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| ![]() Nicht mehr ernst zu nehmenvor 20 Minuten in Kommentar, keine Lesermeinung Zum kirchlichen Umgang mit der AfD. Gastkommentar von Prof. Hubert Windisch Freiburg i.Br. (kath.net) Vor den anstehenden Wahlen in einigen Bundesländern nehmen die Warnungen von Politikern der sog. Altparteien und ihrer kirchlichen Handlanger, von diversen Mainstreammedien und einigen „Kultur“schaffenden derart irrationale Züge an, dass man meint, bei eventuellen Wahlsiegen der AfD würde der parteiförmige Gottseibeiuns erscheinen. Für viele ist die AfD ein Heerlager an Sündenböcken, die man allesamt per Parteiverbot in die Wüste jagen sollte. Dabei übersehen die meisten, dass die AfD nicht die Ursache des fortschreitenden Verfalls Deutschlands ist, sondern dessen Symptom. Dieser Verfall kann am besten kurz und bündig mit der Dynamik von zwei Veröffentlichungen Thilo Sarrazins zum Ausdruck gebracht werden. 2010 schrieb er den erschreckenden Weckruf „Deutschland schafft sich ab“, was ihm bei den oben Genannten Spott und Hohn einbrachte. Sogar für einen Parteiausschluss Sarrazins war sich die SPD nicht zu schade. 2025 zieht er ernüchternd Bilanz: Deutschland schafft sich wirklich ab. Anstatt sich jedoch den Ursachen für diese Entwicklung zu stellen, betreibt man weithin lieber projektive Problembewältigung. Schuld ist dann frei nach Kurt Tucholsky nicht der, der Schmutz erzeugt, sondern der, der auf den Schmutz hinweist. Das kann zu abartigen Entgleisungen führen. So hat ein Komiker im CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt die Nichtwahl der AfD als Schädlingsbekämpfung bezeichnet. Weiß dieser Witzbold nicht, dass auf den Giftdosen Zyklon B, die zur Vergasung in den Konzentrationslagern benutzt wurden, ein Totenkopf abgebildet war, unter dem zu lesen war: Zur Schädlingsbekämpfung! Warum nur war der Magdeburger Bischof zu feige, diese Entgleisung öffentlich zu kritisieren? Viele Christen haben genug von dem politisch-kirchlich-medial-kulturellen Antirealitätsgeschwafel auf der Basis ideologiegesättigter Phrasen zu Migration, Sicherheit, Kriminalität, Energie, Klima und Islamisierung. Sie nehmen die Warner nicht mehr ernst, weil sie selbst in ihrer Lebensrealität nicht mehr ernst genommen werden. Im Folgenden möchte ich an zwei Grundsätze erinnern und dann drei Anregungen für einen fairen, demokratischen Umgang mit der AfD geben: * In politischer Hinsicht ist daran zu erinnern, dass eine Demokratie auf zwei Säulen ruht: zum einen auf der Möglichkeit zu einem (unblutigen, so Karl Popper) Wechsel in der Regierungsverantwortung durch freie und geheime Wahlen und zum anderen in der Möglichkeit zur freien öffentlichen Kritik an den jeweiligen Regierungsverantwortlichen. * In kirchlicher Hinsicht ist an Aussagen des II. Vatikanischen Konzils zu erinnern. In den Nummern 36 und 43 der Pastoralkonstitution Gaudium et spes wird einerseits eine richtige Autonomie der irdischen Wirklichkeiten bejaht, die zwar im Licht des Evangeliums gedeutet werden sollen, aber nicht kurzschlüssig durch lehramtliche Bevormundung vereinnahmt werden dürfen. So können und dürfen Christen andererseits in ihrer Welt- und Gesellschaftsgestaltung im gesunden Streit und in der Freiheit eines Christenmenschen durchaus zu verschiedenen Ansichten und Lösungen kommen, die trotz ihrer Verschiedenheit der Lehre der Kirche nicht widersprechen müssen. * Daraus ergeben sich drei entspannende Anregungen für einen fairen Umgang mit der AfD: 1. Deutschland geht es nicht deshalb schlecht, weil es die AfD gibt, sondern es gibt die AfD, weil es Deutschland schlecht geht. 2. Die Malaise, in der sich Deutschland seit langem befindet, ist in den zurückliegenden Jahrzehnten von folgenden Parteien verursacht worden: Schwarz, Rot, Gelb, Grün und in manchen Bundesländern Dunkelrot. Da ist nirgends ein blauer Tupfer zu finden. 3. Man kann die AfD wählen oder nicht wählen. Das hängt, wie bei allen Parteien, von einer sorgfältigen Prüfung des Grundsatzprogramms dieser Partei und der führenden Leute in dieser Partei ab. Aber man muss sie wählen dürfen. Alles andere ist nicht demokratisch. Hubert Windisch (Link) ist Priester und emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zu | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-gelesen
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