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| ![]() Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“vor 59 Minuten in Spirituelles, keine Lesermeinung Grundsatztext: „Wir hatten korrupte Päpste, weltlich gesinnte Bischöfe, Häresien, Schismen, Revolutionen, Verfolgungen und liturgische Kommissionen. Und doch sind wir noch immer da“, dies erscheine ihm „Beweis für göttlichen Ursprung der Kirche“. ’s-Hertogenbosch (kath.net/Blog „Paarse pepers“/pl) „Die Krise ist ernst, weil innerhalb der Kirche Ungewissheit über genau jene Dinge herrscht, in denen sie eigentlich Gewissheit bieten sollte: Was ist wahr? Was ist Sünde? Was ist die Ehe? Was ist das Priestertum? Was ist Liturgie? Was ist Gehorsam? Was bedeutet Barmherzigkeit? Was hat Christus seiner Kirche eigentlich anvertraut? Und vielleicht noch grundlegender: Glauben wir wirklich noch daran, dass die Kirche von Christus etwas empfangen hat, das sie nicht ändern darf? Das ist der springende Punkt.“ Darauf macht Rob Mutsaerts, Weihbischof der Diözese ’s-Hertogenbosch (Niederlande), in einem Beitrag auf seinem Blog „Paarse pepers“ aufmerksam. Denn „die Wahrheit kann nicht heute wahr und morgen falsch sein“. kath.net dokumentiert den Beitrag Rob Mutsaerts, Weihbischof der Diözese ’s-Hertogenbosch, „Die Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten – Zwölf Fragen, unbequeme Wahrheiten und ein katholischer Weg in die Zukunft“ wegen seiner Wichtigkeit in voller Länge in eigener Übersetzung aus dem Niederländischen: Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die schlechte Nachricht lautet: Die katholische Kirche steckt in einer Krise. Die gute Nachricht ist: Das hat sie schon früher getan. Tatsächlich könnte bei jedem, der auch nur über oberflächliche Kenntnisse der Kirchengeschichte verfügt, der Eindruck entstehen, die Krise sei eine der wenigen wirklich beständigen katholischen Traditionen. Wir hatten korrupte Päpste, weltlich gesinnte Bischöfe, Häresien, Schismen, Revolutionen, Verfolgungen und liturgische Kommissionen. Und doch sind wir noch immer da. Dieser letzte Punkt erscheint mir vor allem als Beweis für den göttlichen Ursprung der Kirche. Eine rein menschliche Organisation, die so geführt wurde, wie es bei der Kirche bisweilen der Fall war, wäre wahrscheinlich schon im vierten Jahrhundert bankrottgegangen. Dennoch ist die Lage ernst. Nicht, weil es der Kirche an Beliebtheit mangelt. Nicht, weil ihr Marktanteil schrumpft. Nicht, weil sie den modernen Konsumenten nicht mehr anspricht. Die Krise ist ernst, weil innerhalb der Kirche Ungewissheit über genau jene Dinge herrscht, in denen sie eigentlich Gewissheit bieten sollte: Was ist wahr? Was ist Sünde? Was ist die Ehe? Was ist das Priestertum? Was ist Liturgie? Was ist Gehorsam? Was bedeutet Barmherzigkeit? Was hat Christus seiner Kirche eigentlich anvertraut? Und vielleicht noch grundlegender: Glauben wir wirklich noch daran, dass die Kirche von Christus etwas empfangen hat, das sie nicht ändern darf? Das ist der springende Punkt. 