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| ![]() Die zwei Städte und das eine Gewissen: Eine Mahnung aus Malabovor 6 Stunden in Aktuelles, 2 Lesermeinungen Leo XIV.: Für eine Politik der Gerechtigkeit. Augustinus’ Vision als Maßstab politischer Verantwortung. Die ‚Stadt Gottes‘ als Ursprung und Ziel menschlicher Geschichte. Eine Warnung vor falscher Entwicklung. Von Armin Schwibach Malabo (kath.net/as) Auf der letzten Etappe seiner Afrikareise, die ihn nach Äquatorialguinea führte, sprach Papst Leo XIV. im Präsidentenpalast von Malabo zu den Autoritäten, Vertretern der Zivilgesellschaft und dem Diplomatischen Korps. Er habe sich „gefreut, hier zu sein“, und sei gekommen, um „das geliebte Volk“ des Landes im Glauben zu stärken. Zu Beginn erinnerte Leo XIV. an die Worte von Johannes Paul II., der die Verantwortung politischer Führung als Dienst an Freiheit, Gerechtigkeit und den Rechten aller beschrieben hatte. Zugleich zitierte er die Konzilskonstitution Gaudium et spes: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen […] sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“. Damit machte er deutlich, dass die Kirche das konkrete Leben der Menschen in all seinen Dimensionen mitträgt. Im Zentrum seiner Ansprache stand sodann die Deutung der Geschichte nach Augustinus von Hippo. Dieser habe, so der Papst, zwischen zwei „Städten“ unterschieden: der Stadt Gottes, geprägt von der Liebe zu Gott und zum Nächsten, und der irdischen Stadt, die von Eigenliebe und dem Streben nach Macht bestimmt sei. Beide existierten bis zum Ende der Zeiten nebeneinander, und „jeder Mensch zeigt durch seine Entscheidungen Tag für Tag, welcher der beiden er angehören möchte“. In diesem Zusammenhang verwies Leo XIV. auch auf das Projekt einer neuen Hauptstadt, die den Namen „Ciudad de la Paz“ trägt. Dies solle dazu anregen, „nachzudenken, welcher Stadt man dienen will“. Denn die irdische Stadt sei, wie Augustinus lehre, von der „Gier nach weltlicher Macht und Herrlichkeit“ bedroht, während der Mensch zugleich berufen sei, sein Herz auf die bleibende Wirklichkeit auszurichten. Der Papst betonte, dass Christen zwar in der Welt lebten, aber nicht in ihr aufgingen. Sie seien aufgerufen, die politische Ordnung mitzugestalten, indem sie ethische Maßstäbe einbringen. In diesem Sinn verstehe sich auch die Soziallehre der Kirche: Sie wolle „zur Gewissensbildung beitragen“, moralische Prinzipien aufzeigen und helfen, die Herausforderungen jeder Zeit verantwortungsvoll anzugehen. Mit deutlichen Worten sprach Leo XIV. die gegenwärtigen Krisen an. Er verwies auf eine wachsende Ungleichheit, bei der „eine kleine Minderheit“ einem Großteil der Menschheit gegenüberstehe, und bezeichnete die Ausgrenzung als „neues Gesicht der sozialen Ungerechtigkeit“. Zugleich erinnerte er an die Mahnung von Papst Franziskus: „Diese Wirtschaft tötet“. Besonders kritisch hob er hervor, dass Rohstoffe oft ohne Rücksicht auf die Rechte der Völker ausgebeutet würden und Konflikte dadurch weiter angeheizt würden. Auch eine Ambivalenz des technologischen Fortschritts erkannte der Papst. Zwar seien neue Technologien weit verbreitet, doch gingen sie häufig mit wachsender Ungleichheit einher und würden nicht selten für destruktive Zwecke eingesetzt. Ohne eine verantwortliche politische Steuerung drohe dadurch „eine tragische Beeinträchtigung der Zukunft der Menschheit“. Angesichts dessen rief der Papst die politisch Verantwortlichen dazu auf, Hindernisse für eine ganzheitliche Entwicklung zu beseitigen und sich am Gemeinwohl zu orientieren. Prinzipien