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| ![]() Episkopale Arbeitsverweigerung in einem kleinen Videovor 2 Stunden in Kommentar, 2 Lesermeinungen Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Video für einen kurzen Aufreger oder einen kleinen Shitstorm. Doch unterm Strich ist es wie ein Vektor, ein Zeiger der dorthin deutet, wo die Wurzel der Probleme liegt. Der Montagskick von Peter Winnemöller Bonn (kath.net) Vielleicht reicht diese nüchterne Beschreibung schon, den einen oder anderen auf die Palme zu bringen. Es ist wahrscheinlich gar unangemessen, als Reaktion darauf das Blattwerk einer Palme aufzusuchen. Stattdessen sei hier, da sich inmitten hin und her wehender Palmwedel nicht gut schreiben lässt, die nüchterne Analyse. Um es gleich vorwegzusagen: Ein Bischof, der in Zivilkleidung an einer Heiligen Messe teilnimmt und aus Laienhand die Kommunion empfängt, ist ein klerikalistischer Populist. In dieser selbstlaiizierenden Anbiederung, die Demut simulieren soll, liegt ein ungeheuerlicher Klerikalismus und ein geistlicher Missbrauch von Laien obendrein. Dramatischerweise würde aber genau jene Dame, die die Ehre hatte, einem Bischof die Kommunion zu spenden, genau diesen Aspekt überhaupt nicht verstehen. Es ist wohl einer der großen Irrtümer unserer Zeit, dass ausgerechnet die Laien glauben, wenn sie Aufgaben übernehmen, für die die Kleriker geweiht und beauftragt sind, handele es sich dabei um eine Stärkung der Laien. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Doch zunächst einmal ist da die Teilnahme eines Bischofs in Zivil an der Heiligen Messe. Unter Verweis auf Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 114 sagt die Instruktion Redemptionis sacramentum (RS), dass Priester, wenn sie nicht konzelebrieren, „die eigene Chorkleidung oder den Chorrock über dem Talar tragen [sollen].“ Ausdrücklich ist festgelegt, dass es von begründeten Ausnahmen abgesehen, nicht angebracht sei, „dass sie äußerlich wie gläubige Laien an der Messe teilnehmen.“ Gerade ein Katholikentag dürfte eine solche Ausnahme nicht darstellen. So ist allein schon die Teilnahme in Zivilkleidung mindestens zu hinterfragen. Doch mache sich bitte niemand Illusionen, dass der oberste Gremium der Laienfunktionäre, welches für die Skandalveranstaltung mit dem Namen „Katholikentag“ verantwortlich ist, Plätze für Kleriker in Chorkleidung bereitstellen würde. Man kann schon froh sein, dass es bei diesen Messfeiern keine exklusive „ZdK“-Loge gibt. Vielleicht muss man doch barmherziger urteilen, aber man kann dem Episkopat die Frage nicht ersparen, warum sie diese Kasperei mitmachen. Auf dem sogenannten Synodalen Weg mussten die Bischöfe ebenfalls zwischen den Laien sitzen und sich eine Dialogpredigt ihres Vorsitzenden mit der Präsidentin der Laienfunktionäre anhören. So hat man deutsche Hirten nicht erst seit gestern wohl konditioniert, ja den Talar im Schrank zu lassen und bitte möglichst bürgerlich daher zu kommen. Zu diesem bürgerlichen Daherkommen gehört auch die Albernheit, als Bischof nicht zum Altar zu treten und dort unvermittelt unter beiderlei Gestalten zu kommunizieren, wie es geboten ist. Hinsichtlich der Kommunionspendung sagt RS in Nummer 88: „Es obliegt dem zelebrierenden Priester, eventuell unter Mithilfe anderer Priester oder Diakone, die Kommunion auszuteilen; er darf die Messe nicht fortsetzen, bevor die Kommunion der Gläubigen beendet ist.