![]() |
Loginoder neu registrieren? |
|||||
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
| ||||||
SucheSuchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln: ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-diskutiert
| ![]() Zwischen Stein und Geheimnis: ‚Ohne die Liturgie würde Notre-Dame ihre Seele verlieren‘vor 2 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung Leo XIV. in Notre-Dame, der Kathedrale als Zeichen der Geschichte, über das Wesen kirchlicher Gemeinschaft. Wiederaufbau, Menschwerdung, Eucharistie und missionarische Kirche. Von Armin Schwibach Paris (kath.net/as) Das Abendgebet in Notre-Dame de Paris stellte Papst Leo XIV. in den Zusammenhang von Geschichte, Menschwerdung und kirchlicher Sendung. Sieben Jahre nach dem Brand, der die Kathedrale erschüttert hatte, erinnerte er daran, dass Notre-Dame mehr als ein Denkmal sei. Die Kathedrale habe sich als Ort erwiesen, an dem „Vergangenheit und Zukunft einander umarmen, dass Himmel und Erde sich begegnen“. Die gemeinsame Beteiligung am Wiederaufbau habe gezeigt, dass an diesem Ort „das Herz eines Volkes schlägt“ und dass die Kathedrale im Herzen der Gesellschaft stehe. Der Papst knüpfte daran die Bedeutung der Begegnung mit den Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen Frankreichs. Es sei sein Wunsch gewesen, diese Begegnung an einem Ort abzuhalten, der für die Kirche in Frankreich eine besondere Bedeutung besitze. Beim Überschreiten der Schwelle habe er sich zugleich mit den Tausenden von Menschen verbunden gesehen, die täglich aus aller Welt die Kathedrale betraten. Dort begegne man einer Schönheit, „die zu unserem unruhigen Herzen spricht und es zum Frieden ruft“. In der Wiederherstellung von Notre-Dame erkannte Leo XIV. zugleich eine Aufgabe der Kirche. Die an der Restaurierung beteiligten öffentlichen, kirchlichen und privaten Institutionen hätten durch ihre jeweiligen Beiträge dazu beigetragen, „die kulturellen, existenziellen und spirituellen Dimensionen der Kathedrale neu zu erschließen“. Die Kirche habe ihre Aufgabe dabei nicht nur in der Bewahrung gesehen. Sie habe auch Kreativität gebraucht und die Tradition „mit dem Mut derer lebendig werden“ lassen, „die Glauben haben und Hoffnung“. Leo XIV. dankte Erzbischof Laurent Ulrich, seinen Mitarbeitern und der Diözesangemeinschaft von Paris, die einen pastoralen Weg der Erstverkündigung und christlichen Initiation konzipiert hätten. Das Taufbecken im Eingangsbereich bezeichnete er als „Segen und Einladung“. Der Wiederaufbau der Kathedrale sei damit zu einem Anlass für eine Begegnung geworden, welche die Räume der Gastfreundschaft und Teilhabe über die Grenzen kirchlicher Zugehörigkeit hinaus erweitert habe. Den französischen Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen rief der Papst zu: „Lasst euch von dem inspirieren, was hier geschehen ist! Stellt allem die Freude des Evangeliums (Evangelii gaudium) voran, das heißt jene missionarische Umkehr, die Papst Franziskus von seinem ersten Apostolischen Schreiben an bezeugt hat“. Von diesem Gedanken aus führte Leo XIV. zur Menschwerdung Christi. Der Galaterbrief habe den Grund genannt, warum Christen keine Angst haben müssten: „Gott sandte seinen Sohn“ (vgl. Gal 4,4). Entscheidend sei dabei, dass das paulinische Verb ein reales, historisches Ereignis bezeichnete. Gott sei nicht außerhalb der Geschichte geblieben, sondern habe seinen Sohn „zu uns, in unsere Welt gesandt“. Christen könnten deshalb der Komplexität der Welt nicht ausweichen. Gott selbst habe sie berufen, seinem Sohn in eine Welt zu folgen, „die bereits bewohnt ist, bereits in Bewegung ist, bereits geprägt ist vom Elend und von der Güte der Menschen“. Der Kreuzweg offenbare zwar die Finsternis, die die Welt durchziehe. Noch radikaler offenbare er jedoch „die Liebe Gottes, die über den Tod triumphiert“. Leo XIV. las damit auch die Architektur von Notre-Dame aus dem Geheimnis der Menschwerdung. Der kreuzförmige Grundriss, in dem Stein und Licht zusammenträfen, erinnere an die Begegnung von Erde und Himmel. Die Kathedrale nehme die Ereignisse der Geschichte auf, die von menschlichen Freuden und Leiden durchwirkt seien, und ordne sie in einer symbolischen Dynamik. Aus verschiedenen Ausdrucksformen entstehe eine Einheit, die eine lebendige Sprache bilde. Aus der Menschwerdung – „Gott sandte seinen Sohn“ – leitete Leo XIV. unmittelbar die Identität der Kirche ab. Sie sei dazu berufen, stets „hinauszugehen“. Die christliche Gemeinschaft