wie die Solidarität und die allgemeine Bestimmung der Güter müssten leitend sein. Zugleich ermutigte er zu „Mut zu neuen Visionen“ und zu einem Bildungspakt, der insbesondere den jungen Menschen Raum gebe: „Es scheint, als würden eben diese neuen Technologien in erster Linie für kriegerische Zwecke konzipiert und eingesetzt, in Bedeutungszusammenhängen, die ein Chancenwachstum für alle nicht erkennen lassen. Im Gegenteil, ohne einen Kurswechsel bei der Übernahme politischer Verantwortung und ohne Achtung vor den internationalen Institutionen und Abkommen droht eine tragische Beeinträchtigung der Zukunft der Menschheit. Gott will das nicht. Sein heiliger Name darf nicht durch den Willen, andere zu beherrschen, durch Anmaßung und Diskriminierung entweiht werden; vor allem darf er niemals zur Rechtfertigung todbringender Entscheidungen und Handlungen herangezogen werden“. Abschließend weitete Leo XIV. den Blick auf die Verheißung der „Stadt Gottes“, die er als „Stadt des Friedens“ bezeichnete. Diese sei nicht bloß menschliches Werk, sondern Gabe und Auftrag zugleich. In ihr, so zitierte er den Propheten Jesaja (Jes 2,4), würden „Schwerter zu Pflugscharen“ werden. Auf dieses Ziel hin, so die abschließende Einladung, solle sich das Handeln von Politik und Gesellschaft ausrichten – „mit Weisheit und Hoffnung: auf die Stadt Gottes zugehen, die Stadt des Friedens“. kath.net veröffentlicht die Ansprache von Papst Leo XIV. bei der Begegnung mit den Autoritäten, den Vertretern der Zivilgesellschaft und dem Diplomatischem Korps, Malabo Herr Präsident, verehrte Autoritäten und Mitglieder des Diplomatischen Korps, meine Damen und Herren! Herzlich grüße ich Sie, dankbar für Ihren Empfang und für die an mich gerichteten Worte. Ich freue mich, hier zu sein und das geliebte Volk von Äquatorialguinea zu besuchen. Bei seinem Besuch in Ihrem Land bezeichnete der heilige Papst Johannes Paul II. Ihre Person, Herr Präsident, als »die symbolische Mitte, in der die lebendigen Bestrebungen eines Volkes zusammenlaufen, um ein soziales Klima echter Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und Förderung der Rechte jedes Einzelnen und jeder Gruppe sowie bessere Lebensbedingungen zu schaffen, die es allen ermöglichen, sich als Menschen und als Kinder Gottes zu verwirklichen« (Hl. Johannes Paul II., Ansprache an den Präsidenten von Äquatorialguinea, Malabo). Das sind noch immer aktuelle Worte, die alle, denen öffentliche Verantwortung übertragen ist, zum Nachdenken anregen können. Andererseits sind »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, […] auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände« (Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 1). Diese Worte der Konstitution Gaudium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils bringen die Gründe und die Empfindungen am besten zum Ausdruck, die mich zu Ihnen führen, um das Volk dieses Landes, das sich in raschem Wandel befindet, im Glauben zu stärken und aufzubauen. Denn wie im Herzen Gottes, so hallt auch im Herzen der Kirche das Echo dessen wider, was hier auf Erden geschieht, im Leben der Millionen Männer und Frauen, für die unser Herr Jesus Christus sein Leben hingegeben hat. Sie wissen, dass der heilige Augustinus die Ereignisse und die Geschichte nach dem Modell zweier Städte deutete: der Stadt Gottes, der ewigen Stadt, die durch die bedingungslose Liebe zu Gott (amor Dei) gekennzeichnet ist, zusammen mit der Liebe zum Nächsten, vor allem zu den Armen; und der irdischen Stadt, dem Ort unserer vorübergehenden Wohnstätte, in der Mann