“ Entscheidend ist der folgende Satz: „Nur dort, wo eine Notlage es erfordert, können außerordentliche Spender dem zelebrierenden Priester nach Maßgabe des Rechts helfen.“ Außerordentliche Spender sind Laien und Religiosen, die keine Diakon- oder Priesterweihe empfangen haben. Wenn also ganz offensichtlich nicht genügend Priester vor Ort waren, warum hat Bischof Wilmer dann nicht geholfen, die Kommunion auszuteilen? Bei den großen Messen auf dem Petersplatz in Rom kann man sehen, wie es geht. Hunderte Priester schwärmen zur Kommunionausteilung auf die Piazza und teilen die Kommunion aus. Es dürfte kaum anzunehmen sein, dass man bei einem Katholikentag nicht genügend Priester und Diakone zusammen bekäme, um die Kommunion auszuteilen. Stattdessen müssen in großer Zahl rechts- und regelwidrig außerordentliche Kommunionspender zum Einsatz kommen. Das ist nichts anderes als eine gegen die Einheit der Kirche gerichtete Politik. Es ist aber auch ein in der Kirche in Deutschland üblicher Irrtum , indem man glaubt, Laien dadurch zu stärken, dass man Priester von ihren Aufgaben entbindet und diese den Laien auferlegt. Ja mehr noch, teilweise sind die Laien ganz wild darauf, diese Aufgaben zu übernehmen. Es gibt nicht vieles, was alberner ist als Laienkommunionhelferinnen in Kathedralkirchen. Man muss sich das einmal klarmachen, da wohnen rund um so einen Dom Futzende Kleriker, die in weniger als einer Minute in der Sakristei sein könnten, um sich Chorgewand und Stola überzuwerfen und die Kommunion auszuteilen. Die volle Absurdität erlebt man an Tagen wie Blasius. Da steht während der Kommunionausteilung ein Priester in Chorkleidung am Ausgang der Sakristei und schaut zu, während eine Kommunionhelferin die Kommunion spendet. Zum Blasiussegen kommt er dann hinzu und spendet mit dem Zelebranten den Blasiussegen. Wer also meint, ein Video von einem Bischof, der in zivil an einer Messe teilnimmt und sich von einer außerordentlichen Kommunionspenderin die Kommunion reichen lässt, sei einen Aufreger wert, bitte. Nur zu. Regen Sie sich gerne auf und wenn Sie mögen, lassen Sie es auch den Bischof wissen. Warum nicht? Aber das Problem ist nicht ein Bischof in Zivil bei einer Messe, sondern man an schaue sich die Aufzeichnungen der Heiligen Messen beim Synodalen Weg an. Da sitzen Bischöfe mitten unter Laien. Lassen sich von Laien die Kommunion reichen und hören sich eine – im Übrigen auch verbotene – Dialogpredigt an. Man schaue die Katholikentagsgottesdienste der vergangenen Jahre an. Teilweise kann die liturgische Regie und Ästhetik einen nur gruseln. Von der Musik ganz zu schweigen. Da sind wir noch nicht bei Wäschekörben, in denen Hostienschalen stehen, die der Zelebrant per Fernkonsekration wandeln muss, weil sie mehrere Meter vom Altar entfernt stehen. Und man muss gar nicht so hoch ansetzen. In den Gemeinden vor Ort sind die grauhaarigen Damen, die Sonntag für Sonntag die Kommunion spenden, schon gar nicht mehr aufzuhalten. Vor einigen Jahren an einem Fronleichnamsfest standen fünf Priester am Altar. Die eingeteilte (!) Kommunionhelferin ging beim Agnus Dei entschiedenen Schrittes zum Tabernakel und drängelte sich zwischen die Priester. Wehe dem Zelebranten, der es gewagt hätte, die Dame von der Kommunionspendung auszuschließen. Man merkt es und ist verstimmt. In einigen