1. Die erste notwendige Reform: Aufhören so zu tun, als müsste alles reformiert werden Wir leben in einer Kultur, in der Veränderung fast automatisch als Verbesserung angesehen wird. Ein Telefon aus dem Jahr 2019 gilt als alt. Ein Computer aus dem Jahr 2012 ist eine Antiquität. Und deshalb denken wir manchmal unbewusst, eine Glaubenslehre aus dem Jahr 325 bedürfe dringend eines Software-Updates. Doch die Offenbarung ist kein iPhone. Das Christentum ist kein Produkt, von dem jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt gebracht werden muss. Die Aufgabe der Kirche besteht nicht darin, ständig eine neue Religion zu erschaffen. Ihre Aufgabe ist es, das, was sie von Christus empfangen hat, anzunehmen, zu bewahren, zu vertiefen und zu verkünden. Das bedeutet nicht, dass sich nichts ändern darf. Pastorale Methoden können sich ändern. Kirchenrechtliche Ordnungen können sich ändern. Formen der Leitung können sich ändern. Liturgische Praktiken können sich ändern. Doch die Wahrheit kann nicht heute wahr und morgen falsch sein. Bei der Erwägung einer kirchlichen Erneuerung sollte sich ein Bischof eine einfache Frage stellen: Hilft dies meinem Volk, heiliger zu werden? Nicht: „Ist das innovativ?“ Nicht: „Ist das inklusiv formuliert?“ Nicht: „Können wir dafür eine Arbeitsgruppe einrichten?“ Sondern vielmehr: Bringt dies die Menschen näher zu Christus, zu den Sakramenten und zum ewigen Leben? Das könnte so manche Sitzung verkürzen. Und vielleicht stellt dies an sich schon eine kleine Kirchenreform dar. 2. Synodalität: ein nützliches Werkzeug, eine problematische Richtung An Synoden ist nichts Unkatholisches; die Kirche kennt sie seit Jahrhunderten. Riskant wird es jedoch, wenn Synodalität von einer Methode zu einem geradezu eigenständigen theologischen Ideal erhoben wird. Schließlich begann das Christentum nicht mit der Prämisse: „Wo zwei oder drei in einer Gesprächsrunde versammelt sind, da kristallisiert sich auf natürliche Weise die Wahrheit heraus.“ Den Aposteln wurde ein Glaube anvertraut. Erst danach stand es ihnen frei, darüber zu beraten. Diese Reihenfolge ist entscheidend. Zuhören ist hervorragend, doch Katholiken müssen bisweilen den Mut aufbringen, die unhöfliche Frage zu stellen: Wem hören wir zu? Der Kultur? Meinungsumfragen? Interessengruppen? Uns selbst? Oder Christus? Denn wenn das Ergebnis eines kirchlichen Zuhörprozesses vorhersehbarerweise mit den Wünschen der modernen säkularen Kultur übereinstimmt, darf man sich fragen, ob wir wirklich auf den Heiligen Geist gehört haben oder vielleicht vor allem auf den Zeitgeist. Der Heilige Geist besitzt eine bemerkenswerte Eigenschaft: Er spricht – überraschend oft – in Kontinuität zu dem, was er in den vergangenen zwanzig Jahrhunderten gesagt hat. Ein kleiner Rat an meine bischöflichen Mitbrüder: Macht euch die Synodalität zu eigen, aber seid Bischöfe. Ein Bischof wird nicht dazu berufen, ein dauerhafter Moderator von Gruppenprozessen zu sein; er ist ein Nachfolger der Apostel. Das bedeutet: lehren, heiligen, leiten und bisweilen sagen: „Nein. Das können wir nicht ändern.“ Dieses Wort „Nein“ hat heutzutage einen schlechten Ruf. Doch Eltern wissen: Wer niemals Nein sagt, liebt seine Kinder deswegen nicht stärker. 3. Die Unterscheidung zwischen Barmherzigkeit und bloßer Bestätigung wiederherstellen Niemand braucht eine harte Kirche. Aber ebenso wenig braucht jemand eine Kirche, die es nur noch wagt, die Sünde in historischen Dokumenten beim Namen zu nennen. Christus war unendlich barmherzig. Doch seine Barmherzigkeit bestand niemals darin, so zu tun, als sei Umkehr unnötig. Zum Sünder sagt Christus: „Komm.“ Aber auch: „Folge mir nach.