sei deshalb „kein abgeschlossener Bereich, in den man sich zurückzieht, um sich vor der eigenen Zeit zu schützen“. Nach dem Vorbild der alten Kathedralen solle sie vielmehr ein Ort sein, „an dem alle Annahme, Respekt, Offenbarung und Sinn zuteilwird“. Die Kraft einer lebendigen Kirche liege im Annehmen der Ränder, „die sich bereits in ihrem Herzen befinden“, der Fernen, „die in Wirklichkeit schon nah sind“, und der Fremden, „in denen Christus bereits an die Tür klopft“. Notre-Dame erschien damit als Bild einer Kirche, deren Offenheit nicht in einer bloßen Erweiterung äußerer Räume bestand, sondern aus ihrer eigenen Identität hervorging. Wenn die Kathedrale ein Zeichen dieser Begegnung im Herzen von Paris sei, dann sollten auch die Städte und Regionen Frankreichs, einschließlich der entlegenen und ländlichen Gebiete, durch eine einfache und wohlwollende Sendung erreicht werden. Leo XIV. verband damit auch die Überwindung kultureller Unterschiede und die Heilung gesellschaftlicher Wunden. Die französische Kirche solle „eine lebendige, facettenreiche und nahbare Kirche“ sein, „von den Küsten des Nordens bis zum Mittelmeer, vom Landesinneren bis zu den Übersee-Departements“. Materielle Mittel betrachtete der Papst dabei nicht als Voraussetzung der Mission. Ihr Fehlen stehe dieser nicht im Wege, denn die Gnade Gottes fördere „die innere Freiheit und die Einfachheit des Lebens“, sodass diese den Stil des Evangeliums widerspiegelten. Zugleich forderte er dazu auf, „voll Vertrauen auf die Sendung der Laien“ zu setzen, die „der lebendige Vorposten der Kirche an den Schnittstellen des Alltags“ seien. An diesem Punkt wandte sich die Betrachtung von der offenen Kathedrale zum eigentlichen Zweck des Gotteshauses. Leo XIV. erinnerte daran, dass Notre-Dame wie jede andere Kirche für das Gebet und den Lobpreis Gottes errichtet worden sei. Dort feiere die christliche Gemeinde „die höchste Form des Gebets und des Lobpreises“, indem sie in der Eucharistie das Erlösungsopfer Christi erneuere. Deshalb sei die Kathedrale „keine bewundernswerte Hülle aus Stein“. Sie lebe „in dem heiligen Geheimnis, das dort gefeiert wird“. Der entscheidende Satz folgte unmittelbar: „Ohne die Liturgie würde sie ihre Seele verlieren“. Gerade die Stellung des Altars in der Mitte von Notre-Dame mache diese Wahrheit sichtbar. Die Gemeinde, die den Herrn preise, befinde sich in der Mitte des Gebäudes, während die Besucher auch während der Feiern um sie herumgingen und sie beobachteten. Darin erscheine die Kirche als das, was sie sei: „ein lebendiger Organismus, eine gläubige Gemeinschaft, die im Lobpreis alles vereint, was ihr Kultur und Tradition überliefern“. Sie sei ein Leib, der durch die Feier „einem jeden den Grund seines Daseins erschließt“. Leo XIV. verband diese liturgische Betrachtung mit der Situation der Gegenwart. Die Zeit, in der die Menschen lebten, scheine „mehr denn je“ an Fülle, Tiefe und Verheißungen zu verlieren. Die „edle Einfachheit des Gesangs, des Wortes und der liturgischen Gesten“ könne für viele „ein Hoffnungsschimmer“ sein, „eine Oase des Friedens in einer hypervernetzten und lauten Gesellschaft“, in der die Gegenwart Gottes erfahren werden könne: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“ (Gal 4,4). Das liturgische Jahr, die Sonntage und die Festtage machten die Christen zu Zeitgenossen Christi. Sie betrachteten die verschiedenen Momente seines Lebens, das er dem Vater für die Welt hingegeben habe. Gerade dadurch würden sie für die „Zeichen der Zeit“ sensibler und offener. Das gemeinschaftliche Hören auf die Heilige Schrift und das Gebet befähigten dazu, geschichtliche Ereignisse „im Lichte Gottes zu sehen“ und die eigene Verantwortung bewusster wahrzunehmen. Dazu gehöre auch, „ungerechte Machtverhältnisse zu entlarven und die zarten Sprosse der Gerechtigkeit und des Friedens zu behüten“. Damit verband der Papst Liturgie und Weltverantwortung, ohne beide voneinander zu trennen. „Es ist also die Hoffnung, die uns bewegt, und nicht die Resignation“, sagte er. Aus dieser Hoffnung entstünden „Bande größerer Geschwisterlichkeit, Netzwerke der Solidarität“, die Frucht der gemeinschaftlichen Teilhabe am einzigen Opfer Christi seien. Denjenigen, die täglich die Eucharistie feierten, legte Leo XIV. deshalb ans Herz, darauf zu achten, „dass die liturgischen Feiern stets in Würde und gebührender Weise begangen werden, auch dort, wo sich kleinere Gemeinschaften versammeln“. Sie sollten bewusste Erben der Kirchenväter und