Diözesen ist Laienpredigt inzwischen unter Missachtung aller Verbote aus Rom selbstverständlich. Neu hinzugekommen sind Taufe und Beerdigung durch Laien. Die Trauassistenz durch Laien soll auch kommen. Wir sind hier noch lange nicht am Ende. Seit Jahren haben sich diese Fehlentwicklungen zunehmend ausgebreitet. Seit Jahren gibt es kaum einmal eine Intervention, diese Dinge abzustellen. Es hat seit dem Erscheinen von Redemptionis Sacramentum im Jahr 2004 eine gewisse Rückentwicklung der ganz groben, allerschlimmsten liturgischen Missbräuche gegeben. Dies geschah, da man damals ein mehrstufiges Beschwerderecht der Gläubigen etablierte. Mit Beginn des Pontifikats von Franziskus ließ das Interesse an Liturgie in Rom massiv nach, insofern auch die Unterstützung der Gläubigen vor Ort. Es muss sich zeigen, ob Papst Leo XIV. hier einen anderen Kurs fahren wird. Immerhin hat er in seiner jüngsten Mittwochsaudienz das Einhalten liturgischer Regeln angemahnt. Auch daran kann man seinen Pfarrer und seinen Bischof mal erinnern. RS ist nicht dazu da, um in Regalen zu verstauben. Gleiches gilt für die Institutio Generalis Missalis Romani, die nicht dazu dient, das Messbuch dicker und eindrucksvoller zu machen. Je leerer allerdings die Kirchen werden, umso mehr zeigt sich, dass die liturgische Kreativität entschieden nachlässt. Diese verlangt nämlich einiges an Arbeit, und die macht man sich nicht für 25 Hanseln in Kirchenschiff. Die Neigung, einfach aus dem Messbuch zu zelebrieren, nimmt deutlich zu. Die seltsame Kreativität setzt eigentlich immer da ein, wo es groß, größer, fernsehkompatibel wird. Was bleibt? Da ist ein Video von einem Bischof, der in Zivilkleidung an einer Messe teilnimmt und sich von einer Frau die Kommunion spenden lässt. Unser Land und ebenso unsere Kirche und deren Laien – und erst recht die Laienfunktionäre, aber leider eben durchaus auch die Bischöfe –, sind inzwischen so säkularisiert, so angepasst, so auf einer Populismuswelle reitend, dass sie vermutlich nicht einmal mehr ahnen, dass es Katholiken gibt, die vielleicht sogar ohne tieferes Wissen intuitiv spüren, da stimmt etwas nicht. Aber was nicht stimmt, das ist nicht dieser im Video dokumentierte Einzelfall, klar auch der ist grundfalsch, sondern es stimmt an der Wurzel nicht. Es stimmt nicht beim Verständnis des Weiheamtes und dessen Bedeutung. Das Wort Kleriker bedeutet „ausgesondert sein“ im Sinne von bestellt sein zum kirchlichen Dienst. In die Sprache der Welt übertragen heißt das, ein Bischof Heiner Wilmer, der im Rahmen einer Heiligen Messe im zivilen Anzug die Kommunion von einer Frau empfängt, begeht dem Grunde nach eine geistliche Arbeitsverweigerung. Hier sieht man es. Im Video dokumentiert. Wenn das da schon so ist, wo es auffällt, weil man es deutlich sieht, wie ist es in den Feldern, wo es nicht ad hoc auffällt, in ausfallender Katechese oder ausfallender Evangelisierung. Tatsächlich dokumentiert dies banale Video weit mehr als nur den Stoff für einen viralen Aufreger im Range eines Shitstorms im digitalen Wasserglas. Das geht viel tiefer.
Bild oben: Ein Foto von der Papstmesse in Rom zeigt, wo und wie Priester und Bischöfe an der Liturgie teilnehmen. Entweder als Konzelebranten oder in Chorkleidung. Foto: © Peter Winnnemöller Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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