“ Und Nachfolge bedeutet zwangsläufig, dass wir nicht genau dort stehen bleiben, wo wir zuvor standen. Das klingt einfach. Doch heutzutage ist es revolutionär. Die pastorale Versuchung besteht bisweilen darin: Wir wollen niemanden verletzen, also sprechen wir lieber gar nicht mehr von der Sünde. Das Problem dabei ist, dass dann auch die Vergebung bedeutungslos wird. Wer niemals krank ist, braucht keinen Arzt. Wer niemals sündigt, braucht keinen Erlöser. Und plötzlich erkennen wir, warum Christus in einem solchen theologischen System immer weniger zu tun hat. Nur ein Rat an meine Mitbrüder im Priesteramt: Predigt wieder über Sünde, Gnade, Himmel, Hölle, Beichte, Tugend, Keuschheit, Gebet, Opfer und Umkehr. Nicht alles auf einmal an jedem Sonntag – schließlich wollen die Gläubigen auch pünktlich zu ihrem Mittagessen kommen. Aber lasst die Menschen wissen, dass es im Christentum tatsächlich um etwas Wesentliches geht. 4. Die Liturgie vor Experimenten und Ideologie bewahren Die Liturgie ist eines der sensibelsten Themen innerhalb der Kirche. Das ist verständlich. „Lex orandi, lex credendi“: Die Art und Weise, wie wir beten, prägt die Art und Weise, wie wir glauben. Deshalb ist der Streit um die Liturgie niemals bloß eine Frage der Ästhetik. Letztlich geht es um Gott. Eine katholische Messe ist nicht in erster Linie eine Zusammenkunft, bei der die Gemeinschaft ihr Zusammengehörigkeitsgefühl feiert. Sie ist das sakramental vergegenwärtigte Opfer Christi. Sie ist keine Mahlfeier in der Form eines Opfers, sondern ein Opfer in der Form eines Mahles. Das ändert alles. Wenn dies wirklich geglaubt wird, ergeben sich daraus ganz natürlich bestimmte Dinge: Ehrfurcht, Knien, Stille, Schönheit, größte Sorgfalt, sakrale Musik und ein Priester, der nicht glaubt, die Liturgie würde durch das spontane Einflechten einer lustigen Anekdote aufgewertet. Der Heilige Geist besitzt viele Gaben. Improvisationstheater am Altar gehört meines Wissens nicht zu den sieben Gaben. Nur ein Rat an meine Mitbrüder im Bischofsamt: Betrachten Sie eine Verbundenheit mit der überlieferten Liturgie nicht automatisch als psychiatrisches Problem. Nicht jeder junge Katholik, der das Lateinische liebt, ist ein Geheimagent aus dem Jahr 1957. Wenn sich junge Menschen zum Gregorianischen Choral, zur Stille, zum Weihrauch, zum Knien, zur Liturgie „ad orientem“ und zur klassischen Spiritualität hingezogen fühlen, sollte man nicht sofort fragen: „Was ist hier schiefgelaufen?“ Vielleicht sollte man stattdessen fragen: „Was suchen sie hier, das ihnen anderswo fehlt?“ Ein Wort auch an die traditionellen Katholiken – denn auch sie müssen offen dafür sein, etwas von uns zu hören. Die traditionelle Liturgie kann einen Menschen heiligen, aber ein alter Ritus macht jemanden nicht automatisch heilig. Man kann die ehrfürchtigste Messe besuchen und anschließend auf dem Parkplatz über die drei Bischöfe und den gesamten Vatikan fluchen. Das mag liturgisch traditionell sein, aber spirituell ist es alles andere als ideal. Tradition ohne Liebe wird zu einer gereizten Archäologie. 5. Hören Sie auf, junge Gläubige wie religiöses Porzellan zu behandeln Nach bestimmten pastoralen Modellen brauchen junge Menschen angeblich vor allem niedrige Zugangsschwellen, minimale Anforderungen, kurze Gottesdienste, verständliche Sprache, reichlich Input und – am wichtigsten – nichts, was nach Verpflichtung klingt. Es gibt nur ein Problem: Dieses Modell scheint nicht besonders gut zu funktionieren. Viele junge Menschen, die den Glauben entdecken, suchen eigentlich nach etwas anderem: Wahrheit, Ordnung, Askese, Identität, Beichte, Anbetung, Sakramente, intellektuelle Tiefe und eine Gemeinschaft, die etwas von ihnen verlangt. Wir haben die jungen Menschen unterschätzt. Wir boten ihnen Fruchtsaft an, als sie nach Wein suchten. Wir gaben ihnen Slogans, als sie Thomas von Aquin lesen wollten. Wir dachten, der Gregorianische Choral würde sie abschrecken. Inzwischen laden ihn einige von ihnen freiwillig bei Spotify herunter. Ein Tipp für meine Mitbrüder im Priesteramt: Wagen Sie es, junge Menschen wie Erwachsene zu behandeln. Lehren Sie sie den Katechismus. Bringen Sie ihnen das Beten bei. Bringen Sie ihnen das Fasten bei. Erklären Sie ihnen, warum die Kirche das lehrt, was sie lehrt. Bieten Sie kein verwässertes Christentum an. Niemand ist jemals für ein vages Gefühl der Verbundenheit den Märtyrertod gestorben. 