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| ![]() Frieden, Wahrheit und das Programm für Europavor 9 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung Auftakt der Apostolischen Reise nach Spanien: Leo XIV. ruft zu Versöhnung, Dialog und einer Erneuerung von Kultur, Bildung und öffentlicher Verantwortung auf. Die ‚selige Nacht‘ unserer Zeit und die Versuchung der Polarisierung. Von Armin Schwibach Madrid (kath.net/as) Der Auftakt der Apostolischen Reise von Papst Leo XIV. nach Spanien fand im Königspalast von Madrid mit einer Begegnung mit den Behördenvertretern, der Zivilgesellschaft und dem Diplomatischen Korps statt. Die Ansprache bildete die erste von insgesamt 22 Ansprachen und Predigten der bis zum 12. Juni dauernden Reise. Zu Beginn dankte der Papst für die Einladung und bezeichnete die Reise als einen Weg durch verschiedene Regionen und Wirklichkeiten Spaniens. Er erinnerte an die christlichen Wurzeln des Landes und an die Überlieferung, die die erste Evangelisierung der Iberischen Halbinsel mit dem Apostel Jakobus dem Älteren verbindet. Diese Verbindung sei „von beachtlicher theologischer Bedeutung“, da sie das Bewusstsein der Ortskirche ausdrücke, „in Kontinuität mit der vom Pfingstereignis ausgehenden apostolischen Sendung zu stehen“. Leo XIV. hob hervor, dass die Verbindung zwischen christlichem Glauben und spanischer Geschichte die Identität des Landes zwar nicht vollständig beschreibe, dessen Kultur jedoch tief geprägt habe. Die Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit stellten „eine wahre Dramaturgie der Erlösung im Rhythmus des Jahres und in den verschiedenen Lebenskontexten“ dar. Zusammen mit dem künstlerischen und musikalischen Erbe sowie den Bruderschaften und karitativen Vereinigungen zeugten sie von der Begegnung Christi mit dem spanischen Volk. Spanien sei „ein Volk voller Leidenschaft, das das Leben liebt und dies auch zeigt“. Den Sinn seines Besuches beschrieb der Papst mit den Worten, er sei gekommen, „um die Gläubigen in ihrer Treue zum Evangelium zu bestärken, zu ermutigen und zu inspirieren und um eine tiefere Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kräften dieser Nation zu fördern“. Gerade die Geschichte Spaniens zeige, dass nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die Kultur der Begegnung Stabilität und Wohlstand hervorbringe. Vor diesem Hintergrund sprach Leo XIV. über Wahrheit und Frieden. Die Botschaft des Friedens finde Gehör bei jenen, die sich nicht in Ideologien verschlössen, sondern offen für die Wahrheit seien. Unter Bezugnahme auf Papst Franziskus erinnerte er an den Satz: „Die Wirklichkeit steht über der Idee.“ Die Wahrheit sei stets größer als der Mensch selbst; deshalb überrasche sie und führe auf Wege der Läuterung und Versöhnung. Ausführlich verwies der Papst auf die Gestalten des heiligen Johannes vom Kreuz und der heiligen Teresa von Ávila. Ihre Mystik führe nicht aus der Geschichte heraus, sondern an den Kern der Wirklichkeit. Besonders die Lehre des Johannes vom Kreuz über die „selige Nacht“ helfe, die Umbrüche der Gegenwart zu verstehen. Der Karmelit habe gelernt, die Dunkelheit als jenen Ort anzunehmen, an dem sich die Seele von ihren vermeintlichen Sicherheiten löse. Deshalb brauche auch das öffentliche Leben Menschen, „die in der Dunkelheit das Licht erahnen; im Ende einen möglichen Anfang“. Mit einem der bekanntesten Verse des Kirchenlehrers zitierte der Papst: „Oh Nacht, die mich lenkte! O Nacht, holder als das Frührot! O Nacht, die den Geliebten mit der Geliebten vereinte, die Geliebte in den Geliebten wandelte.