Die Wirklichkeit ist in den allermeisten Fällen eine ganz andere. Da scheitert nicht selten schon die Spendensammlung für den neuen Innenanstrich, und der zuständige Pfarrer, der nicht selten weit weg wohnt und keinen Draht zu den Bewohnern des Dorfes hat, kann dem Bistum nur irgendwann melden, dass der Erhalt des Gebäudes nicht mehr möglich ist. Dann kommen obige Überlegungen zum Tragen. Ist es schützenswert? Ist es erhaltenswert? Oder beides? Oder nichts von beidem? Passiert dort vor Ort noch etwas, von dem man in der Pfarrei oder im Bistum überzeugt ist, dass es unbedingt weiter existieren muss? Bitte keine Illusionen: Ein Gebäude, das am Sonntag um 9 Uhr geöffnet wird, damit ein halbwegs rüstiger Pensionär für 20 Leute die Messe feiert, und das die Küsterin dann um 10:30 Uhr wieder für eine Woche abschließt, ist weder erhaltens- noch schützenswert. Es ist eine sakrale Bauruine. Ist es eine dieser Kirchen, die irgendwann nach dem 2. Weltkrieg erbaut wurden und die man getrost als sakrale Bausünden auffassen darf, dann ist der Abrissbagger schon so gut wie bestellt, wenn die Gemeinde es nicht mehr unterhalten kann. Die besten Chancen haben alte, also wirklich alte Kirchen. Mittelalterliche Bauten, die unter Denkmalschutz stehen, wird niemand abreißen können. Aber sie werden unter Umständen trotzdem – einstweilen – keine Kirchen mehr sein. Kolumbarien sind gerade sehr angesagt. Gelingt es einem Pfarrer, ein Gebäude zum Kolumbarium zu machen, ist das Gemäuer einstweilen sicher. Je nach Ort und Lage kostet die Nische für die Urne zwischen 2000 und 7000 Euro, Anwartschaftsgebühren und Nebenkosten kommen dazu. Der Tod ist eine Lizenz zum Geld drucken. Auch für die Nachnutzung von Kirchengebäuden. Manche Kirchen werden innen einfach verkleinert. Dann findet sich darin ein kleiner Gottesdienstraum und rundherum ist von Kirchen-Café über Kita bis zum Gemeindezentrum alles möglich. Wo man neben der Kirche noch ein ungenutztes Pfarrhaus, einen kleinen Kindergarten und Pfarrheim hat, lässt sich vielleicht alles im alten Kirchengebäude unterbringen. Gerade in moderneren Kirchen ist das relativ leicht möglich. Ob die Ästhetik immer zu den Gewinnern solcher Umbauten zählt, steht auf einem anderen Blatt. Neben Restaurants, Seniorenwohnungen, kommunalen Veranstaltungshallen oder der Übertragung an Frei-, Ost- oder Orientalische Kirchen, gibt es eine unglaubliche Bandbreite an Vorstellungen, wie man Kirchen weiternutzen kann. Klar, an die Piusbruderschaft mag man nicht so gern verkaufen. Dass aus Kirchen Moscheen werden, ist auch ausgeschlossen. Aber, Aber … Warten wir ab, bis es der ersten Moscheegemeinde gelingt, über Strohmänner doch ein Kirchengebäude zu erwerben. Man wird dann sehen, ob sich Bistümer und Gemeinden in den Verträgen entsprechend abgesichert haben. Egal in welches Bistum man schaut, Immobilien sind derzeit die größten Sorgenkinder. Dabei sind die Gemeinden in mittleren und größeren Städte oft noch ganz gut aufgestellt. Schon in der Antike war das Christentum eine eher urbane Religion. Kathedralen stehen noch lange nicht zur Disposition. Wallfahrtskirchen werden oft genug noch zu exorbitanten Kosten saniert. Viele Innenstadtkirchen im Range einer Basilika minor sind noch für lange Jahre sicher. Doch in der Peripherie der Städte fängt es oft genug schon an. Noch in den 90er Jahren hat man in neuen großstädtischen Siedlungen noch neue Kirchen gebaut. 