6. Berufungen: Wer fordert noch ein Opfer? Wir sprechen viel über den Priestermangel. Verständlicherweise. Doch die Diskussion verlagert sich erstaunlich schnell auf Fusionen, Verwaltungsmodelle, Laienverantwortliche, Umstrukturierungen und – natürlich – den Zölibat. Das sind alles berechtigte Themen. Aber vielleicht sollten wir uns zunächst etwas Einfacheres fragen: Warum sollte ein junger Mann Priester werden wollen? Wenn er hört: „Du wirst Verwalter von acht Pfarreien, dein Terminkalender wird vollgestopft sein mit Sitzungen, du musst aufpassen, niemanden zu verärgern, und nach zwanzig Jahren bekommst du vielleicht ein Konzept für nachhaltiges Immobilienmanagement“ – dann ist es erstaunlich, dass sich überhaupt jemand meldet. Sagt man ihm aber: „Gib dein Leben Christus hin. Feiere täglich das Messopfer. Vergib Sünden. Taufe Kinder. Steh Sterbenden bei. Verkündige das Evangelium. Werde ein geistlicher Vater. Führe Seelen in die Ewigkeit“ – dann klingt das plötzlich ganz anders. Nur ein Rat an meine bischöflichen Mitbrüder: Sucht nicht nach Kandidaten, die vor allem gut im Management sind. Sucht nach Männern, die beten. Einem mittelmäßigen Verwalter kann durch einen guten Finanzfachmann geholfen werden. Einem Priester, der nicht betet, kann kein Managementkurs helfen. 7. Der Bischof muss wieder Vater werden Ein moderner Bischof kann leicht zu einer Art Generaldirektor für religiöse Dienstleistungen werden. Er hat es mit Sitzungen, Anwälten, Kommunikationsberatern, Immobilienfragen, Presseanfragen, Personalangelegenheiten, Protokollen und Gremien zu tun. All das ist notwendig. Doch wenn seine Priester ihn kaum kennen und die Gläubigen ihn nur auf einer Weihnachtskarte sehen, läuft etwas schief. Ein Bischof ist in erster Linie Vater und Hirte. Er muss daher seine Priester kennen. Die Seminaristen kennen. Pfarreien besuchen. Den Religionsunterricht beaufsichtigen. Die Liturgie schützen. Missbrauch bekämpfen. Die Glaubenslehre verkünden. Und gelegentlich öffentlich etwas sagen, bei dem alle sofort erkennen: „Oh ja. Dieser Mann glaubt wirklich, dass der katholische Glaube wahr ist.“ Das wäre erfrischend. Ich erlaube mir, einen konkreten Vorschlag zu machen. Jeder Bischof könnte sich jedes Jahr eine beträchtliche Anzahl von Tagen freihalten – nicht für Sitzungen, sondern für Besuche im Priesterseminar, für Einzelgespräche mit Priestern, für Begegnungen mit Katechumenen, für Schulbesuche, für das Hören von Beichten, für Treffen mit jungen Menschen und für Besuche in den Pfarreien. Dies gewährt Einblick darin, was seine Diözese wirklich braucht. 