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Jesuitenorden verlässt Liège nach 456 Jahren

vor 10 Stunden in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Der Orden begründet den Schritt mit einer Umstrukturierung der jesuitischen Niederlassungen in Westeuropa angesichts sinkender Mitgliederzahlen, einer alternden Gemeinschaft und mangelnder Berufungen.


Liège (kath.net/LifeSiteNews/jg)
Der Jesuitenorden hat seine Präsenz in der belgischen Stadt Liège nach 456 Jahren beendet. Am 13. Juni feierte Bischof Jean-Pierre Delville in der Kirche Saint-Christophe eine heilige Messe zum Abschied der Jesuiten.

Etwa 600 Personen – darunter Priester, Ordensleute, ehemalige Schüler, Lehrer und Gläubige – nahmen an der Abschiedsmesse teil. Bischof Delville stellte in seiner Predigt die Frage: „Wenn die Jesuiten Liège verlassen, weil sie nicht mehr zahlreich genug sind, liegt es dann daran, dass wir nicht genug gebetet haben?“

Die Leitung des Jesuitenordens begründet den Schritt mit sinkenden Mitgliederzahlen, einer alternden Gemeinschaft und einem Mangel an neuen Berufungen. Der Rückzug aus Liège ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierung jesuitischer Gemeinschaften in Westeuropa. Ähnliche Entwicklungen gibt es auch in anderen Ländern


Die Jesuiten waren seit 1569 in Liège ansässig, nur wenige Jahrzehnte nach der Gründung des Ordens durch den heiligen Ignatius von Loyola. Die Stadt gehörte zu den wichtigsten Zentren jesuitischer Tätigkeit im heutigen Belgien. Über Generationen hinweg prägten die Ordensmitglieder die katholische Bildung und Evangelisierung in der Region. Trotz des Abschieds der Ordensgemeinschaft aus der Stadt sollen die von den Jesuiten gegründeten Bildungseinrichtungen weiterbestehen.

Seit der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren viele Jesuiten Pioniere des Modernismus und später des Neo-Modernismus. Sie versuchten, die katholische Lehre mit moderner Philosophie, Psychologie, Archäologie, Astronomie und der historisch-kritischen Methode zu vereinbaren. Diese Bemühungen führten zu einem schrittweisen Übergang vom scholastischen Realismus zum historischen Relativismus, welcher die Wahrheiten des Glaubens durch die Linse der Erfahrung und der Kultur betrachtet und nicht als göttliche Offenbarung.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus dieser Schule der Neo-Modernismus, der von der Vorstellung geprägt ist, dass sich die Lehre der Kirche an den „Zeichen der Zeit“ orientieren müsse. Jesuitische Institutionen wurden dank ihrer starken akademischen Vernetzung und ihres Einflusses im Bildungsbereich zu Brutkästen für diesen Ansatz. Viele einflussreiche modernistische Denker in der Kirche waren Jesuiten, darunter George Tyrrell, Pierre Teilhard de Chardin und Karl Rahner.

 


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