und Frau bis zu ihrem Tod leben. In dieser Perspektive existieren die beiden Städte bis zum Ende der Zeiten nebeneinander (vgl. De civitate Dei, 19,14), und jeder Mensch zeigt durch seine Entscheidungen Tag für Tag, welcher der beiden er angehören möchte. Ich weiß, dass Sie das beeindruckende Projekt in Angriff genommen haben, eine Stadt zu errichten, die seit wenigen Monaten die neue Hauptstadt Ihres Landes ist. Sie haben ihr einen Namen gegeben, in dem der Name des biblischen Jerusalem anzuklingen scheint: Ciudad de la Paz. Möge diese Entscheidung einen jeden zum Nachdenken anregen, welcher Stadt er dienen will! Wie ich bereits dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps in Erinnerung gerufen habe, ist die irdische Stadt für den großen Kirchenvater Augustinus auf die stolze Eigenliebe (amor sui) ausgerichtet, auf die Gier nach weltlicher Macht und Herrlichkeit, die zur Zerstörung führen. Demgegenüber ist Augustinus der Ansicht, dass die Christen von Gott dazu berufen sind, in der irdischen Stadt zu leben, dabei aber Herz und Sinn auf die himmlische Stadt auszurichten, die ihre wahre Heimat ist. Dies ist die Stadt, zu der Abraham aufbrach, »ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Aufgrund des Glaubens siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat« (Hebr 11,8-10). Jeder Mensch kann etwas mit dem uralten Bewusstsein anfangen, dass wir auf Erden wie auf der Durchreise leben. Es ist entscheidend, dass der Mensch den Unterschied erkennt zwischen dem, was Bestand hat, und dem, was vergeht. Er muss sich von unrechtmäßigem Reichtum und von der Illusion des Beherrschens fernhalten. »Da der Christ aber in der irdischen Stadt lebt, steht er der Politik nicht fremd gegenüber und versucht, die christliche Ethik, die von der Heiligen Schrift inspiriert ist, auf die weltliche Regierung anzuwenden. De Civitate Dei enthält kein politisches Programm, bietet aber wertvolle Überlegungen zu grundlegenden Fragen des gesellschaftlichen und politischen Lebens« (Ansprache an das Diplomatische Korps, 9. Januar 2026). Heute ist die Soziallehre der Kirche eine Hilfe für alle, die sich den „neuen Herausforderungen“ stellen wollen, die unseren Planeten und das menschliche Zusammenleben bedrohen, indem sie vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Sendung der Kirche: zur Gewissensbildung beizutragen durch die Verkündigung des Evangeliums, durch das Aufzeigen moralischer Maßstäbe und echter ethischer Grundsätze, durch Achtung der Freiheit eines jeden Einzelnen und der Selbstbestimmung der Völker und ihrer Regierungen. Das Ziel der Soziallehre ist es, dazu zu befähigen, die immer neuen Probleme anzugehen, weil jede Generation anders ist, mit neuen Herausforderungen, neuen Träumen und neuen Fragen. Konkret stehen wir vor Fragen, die die Grundfesten der menschlichen Erfahrung erschüttern. Wie ich bereits betont habe, als ich unsere Zeit mit jener verglich, in der Papst Leo XIII. die Enzyklika Rerum novarum promulgierte, ist heute »die Ausgrenzung das neue Gesicht der sozialen Ungerechtigkeit. Die Kluft zwischen einer „kleinen Minderheit“ – 1% der Bevölkerung – und der übergroßen Mehrheit hat sich dramatisch vergrößert. […] Wenn wir von Ausgrenzung sprechen, stehen wir auch vor einem Paradox. Der Mangel an Land, Nahrung, Unterkunft und menschenwürdiger Arbeit geht mit dem Zugang zu neuen Technologien einher, die sich durch die globalisierten Märkte überall verbreiten. Mobiltelefone, soziale Netzwerke und sogar künstliche Intelligenz sind für Millionen von Menschen, auch für die