8. Priester: Seid Priester, keine Entertainer Ein Priester muss nicht der beliebteste Mann in der Pfarrei sein. Zum Glück nicht; andernfalls stünde die katholische Kirche vor ernsten Personalproblemen. Er muss auch nicht ständig „relevant“ sein. Seine Relevanz entspringt nicht seiner Persönlichkeit, sondern kommt von Christus. Wenn ein Priester die Krankensalbung spendet, ist er relevant. Wenn er die Absolution erteilt, ist er relevant. Wenn er die Eucharistie feiert, ist er relevant. Wenn er Sterbende begleitet, ist er relevanter als alle Talkshows, die an jenem Abend ausgestrahlt werden. Konkrete Prioritäten für Priester lassen sich leicht benennen: Betet täglich treu das Stundengebet. Nehmt euch jeden Tag Zeit für das stille Gebet. Feiert die Messe mit Ehrfurcht. Bietet reichlich Gelegenheit zur Beichte. Seid für Kranke da. Vermittelt echte Katechese. Predigt gehaltvoll. Vermeidet liturgische Eigenmächtigkeiten. Lest regelmäßig theologische Schriften. Lebt einfach. Und seid väterlich. Dieser letzte Punkt ist wichtig. Der Priester ist nicht bloß ein Funktionär für die Sakramente; er ist ein geistlicher Vater. 9. Laien: Hört auf zu warten, dass Rom alles löst Katholiken haben bisweilen eine eigenartige Angewohnheit. Wir beklagen uns darüber, dass die Hierarchie zu viel Macht hat, und erwarten doch gleichzeitig, dass sie alles löst. Beides passt nicht zusammen. Wenn die Kultur neu evangelisiert werden muss, geschieht dies größtenteils durch die Laien – in Familien, Schulen, Universitäten, Unternehmen, Medien, Kunst, Politik, Wissenschaft und den Gemeinden vor Ort. Zumindest wäre das das ideale Szenario. Die frühen Christen hatten keine Bischofskonferenz im Rücken, die von einer professionellen Kommunikationsagentur unterstützt wurde, und doch evangelisierten sie das Römische Reich. Das rückt unsere Ausreden in die richtige Perspektive. Die Familie bleibt der wichtigste Ort der Glaubensunterweisung. Daher ein paar Tipps für Eltern: Betet mit euren Kindern. Geht mit ihnen zur Messe. Geht selbst zur Beichte. Sprecht zu Hause über den Glauben. Macht sie mit den Heiligen bekannt. Bringt ihnen bei, dass der Sonntag wirklich ein Sonntag ist. Und wundert euch nicht, wenn ein Kind nicht katholisch wird, nachdem es achtzehn Jahre lang gesehen hat, dass das Katholischsein für seine Eltern kaum einen Unterschied machte. Katholischen Intellektuellen gebe ich diesen Rat: Schreibt. Lehrt. Diskutiert. Gründet. Organisiert. Seid in der Kultur präsent. Katholische Orthodoxie darf nicht zu einem Hobby für Intellektuelle werden, die nur miteinander reden. Thomas von Aquin schrieb nicht für eine geschlossene WhatsApp-Gruppe. 10. Führt den Kulturkampf, ohne selbst zum Kulturkämpfer zu werden Es gibt echte Konflikte zwischen katholischer Moral und moderner Kultur; das sollten wir nicht leugnen. Doch traditionelle Katholiken sind bisweilen einer besonderen Gefahr ausgesetzt: dass der Kampf gegen den Irrtum langsam wichtiger wird als die Liebe zur Wahrheit. Dieser Unterschied ist subtil, aber entscheidend. Letztlich kann man so viel Zeit mit dem Kampf gegen den Modernismus verbringen, dass Christus fast zur Nebensache wird. Man kann täglich darüber lesen, was in Rom alles schiefläuft, ohne jemals das Evangelium aufzuschlagen. Man kann auf Facebook innerhalb von zehn Minuten von der neuesten Katastrophe in einem Dikasterium erfahren, ohne zu wissen, welcher Heilige an diesem Tag im Kalender steht. Das ist kein Sieg für die Tradition. Das ist eine geistliche Ablenkung. Eine praktische Regel: Lest mehr von Augustinus als von „Church Twitter“. Lest mehr von Benedikt XVI. als von wütenden Blogs. Betet länger für euren Bischof, als ihr euch über ihn beklagt. Letzteres ist besonders schwer. Was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass es der Seele gut tut. 11. Missbrauch: Kein Beschönigen des Rufs der Kirche Hier ist kaum Raum für Humor. Missbrauch und die damit einhergehende Kultur