Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vatikan korrigiert argentinische Bischöfe: Gläubige dürfen kniend und auf die Zunge kommunizieren
  2. „Puff für alle“: Entsetztes Kopfschütteln über Sexualkunde-Aufgabe an katholisch geprägtem Gymnasium
  3. „Ut unum sint“ - Wahrheit, Tradition und sichtbare Communio
  4. 'Gut' gebrüllt, Löwe?
  5. Kardinal Eijk: Synodenbericht der Arbeitsgruppe 9 muss zurückgewiesen werden
  6. Sacrosanctum Concilium: Die Liturgie und das Geheimnis Christi
  7. „Leo macht Schluss mit ‚Doppelstandards‘: Warum der deutsche Synodale Weg ins Stocken gerät“
  8. MAGNIFICA HUMANITAS
  9. Die ekklesialen Abrissbagger kreisen in den Dörfern
  10. Nach Gipfelkreuzschändung: 18-Jähriger stellt neues selbstgebautes Kreuz auf
  11. Vatikan veröffentlicht die Leitlinien für den Umsetzungsweg der Synode über die Synodalität
  12. Yoga-Kongress am Geburtsort des heiligen Franz Xaver
  13. US-Diözese Wichita hat seit Jahren viele Priesterberufungen
  14. Synodenbericht der Arbeitsgruppe 9 ‚beunruhigend‘ und ‚verblüffend‘
  15. Liegt ein Schisma in der Luft?

„In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?

23. Jänner 2026 in Deutschland, 51 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Theologe Bernhard Meuser (Initiative Neuer Anfang), im Interview mit der italienischen Tageszeitung „Il Foglio“: „Die Kirche darf ihren Katechismus nicht vom deutschen ‚Synodalen Weg‘ umschreiben lassen.“


Rom (kath.net/pl) „In Deutschland haben wir eine lange Tradition, römische Bestimmungen und Einwände zu ignorieren, herunterzuspielen oder als Bestätigung der eigenen Linie zu interpretieren. Im Hintergrund tobt derzeit ein Kirchenkampf in unserem Land, von dem man in Italien vielleicht keine wirkliche Vorstellung hat.“ Darauf macht der bekannte Theologe, Autor und Initiator des „Youcat“-Projektes sowie der Initiative „Neuer Anfang“ in einem Interview mit Matteo Matsuzzi für die italienische Tageszeitung „Il Foglio“ aufmerksam. In diesem Kirchenkampf „prallen vordergründig zwei ekklesiologische Auffassungen aufeinander, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nie zusammengeführt wurden: Communio versus Concilium – eine apostolisch-sakramental-hierarchisch verfasste Kirche versus eine Kirche der Räte, die sich demokratisch von der Basis her immer wieder neu erfinden darf.“ Doch „nüchtern betrachtet geht es um die Macht und das Geld“, so Meuser, denn „die Strategen der Machtübernahme der Laien haben bereits die Mehrheit der deutschen Bischöfe auf ihre Seite gezogen; nun betteln sie in Rom noch um den päpstlichen Segen“, also „um irgendeine Kompromissformel, die sich triumphierend präsentieren lässt“. Die Menschen sollen Glauben, dass der Papst nun ebenfalls den deutschen ‚Synodalen Weg‘ befürworte“ Aber in Wirklichkeit gebe beim deutschen „Synodalen Weg“ keinerlei Überlegungen, „wieder in das Boot der universalen Kirche einzusteigen, die neu eingeführte Sexualethik zu widerrufen oder sich wieder am Lehramt der Kirche zu orientieren“.