30 Jahre später steht die eine oder andere davon zur Disposition. Bleibt noch der Schmerz der Menschen, denen „ihre“ Dorfkirche etwas bedeutet. Wer zu jenen treuen 20 gehört, die im Dorf noch jeden Sonntag zur Messe gehen, kann den Schmerz empfinden, der entsteht, wenn ein Gremium irgendwo im Zentrum der Pastoralkolchose die eigene Dorfkirche als „über“ bezeichnet. Es lohnt sich den Kampf aufzunehmen, wenn das Dorf die Kirche halten könnte. Kann es das nicht, ist die Fahrgemeinschaft in die nächstgelegene „erhaltens- oder schützenswerte“ Kirche vermutlich die bessere Option. Und all jenen, die laut über die bösenbösen Menschen jammern, die ihre Kirche verkaufen wollen, sich aber seit Jahren nicht mehr drinnen haben sehen lassen, kann man völlig mitleidslos nur eines sagen: selbst Schuld! Eine Sonntag für Sonntag rappelvolle Kirche wird niemand schließen. Und wenn doch – Ideologen gibt es überall – dann sind wenigstens genug Menschen zum Kämpfen da. Wer die Kirche im Dorf behalten will, kann nichts Besseres tun, als Sonntag für Sonntag hingehen und an jedem Arm einen weiteren mitbringen. Dass natürlich auch die Frage der fehlenden Priester – nicht in Relation zu praktizierenden Gläubigen – wohl aber in Relation zu vorhandenen (Pfarr-)Kirchen eine Rolle spielt, sollte ebenfalls klar sein. Die Lage in die wir uns in der Kirche in Deutschland bugsiert haben, ist nicht allein dem Klerus zuzuschreiben. Und es ist auch nicht allein dem Klerus zuzuschreiben, wenn sie jetzt Rückzugswege suchen. Es ist aber auch einem Klerus zu verdanken, der seit Jahrzehnten den Glauben der Kirche nicht mit der gebotenen Ernsthaftigkeit vorträgt. Wann hat Ihr Pfarrer zuletzt über die Sonntagspflicht gepredigt? Wann über die anderen Gebote der Kirche? Einerseits geben die Familien den Glauben nicht mehr weiter. Andererseits halten ihn die Kleriker auch nicht im gebotenen Maße aufrecht. Der Niedergang der vergangenen drei Jahrzehnte legte eine zunehmende Geschwindigkeit an den Tag. Seit dem Erlöschen der Katechese in den 70er Jahren war dieser Rückgang zunächst moderat, dann rasant und ist nun final. Doch wie kann die Antwort gläubiger Menschen lauten? Eine Antwort kann heißen, öffnet die Wohnzimmer. Wo keine Hl. Messe am Ort ist, kann man einen Gebetskreis gründen. So hat es in der Antike auch begonnen. Dann mag der Heilige Geist wirken und die Gemeinschaft führen. Die Alternative, insbesondere für jüngere Menschen ist es, an starke Glaubensorte zu ziehen, sich dort in Gemeinschaften anzusiedeln und sich gegenseitig im Glauben und im Alltag zu unterstützen. So unvermeidlich der Rückzug der Kirche aus der Fläche ist, so wenig ist das Aufgeben oder der Abfall vom Glauben eine Option. Mit den Menschen in den Gremien, die jetzt über Vermietung, Verkauf, Nachnutzung oder Abriss von Kirchengebäuden zu entscheiden haben, kann man nur Mitleid haben. Sie können nur alles falsch und nichts richtig machen.
Bild oben: Wenn die Kirchenbänke auch am Sonntag leer bleiben, dann ist das Gebäude irgendwann nicht mehr zu halten. Foto: pixabay Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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