Heiligen sein, die über Jahrhunderte hinweg die Bedeutung und Schönheit der Liturgie überliefert und dabei „stets große Demut gegenüber dem gefeierten Geheimnis“ bezeugt hätten. Auch das Zweite Vatikanische Konzil ordnete der Papst in diese Linie der Überlieferung ein. Frankreich habe diesem Konzil viel zu verdanken; zugleich habe das Konzil das Erbe der Liturgie aufgegriffen und vertieft und ihre zentrale Rolle im kirchlichen Leben anerkannt (vgl. Sacrosanctum Concilium, 10). An Bischöfe, Priester, Diakone und Ordensleute richtete Leo XIV. daher die Aufforderung, „eine echte Liebe zur Liturgie zu pflegen“ und „Zeugen und Diener der prophetischen, priesterlichen und königlichen Berufung des ganzen Volkes Gottes“ zu sein. Die Liturgie bleibe dabei ein Spiegelbild des Lebens. Die eucharistische Freude breite sich dort aus, „wo man wieder zur Eintracht findet, wo die Würde wieder hergestellt wird, wo Autorität zum Dienst wird, wo die Freiheit wieder in Gang kommt“. Darin sah Leo XIV. „das größte Geschenk, das wir miteinander teilen können“. Zugleich verband er die liturgische Gemeinschaft mit der kirchlichen Einheit und forderte dazu auf, „die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit der Kirche über eure persönlichen Befindlichkeiten“ zu stellen, um die Einheit des Volkes Gottes zu pflegen. Gemeinsam werde die Kirche so „ein prophetisches Zeichen dafür sein, dass eine versöhnte Welt möglich ist“. An die Bischöfe, Priester, Seminaristen und Ordensleute richtete Leo XIV. anschließend den Blick auf die persönliche Berufung. Er dankte ihnen für ihre Antwort und ihre Treue zum Herrn und mahnte, die vom Herrn gewollte Freundschaft nicht zu vernachlässigen. Diese Freundschaft müsse im persönlichen Gebet gepflegt werden, das „das wesentliche Fundament jeder Berufung“ sei. Dafür nahm er ein Wort von Madeleine Delbrêl auf: „Ohne das Gebet würden wir den Gott der Liebe nicht lieben. Wir wären vielleicht seine Diener, seine Kämpfer, ja sogar seine Jünger; aber wir wären weder die liebenden Kinder unseres Vaters noch die Freunde […] Jesu Christi“. Das innere Leben sollte deshalb „in der Schule der vielen Heiligen“ gepflegt werden, die den Gläubigen vorausgegangen seien. Im stillen Gebet sollten die Berufenen stets aus „der Quelle der unendlichen Liebe Gottes“ schöpfen. Die Mission entspringe „vor allem dieser innigen Beziehung zum Herrn, der dort auf euch wartet“. Zum Schluss kehrte Leo XIV. zum Bild der offenen Kathedrale zurück. Im Herzen der Stadt sei sie das Zeichen einer Gemeinschaft, die den Herrn preise und Gastfreundschaft nicht als gelegentliche Geste, sondern als ihre Lebensform verstehe, „damit sich alle zu Hause fühlen können und in einer Welt im Wandel nicht länger unterdrückt oder an den Rand gedrängt werden“. Wieder griff er den Galaterbrief auf: „Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau […] damit wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4,4-5). Und daraus folge: „Bist du aber Sohn, dann auch Erbe“ (Gal 4,7). Die hier versammelten Christen seien „Erben aus Gnade“. Nun liege es an jedem Einzelnen und an der betenden und lebendigen Gemeinde, dieser Verheißung „eine konkrete Gestalt und Stimme zu verleihen“. Die Hirten und Ordensleute Frankreichs seien berufen, „die ersten Hüter dieses offenen Hauses“ zu sein, „lebendige Steine einer Kirche, die hofft und die Zukunft nicht fürchtet“. Die wiederaufgebaute Kathedrale sei wiedergeboren, „damit ihr im Elan der Heiligkeit und eurer täglichen Mission mit ihr wiedergeboren werden könnt“. Die Kirche solle dabei inmitten des französischen Volkes „ein klarer Ausdruck der göttlichen Mutterschaft der Kirche Gottes“ sein, die durch das Zeugnis der Liebe Gottes „die Menschheitsfamilie wiederaufbaut und heilt“. Den Abschluss bildete der Blick auf die Statue der Jungfrau mit dem Kind aus dem 14. Jahrhundert, die vom Feuer verschont geblieben war. Maria, die das Wort in ihrem Schoß bewahrt habe, solle die Anwesenden „in der Treue“ bewahren und „der Stern“ sein, „der das Wirken der Kirche in Frankreich leitet“. Mit dem Gebet „Heilige Maria, Unsere Liebe Frau von Paris und Mutter der Kirche, bitte für das französische Volk, stehe seinen Hirten bei und gehe stets an unserer Seite“ schloss Leo XIV. seine Predigt zur Vesper in Notre-Dame.
Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zu | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-gelesen
| |||
![]() | ||||||
© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz | ||||||