Armen, zugänglich» (Ansprache an die Teilnehmer des Welttreffens der Volksbewegungen, 23. Oktober 2025). Folglich ist es eine unumgängliche Aufgabe der staatlichen Verantwortungsträger und einer guten Politik, die Hindernisse für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu beseitigen, zu deren Grundprinzipien die allgemeine Bestimmung der Güter und die Solidarität gehören. Es lässt sich beispielsweise nicht leugnen, dass der rasante technologische Wandel, den wir beobachten, eine Rohstoff-Spekulation beschleunigt hat, die wesentliche Anliegen wie die Bewahrung der Schöpfung, die Rechte lokaler Gemeinschaften, die Würde der Arbeit und den Schutz der öffentlichen Gesundheit in den Hintergrund zu drängen scheint. Diesbezüglich schließe ich mich dem Appell von Papst Franziskus an, der vor genau einem Jahr verstorben ist: Wir »müssen […] heute ein Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen sagen. Diese Wirtschaft tötet« (Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 53). Tatsächlich ist es heute noch offensichtlicher als vor einigen Jahren, dass die Ausbreitung bewaffneter Konflikte eine ihrer Hauptursachen in der Kolonisierung von Öl- und Mineralvorkommen hat, ohne Rücksicht auf das Völkerrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Es scheint, als würden eben diese neuen Technologien in erster Linie für kriegerische Zwecke konzipiert und eingesetzt, in Bedeutungszusammenhängen, die ein Chancenwachstum für alle nicht erkennen lassen. Im Gegenteil, ohne einen Kurswechsel bei der Übernahme politischer Verantwortung und ohne Achtung vor den internationalen Institutionen und Abkommen droht eine tragische Beeinträchtigung der Zukunft der Menschheit. Gott will das nicht. Sein heiliger Name darf nicht durch den Willen, andere zu beherrschen, durch Anmaßung und Diskriminierung entweiht werden; vor allem darf er niemals zur Rechtfertigung todbringender Entscheidungen und Handlungen herangezogen werden. Ihr Land zögere nicht, die Richtung seiner Entwicklung zu überprüfen und die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen, um sich auf der internationalen Bühne für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen. Ihr Land ist ein junges Land! Ich bin daher überzeugt, dass Sie in der Kirche Unterstützung finden, um freie und verantwortungsbewusste Menschen heranzubilden, mit denen Sie gemeinsam in die Zukunft gehen können. In einer von Machtmissbrauch verwundeten Welt hungern und dürsten die Völker nach Gerechtigkeit. Es gilt, diejenigen wertzuschätzen, die an den Frieden glauben, und es zu wagen, unkonventionelle politische Maßnahmen zu ergreifen, bei denen das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht. Es bedarf dringend des Mutes zu neuen Visionen und zu einem Bildungspakt, der den jungen Menschen Raum gibt und Vertrauen schenkt. Die Stadt Gottes, die Stadt des Friedens, kann man nämlich nur annehmen als ein Geschenk, das von oben kommt und auf das wir unsere Sehnsucht und all unsere Ressourcen ausrichten. Sie ist eine Verheißung und ein Auftrag. Ihre Bewohner »werden […] ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern« (Jes 2,4), und wenn alle Tränen getrocknet sind, werden sie an dem Festmahl teilnehmen, das nicht mehr einer Elite vorbehalten ist, weil fette Speisen, erlesene Weine und köstliche Gerichte (vgl. Jes 25,6) unter allen geteilt werden. Herr Präsident, meine Damen und Herren, lassen Sie uns gemeinsam, mit Weisheit und Hoffnung, auf die Stadt Gottes zugehen, die Stadt des Friedens.
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