“ Die Gegenwart, so der Papst, werde von Konflikten und Ungleichgewichten erschüttert, rufe aber zugleich nach Frieden, nach einer neuen Erkenntnis des Menschen und seiner unantastbaren Würde sowie nach einer „Zivilisation der Liebe“. Im Bild der „inneren Burg“ der heiligen Teresa von Ávila beschrieb er den Weg zum Herzen des Menschen als einen Weg, auf dem sich der Raum weite, Widersprüche sich lösten und die anderen ihren Platz fänden. Daraus leitete er die Notwendigkeit ab, Religions- und Gewissensfreiheit zu schützen. Mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen stellte der Papst fest, die Versuchung wachse, durch Polarisierung Zustimmung zu gewinnen. Demgegenüber brauche die Gesellschaft Kultur, Innerlichkeit, eine freie und hochwertige Bildung sowie Offenheit für die Transzendenz. Die Kirche stehe im Dienst dieser Sehnsucht des menschlichen Herzens und sei bereit, „sich in den Dienst der Zukunft eines Volkes zu stellen, das nach Versöhnung und Frieden sucht“. Einen besonderen Appell richtete Leo XIV. an Politik, Gesellschaft und Medien. Er lud dazu ein, „die spaltenden und polarisierenden Darstellungen Ihrer gesellschaftlichen Realität und ihrer Geschichte hinter sich zu lassen“, um von Vereinfachungen zu einer Anerkennung der geschichtlichen und kulturellen Komplexität zu gelangen. Darin sah er eine besondere Aufgabe Europas, bei der Spanien eine wichtige Rolle zukomme. Europa könne der Welt gerade dadurch dienen, dass es seine geschichtliche Vielschichtigkeit als Reichtum begreife und identitären Versuchungen widerstehe. Breiten Raum nahm die Reflexion über neue Technologien ein. Das digitale Umfeld sei zu einem künstlichen Lebensraum geworden, in dem grundlegende Entscheidungen des Menschen auf die Probe gestellt würden. Dort verschärften sich Vorurteile, kritisches Denken werde geschwächt und mächtige Interessen förderten zerstörerische Dynamiken. Zugleich betonte der Papst, dass das Gute Widerstand leisten und sich weitergeben könne. An die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen richtete Leo XIV. die Forderung nach einer „qualitativen Wende“ und nach verstärkten Investitionen in Schulen, Hochschulen, Forschung, lokale Gemeinschaften und die Zivilgesellschaft. Die Sicherheit entstehe nicht durch Waffen und Mauern, sondern dadurch, „dass wir lernen, gemeinsam mit anderen voranzugehen, gemeinsam zu wachsen, Seite an Seite“. Als historisches Beispiel verwies der Papst auf das Zusammenleben von Christen, Muslimen und Juden auf der Iberischen Halbinsel. Neben Konflikten habe es auch Versuche gegeben, Räume der Begegnung und des Dialogs zu schaffen. Die Übersetzerschule Alfons’ X. des Weisen sowie Städte wie Córdoba und Toledo seien Orte gewesen, an denen Sprachen, Religionen und Wissenswelten einander begegneten. Gerade diese historische Vielschichtigkeit gehöre zur Wahrheit Europas: „Das ist die Wahrheit, die die europäischen Städte erzählen, ihre historische Vielschichtigkeit, das Geflecht der Solidarität, das im Laufe der Jahrhunderte ihre Unterschiede geprägt und die unvermeidlichen Konflikte in Ansätze für einen Neuanfang verwandelt hat“. Zum Schluss erinnerte Leo XIV. an Ignatius von Loyola. Dessen Weg zeige, wie Krisen durch Unterscheidung und innere Freiheit in einen Weg der Gnade verwandelt werden könnten. In diesem Zusammenhang zitierte der Papst aus seiner Enzyklika Magnifica humanitas: „Vermeiden wir Worte, die erniedrigen oder gegeneinander aufbringen. Entscheiden wir uns für Klarheit, die erleuchtet, und Freimut, der Wege eröffnet“. Maßstäbe für die Beurteilung der Gegenwart seien die Würde der Person, die allgemeine Bestimmung der Güter, die Option für die Armen, die Sorge für das gemeinsame Haus und der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Abschließend dankte Leo XIV. Spanien für sein Engagement zugunsten des Völkerrechts und des Multilateralismus. Er ermutigte das Land, den Dialog und die soziale Freundschaft weiter zu pflegen, die Anliegen der Armen und der Jugendlichen zu berücksichtigen, Einheit und Autonomie miteinander zu verbinden und den europäischen Einigungsprozess voranzutreiben: „Gott segne Spanien!“.
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