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| ![]() „Die große Würde des Priestertums besteht …“vor 8 Stunden in Spirituelles, 4 Lesermeinungen „… nicht darin, sich narzisstisch im Glanz gesellschaftlichen Ansehens zu sonnen, sondern vielmehr darin, dass Christus ‚uns fähig gemacht hat, Diener des neuen Bundes zu sein‘.“ Predigt zu Priester- und Diakonenweihen. Von Gerhard Kardinal Müller Courtelain-Rom (kath.net/red) kath.net dokumentiert die Predigt von Kardinal Gerhard Ludwig Müller zur Priester- und Diakonenweihe in Courtalain im Jahr 2026 in voller Länge in eigener Übersetzung: Mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit feiert die Kirche heute die Weihe von zehn Männern zu Priestern und Diakonen. Sie werden in die Sendung und Vollmacht der Apostel eingegliedert. Seit der frühen Kirche wird diese unwiderrufliche Gnade, die Kirche als Hirten im Namen Christi zu leiten, durch das Zeichen der Handauflegung und das Weihegebet des Bischofs vermittelt. In „Lumen Gentium“ erläutert das Zweite Vatikanische Konzil das Wesen dieser „Dienste, von denen das Leben der Kirche im höchsten Maße abhängt“: „Die Priester haben zwar nicht die höchste Stufe der priesterlichen Weihe und hängen in der Ausübung ihrer Gewalt von den Bischöfen ab; dennoch sind sie mit ihnen in der priesterlichen Würde verbunden und kraft des Weihesakramentes nach dem Bilde Christi, des höchsten und ewigen Priesters, zur Verkündigung der Frohbotschaft, zum Hirtendienst an den Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes geweiht und so wirkliche Priester des Neuen Bundes.“ (LG 28). Und über die Diakone heißt es in derselben „Dogmatischen Konstitution über die Kirche“: „In der Hierarchie eine Stufe tiefer stehen die Diakone, welche die Handauflegung ‚nicht zum Priestertum, sondern zur Dienstleistung empfangen‘. Mit sakramentaler Gnade gestärkt, dienen sie dem Volke Gottes in der Diakonie der Liturgie, des Wortes und der Liebestätigkeit in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium“ (LG 29). „Auf einer niederen Stufe der Hierarchie stehen die Diakone, denen die Hände aufgelegt werden ‚nicht zum Priestertum, sondern zum Dienst‘. Gestärkt durch die sakramentale Gnade dienen sie dem Volk Gottes in der Diakonie der Liturgie, des Wortes und der Liebe, in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium“ Seit der protestantischen Bewegung des 16. Jahrhunderts – die freilich nicht zur Reform der Kirche, sondern zur Spaltung der Christenheit führte – besteht diesbezüglich eine tiefgreifende Glaubensdifferenz. Ein gegen das katholische Priestertum erhobener Einwand lautet, dass neben Christus kein Raum für ein kultisches Priestertum sei, wie es ehedem im Dienst am Tempel des Alten Bundes bestand. Denn nach der Lehre des Hebräerbriefes ist Christus der einzige Hohepriester des Neuen und Ewigen Bundes und somit der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. Nach katholischem Glauben sind sakramental geweihte Priester jedoch nicht die Urheber der Gnade, sondern lediglich Spender der Gnadensakramente – ein Punkt, den bereits Thomas von Aquin dreihundert Jahre vor Luther hervorgehoben hat (S.th. Suppl. q.36 a.3). Sie sind keine Priester, die neben oder nach Christus stehen. Vielmehr übt der erhöhte Herr in der Kraft des Heiligen Geistes seinen hohepriesterlichen Dienst in der Kirche durch Bischöfe und Presbyter aus, bis zum Tag seiner Wiederkunft. Wie die Apostel sind auch ihre Nachfolger – in den Worten des heiligen Paulus – „Diener Christi und […] Verwalter von Geheimnissen Gottes“ (1 Kor 4,1). Deshalb können Bischöfe und Priester zu Recht – wie der heilige Thomas es ausdrückt – „Priester und Mittler genannt werden, insofern sie Diener des wahren Mittlers sind, an dessen Stelle sie der Menschheit die heilbringenden Sakramente spenden“ (S.th. III q. 26 a.1 ad 1). Als „Mitarbeiter Gottes“ (2 Kor 6,1) stehen Bischöfe und Priester vor der Gemeinschaft der Gläubigen und sagen: „Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2 Kor 5,20). Dieser Dienst wird im Johannesevangelium auch durch das Bild des Hirten veranschaulicht. Jesus ist der gute Hirte, der sein Leben für seine Schafe hingegeben hat. Ein Priester kann also nur dann ein guter Hirte sein, wenn er die Schafe seiner Herde liebt und sich mit der Liebe Christi um sie kümmert. Paulus sagte zu den Leitern der Kirche in Ephesus: „Gebt Acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Vorstehern [Bischöfen oder Presbytern] bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche des Herrn sorgt, die er sich durch sein eigenes Blut erworben hat!“ (Apg 20,28). Die große Würde des Priestertums besteht nicht darin, sich narzisstisch im Glanz gesellschaftlichen Ansehens zu sonnen, sondern vielmehr darin, dass Christus „uns fähig gemacht [hat], Diener des neuen Bundes zu sein“, jenes herrlichen Dienstes, der zur Gerechtigkeit und zum ewigen Leben führt (2 Kor 3,6.8). Im Bewusstsein ihrer menschlichen Grenzen und Schwächen müssen Priester mit der Hilfe der Gnade „Vorbilder für die Herde“ sein (1 Petr 5,4). Alle Gläubigen haben das Recht, in ihren Hirten einen christlichen Bruder zu sehen, der auf selbstlose, nüchterne und realistische Weise nach ihrem Heil und ihrem Leben in der göttlichen Dreifaltigkeit strebt. Alle sehnen sich nach Priestern, die sie auf dem Weg der Nachfolge Christi begleiten, die ihnen Mut zusprechen und sie inmitten der vielen Leiden und Wunden des Lebens trösten – Prüfungen, von denen kein Sterblicher verschont bleibt. Die Kirche braucht Priester, die alles daransetzen, dass keiner der ihnen Anvertrauten verloren geht. Denn nach Gottes barmherzigem Willen sollen alle Menschen das Ziel der irdischen Pilgerschaft erreichen: die Gemeinschaft mit Christus im Himmel, die Schau Gottes von Angesicht zu Angesicht und die Gemeinschaft mit all seinen Heiligen – verbunden mit dem Wiedersehen all jener Lieben, mit denen wir unser Leben auf Erden geteilt haben. Niemandem im Leben bleiben dunkle Stunden erspart, die von äußerer Anfeindung und innerer Qual geprägt sind – auch nicht den Priestern. Der Apostel mahnt und stärkt uns: „Wer also zu stehen meint, der gebe Acht, dass er nicht fällt.“ (1 Kor 10,12). Zweifel an uns selbst müssen uns – uns Christen – nicht zu Boden drücken, wenn wir vertrauensvoll zu unserem Schöpfer, unserem barmherzigen Richter und unserem endgültigen Erlöser aufblicken. Bitten wir um die Gnade der Beharrlichkeit und Standhaftigkeit, damit wir am Ende unserer irdischen Pilgerschaft wie der Apostel sagen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen“ (vgl. 2 Tim 4,7f). Amen. Archivfoto: Kardinal Müller im Presseraum des Vatikans (c) Michael Hesemann/kath.net Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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