des Vertuschens haben immensen Schaden angerichtet. Ein traditionsbewusster Katholik darf niemals glauben, die Verteidigung der Kirche bedeute, den institutionellen Ruf über Wahrheit und Gerechtigkeit zu stellen. Die katholische Orthodoxie selbst fordert Gerechtigkeit, Liebe zur Wahrheit, den Schutz der Schwachen und Rechenschaftspflicht von den Verantwortlichen. Ein Bischof, der einen Täter schützt, um „Ärgernis zu vermeiden“, verursacht tatsächlich Ärgernis. Die Kirche wird nicht verteidigt, indem man Sünde verbirgt; die Kirche wird verteidigt, indem man die Sünde bekämpft. Kurz gesagt: Schützen Sie zuerst die Opfer. Ermitteln Sie ernsthaft. Arbeiten Sie rechtmäßig mit staatlichen Behörden zusammen. Seien Sie transparent, wo immer dies verantwortungsvoll möglich ist. Und machen Sie sich bewusst: Der Ruf der Kirche gehört letztlich Christus. Er kann mit der Wahrheit besser umgehen als mit einer Lüge. 12. Schluss mit dem ständigen Minderwertigkeitskomplex gegenüber der modernen Welt Seit einigen Jahrzehnten scheint ein Teil des kirchlichen Establishments in großer Sorge zu sein, die moderne Welt könnte uns als altmodisch betrachten. Doch wir können das gelassen sehen. Die moderne Welt „hält“ uns tatsächlich für altmodisch. Letztlich lehrt das Christentum: dass Keuschheit eine Tugend ist, dass die Ehe eine objektive Bedeutung hat, dass Kinder Geschenke sind, dass es Wahrheit gibt, dass Leiden Sinn gewinnen kann, dass Besitz Verpflichtungen mit sich bringt, dass Vergebung wichtiger ist als Rache, dass Demut gut ist, dass der Mensch nicht sein eigener Schöpfer ist und dass Gott letztlich wichtiger ist als Autonomie. Und ja, auch wichtiger als die Wirtschaft. Das wird niemals voll im Trend liegen. Das muss es auch gar nicht. Das Christentum hat nicht zweitausend Jahre überdauert, indem es seine Botschaft alle zwanzig Jahre neu geschrieben hat. Es hat überdauert, weil sich die Botschaft als größer erwiesen hat als jeder vorübergehende Trend. An die Bischöfe: 1. Verkünden Sie die Glaubenslehre klar. Nicht nur, wenn es keine Kontroversen gibt, sondern gerade dann, wenn sie unpopulär ist. 2. Bilden Sie gute Priester aus: intellektuell rechtgläubig, geistlich tiefgründig, menschlich gereift und liturgisch fundiert. 3. Geben Sie rechtgläubigen Priesterseminaren den Vorzug. Eine Diözese mit Priestermangel sollte nicht nur fragen, warum keine jungen Menschen kommen; sie muss auch fragen, was junge Menschen vorfinden, wenn sie „tatsächlich“ kommen. 4. Stellen Sie den liturgischen Frieden wieder her. Behandeln Sie gläubige Katholiken, die sich die traditionelle Liturgie wünschen, nicht als Problemfälle. 5. Fördern Sie Beichte und Anbetung. Die Erneuerung der Kirche beginnt nicht mit Management. 6. Schützen Sie die katholische Bildung. Eine Schule, die sich katholisch nennt, es aber nicht mehr wagt, das katholische Menschenbild zu vermitteln, besitzt kaum mehr als ein historisches Logo. 7. Seien Sie als Hirte sichtbar. Gehen Sie zu den Menschen. An die Priester: 1. Beten Sie. Das klingt fast beleidigend einfach. Doch viele Krisen beginnen genau dort. An die Laien: 1. Werden Sie selbst heilig. Das ist schwieriger, als sich über Rom zu ärgern, aber letztlich weitaus wirksamer. Lassen Sie mich auch etwas sagen, das für ein traditionelles Publikum vielleicht weniger angenehm ist. Tradition an sich kann zur Ideologie werden. Man kann so sehr davon überzeugt sein, die Wahrheit zu verteidigen, dass man vergisst, dass die Wahrheit eine Person ist. Wir können recht haben und