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Der Blick Christi auf die Menschen

vor 8 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Leo XIV.: Die Nähe Gottes und der Auftrag der Evangelisierung. Die Kirche ist nicht aus menschlicher Planung entstanden, sondern aus dem Handeln Christi selbst. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Beim traditionellen Gebet des Angelus am elften Sonntag im Jahreskreis richtete Papst Leo XIV. den Blick auf eine der zentralen Szenen des Matthäusevangeliums: Christus sieht die Menschenmenge und wird von Mitleid bewegt. Das Evangelium des Tages (Mt 9,36 – 10,8) lasse die Gläubigen nicht nur Zeugen einer Begegnung Jesu mit den Menschen werden, sondern führe sie gleichsam in den Blick des Herrn selbst hinein: „Das heutige Evangelium bringt uns ein großes Geschenk, denn es bezieht alle, die es hören, in den Blick Jesu ein: Es ist eine Erzählung, die von der Aufmerksamkeit seines Blicks zeugt und uns zudem sagt, was der Herr sieht“.

Leo XIV. verwies auf die Worte des Evangelisten: „Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft“. In dieser knappen Beschreibung offenbare sich die Weise, in der Christus auf die Menschheit schaue. Der Sohn Gottes sei den Menschen als Bruder nahe geworden und richte seinen Blick auf ihre konkrete Wirklichkeit. Deshalb sehe er nicht nur die äußeren Ereignisse, sondern das Leid, das die Menschen präge. Christus sehe „die Unterdrückung, die sie zermürbt, und die Gewalt, die sie ihrer Kraft beraubt“. Er sehe die Wunden der Kriege und des Konsumdenkens. Sein Blick erfasse auch die tieferen Verletzungen des menschlichen Lebens: „Er sieht Gesichter, die zu Masken verkommen sind, Familien, die durch das Böse zerbrochen sind, und junge Menschen, die von falschen Idealen getäuscht werden“.

Der Papst verweilte bei diesem Blick Jesu, weil sich darin das Wesen seiner Sendung offenbare. Christus nehme die Not der Menschen nicht nur wahr, sondern trete in sie ein: „Jesus sieht und liebt. Er liebt und leidet für uns, mit uns“. Deshalb bringe sein Erbarmen mehr zum Ausdruck als bloße Nähe oder Mitgefühl. Sein Erbarmen offenbare „nicht nur brüderliche Nähe“, sondern „den Willen zur Erlösung“. Der Herr sehe die Verwundungen des Menschen, weil er gekommen sei, ihn zu retten. Von hier aus wandte sich Leo XIV. dem Bild des guten Hirten zu. Christus kenne das Herz des Menschen und sorge sich um es. Angesichts einer Menschheit, die vielfach orientierungslos erscheine, erfülle sich das Wort des Evangeliums von den Menschen, die wie „Schafe, die keinen Hirten haben“ seien. Gerade deshalb widme sich Christus allen als guter Hirte. Zugleich handle er als „Herr der Ernte“, der Arbeiter in sein Feld sende. Der Papst fragte, welche Aufgabe diese Arbeiter erfüllten, und antwortete: „Den Leidenden Gottes Trost spenden: Nächstenliebe bringen, wo Elend herrscht, Hoffnung, wo Bedrängnis ist, Glauben, wo Misstrauen herrscht“.


Im weiteren Verlauf seiner Betrachtung richtete Leo XIV. die Aufmerksamkeit auf die Zwölf, deren Namen das Evangelium ausdrücklich nenne. Die ersten Arbeiter der Ernte seien Jünger gewesen, die zu Aposteln geworden seien, zu Missionaren und Verkündern des Evangeliums. Der Papst hob hervor, dass Simon Petrus als Erster genannt werde, Judas Iskariot jedoch als Letzter erscheine. Diese Reihenfolge sei nicht zufällig. Sie erinnere daran, „dass man Jesus nachfolgen und ihn verraten kann“. Zugleich werde deutlich, dass die Wahrheit des Evangeliums nicht von den Schwächen oder Verfehlungen seiner Verkünder abhänge. Trotz aller menschlichen Untreue bleibe das Evangelium „für alle lebendiges und wahres Wort“.

Leo XIV. weitete diesen Gedanken auf die Geschichte der Kirche aus. Die Frohe Botschaft werde seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben. Dennoch bleibe sie unverändert dieselbe. Sie sei „dieselbe, immer jung, frisch und befreiend“. Im Zentrum dieser Botschaft stehe die Verkündigung Jesu: „Das Himmelreich ist nahe“. Diese Nähe Gottes bildete einen weiteren Punkt der Katechese. Der Papst erklärte, das Reich Gottes sei nicht fern und auch keine bloße Hoffnung auf eine spätere Zeit: „Ja, es ist nahe, denn in Jesus Christus kommt Gott jedem Mann und jeder Frau, jedem Volk und jeder Nation nahe“. In Christus habe Gott selbst die Distanz zum Menschen überwunden. Deshalb werde das Evangelium dort, wo es verkündet und gelebt werde, zu einer Kraft der Erneuerung. Leo XIV. beschrieb dies mit den Bildern des Evangeliums: „Wenn dieses Evangelium verkündet und gelebt wird, bricht das Böse zusammen wie eine Krankheit, die zu Ende geht, wie eine Nacht, die der Morgendämmerung weicht, wie der Tod, der vom Auferstandenen besiegt wurde“.

Der Blick Jesu bleibe nicht ohne Folgen für die Geschichte. Er verwandle die Wirklichkeit und rufe ein neues Volk ins Leben: „So verwandelt der Blick Jesu die Wirklichkeit: Voller Liebe bringt sein Wirken ein neues Volk hervor, die Kirche, die berufen ist, die Sendung der Apostel fortzusetzen“. Die Kirche sei daher nicht aus menschlicher Planung entstanden, sondern aus dem Handeln Christi selbst. Ihr Auftrag wurzele in dem, was sie zuvor empfangen habe. Daran erinnerte der Papst mit den Worten Jesu an die Apostel: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“. Diese Aussage führte Leo XIV. ausführlich aus. Die Gabe Christi sei „ganz und gar gratis“, weil ihr Wert jedes menschliche Maß übersteige: „Es ist unmöglich, es zu verdienen oder ‚zu kaufen‘“. Der Mensch könne die Erlösung weder erwerben noch hervorbringen. Alles gehe von Gott aus und bleibe Geschenk. Gerade deshalb sprach der Papst über die Gnade als Herzstück des christlichen Lebens: „Diese Gnade ist der wunderschöne Name der Barmherzigkeit Gottes, die uns überall erreicht, um uns zu sich zu führen“. Die Initiative gehe immer von Gott aus, der den Menschen suche, ihm entgegenkomme und ihn in seine Gemeinschaft rufe. Aus dieser Gewissheit erwachse zugleich die Bitte, die Christus selbst seinen Jüngern aufgetragen habe: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!“.

Zum Abschluss seiner Katechese verband Leo XIV. den Auftrag der Evangelisierung mit den konkreten Herausforderungen des christlichen Lebens. Die Verkündigung des Evangeliums entspringe nicht menschlichen Strategien, sondern der Gabe Gottes. Diese Gabe werde in Christus „zur Vergebung für die Welt, zum Dienst an den Geringsten und Ärmsten und zum Einsatz für die Gerechtigkeit“. Die Sendung der Kirche bestehe deshalb darin, das empfangene Geschenk weiterzugeben und es in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Lebens sichtbar werden zu lassen.

(c) Vatican Media

 


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Lesermeinungen

 Stefan Fleischer vor 2 Stunden 

Wenn ich zurückdenke

an den Religionsunterricht meiner Jugend, so kommt mir immer wieder Paulus in den Sinn: "Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen." (1.Kor 15,19) Ob unsere Verkündigung heute nicht wieder vermehrt auch diesen Aspekt der Frohbotschaft erläutern sollte?


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