doch lieblos sein, rechtgläubig und doch arrogant, liturgisch korrekt und doch geistlich kalt, theologisch scharfsinnig und doch persönlich unerträglich. Das wäre ein ziemlich sonderbarer Sieg. Die Traditionsbewegung wird dann wahrhaft fruchtbar sein, wenn sie erkennbar wird an: Heiligkeit, kinderreichen Familien, Berufungen, intellektuellem Leben, Schönheit, Nächstenliebe, Freude und missionarischem Eifer. Nicht bloß an Kritik. Einen Baum erkennt man letztlich an seinen Früchten. Nicht an der Schärfe seiner Tweets. Wo beginnt wahre Reform? Vielleicht nicht in Rom. Vielleicht nicht auf einer Synode. Vielleicht nicht bei einer Bischofskonferenz. Vielleicht beginnt sie morgen früh. Wenn ein Priester vor dem Frühstück eine halbe Stunde länger betet. Wenn ein Vater mit seinen Kindern den Rosenkranz betet. Wenn ein junger Mensch nach zehn Jahren wieder zur Beichte geht. Wenn ein Bischof beschließt, eine unpopuläre Wahrheit ruhig zu erklären. Wenn sich ein Seminarist für die Heiligkeit und gegen eine Karriere entscheidet. Wenn eine Pfarrei die eucharistische Anbetung wiederaufnimmt. Wenn sich ein katholischer Lehrer weigert, seinen Glauben auf vagen Humanismus zu reduzieren. Wenn ein Ehepaar seine Ehe tatsächlich als Berufung lebt. So hat sich die Kirche schon immer erneuert. Nicht primär durch Programme, sondern durch Heilige. Und deshalb: keine Panik. Wir können die Krise ernst nehmen, ohne sie dramatischer darzustellen, als sie ist. Denn die Zukunft der Kirche hängt letztlich nicht von der Kompetenz ihrer Bürokratie ab. Gott sei Dank. Das ist vielleicht die tröstlichste Lehre dieser „Paarse Peper“-Kolumne. Christus sagte nicht: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meinen strategischen Mehrjahresplan bauen.“ Er sagte: „Ich werde meine Kirche bauen.“ Das entbindet uns nicht von der Verantwortung; es rückt sie jedoch ins rechte Licht. Wir müssen die Kirche nicht neu erfinden. Wir müssen sie auch nicht retten – so als hätte Christus nach seiner Himmelfahrt vergessen, wie seine eigene Kirche funktioniert. Wir müssen etwas Einfacheres tun: Den Glauben bewahren. Die Wahrheit aussprechen. Die Sakramente empfangen. Unsere Kinder erziehen. Den Armen dienen. Priester ausbilden. Berufungen fördern. Die Liturgie würdevoll feiern. Unsere Feinde lieben. Und Christus mehr lieben als unsere eigene kirchliche Gruppierung. Letzteres dürfte wohl das Schwierigste sein. Denn letztlich gibt es keine traditionalistischen und keine progressiven Heiligen. Es gibt nur Heilige. Und vielleicht ist genau das die Reform, die die Kirche jetzt braucht. Nicht noch ein neues katholisches Programm. Sondern vielmehr Katholiken, die das Evangelium so ernst nehmen, dass andere zu fragen beginnen: „Was haben sie gefunden, das uns fehlt?“ Wenn diese Frage wieder gestellt wird, beginnt die Neuevangelisierung wahrhaftig. Und vielleicht entdeckt die Kirche dann etwas wieder, das sie in ihren besten Momenten stets wusste: dass die Welt nicht dadurch bekehrt wird, dass wir ihr immer ähnlicher werden, sondern dadurch, dass sie etwas von Christus in uns sieht. +Rob Mutsaerts Weiterführender Text von Bischof Mutsaerts: „Trägt der synodale Prozess dazu bei, die Seelen Christus und dem ewigen Heil näherzubringen?“- Niederländischer Weihbischof Rob Mutsaerts schreibt Offenem Brief an Papst Leo XIV. zum Thema „Synode über die Synodalität“ – Der Brief in voller Länge in kath.net-Übersetzung! Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. 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