Einer inhaltlichen Auseinandersetzung versuche der deutsche Synodale Weg auszuweichen, indem man „Recht von Wahrheit“ entkopple, schildert Meuser. Doch „entweder ist die deutsche Sexualethik … Gott wohlgefällig und rechtgläubig. Oder sie ist eine Häresie und ein Bruch mit dem gemeinsamen Glauben der Kirche. Entweder muss die Weltkirche von Deutschen ihren Katechismus umschreiben lassen, oder die deutschen Bischöfe müssen sich fügen. Tertium non datur.“


Hinsichtlich der Schisma-Gefahr führt Meuser gegenüber „Il Foglio“ in vier Punkten aus:

  • „Das Untergraben des apostolischen Prinzips und die Dekonstruktion der bischöflichen Autorität“. „Auf dem deutsch-synodalen Reißbrett entsteht ein Bischof, der von den Laien überstimmt werden kann, erpressbar ist und dem es dann am besten geht, wenn er sich nur noch als Moderator und Vertreter des Willens des Gottesvolkes versteht. Dieses Gottesvolk wird dann vom ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) konstituiert, einer Art Funktionärsvereinigung.“
  • „Zweitens der radikale Gedanke der Autonomie in der theologischen Ethik, der die Entscheidungsfreiheit über jede Form der Unterweisung und des Gebots stellt, der damit die Offenbarung überflüssig macht, das Wort Gottes zerstört und die ‚Hingabe an Gott‘ aus dem spirituellen Repertoire streicht. Von Jesus bleibt nur noch die Ermutigung, man selbst zu sein.“
  • Drittens „die Entsakralisierung und die Selbstsäkularisierung der Kirche, ihr Abschied von der Nachfolge Christi, ihre stille Verwandlung in eine bürokratisch geführte ‚Religionsverwaltung‘ (wie Martin Brüske es nannte). Dies zeigt sich im Ressentiment gegen den Priester.“
  • Viertens „eine theologische Anthropologie, in der mehr als zwei Geschlechter existieren, Homosexualität eine ‚gute Gabe Gottes‘ ist, homosexuelle Handlungen und Masturbation niemals sündhaft sind, voreheliche sexuelle Experimente als nützlich und normal gelten, eheähnliche Partnerschaften wertgeschätzt werden und die sakramentale Ehe auch für Mann/Mann und Frau/Frau als Geschenk betrachtet werden soll. Liturgische Segnungen von Paaren, die vom Heiligen Stuhl verboten sind, finden [sogar] in Kathedralen statt. Eltern sollen die vollständige Umsetzung der LGBTQ-Agenda in katholischen Schulen miterleben.“

Es gebe zwar eine „breite Mitte“ von Katholiken in Deutschland. Man müsse sich dabei aber bewusst machen, „dass in Deutschland 800.000 Laienmitarbeiter von den Geldern der Kirche leben. Die meisten von ihnen sieht man nie bei Gottesdiensten. Diese kirchlichen Angestellten identifizieren sich größtenteils nicht mit der Kirche; sie sind lediglich eine Voraussetzung für ihre progressiven kirchlichen Träume. Dennoch verfügen sie mitunter über mehr kommunikative, strukturelle und administrative Macht als unsere Bischöfe.“ 

Die Kirche verliere aktuell „vier Gruppen: die Jungen, die zu Freikirchen abwandern; die Gläubigen, die Schönheit und Treue zum Glauben nur noch in der alten Messe sehen; wertebewusste Intellektuelle, die vom theologischen Niveau der Protagonisten abgestoßen sind; und die missionarischen Erneuerungsbewegungen, die systematisch an den Rand gedrängt werden.“

Meuser weist auch dezidiert auf die gezielte Lenkung der binnenkatholischen Nachrichten und Gesprächsmöglichkeiten hin. So werde beispielsweise die die Initiative Neuer Anfang, in der sich jene sammeln, die angeblich nicht existieren, von den offiziellen Medien der Kirche nicht aufgegriffen – Meuser nennt namentlich die Katholische Nachrichtenagentur KNA und den Internetauftritt „katholisch.de“. Weiter kritisiert der Theologe: „Dialoganfragen werden von den Bischofsbüros abgelehnt“ Und ein Bischof habe ihm dann persönlich geantwortet: „Ich entscheide, mit wem ich spreche und mit wem nicht.“

Matteo Matsuzzi fragt gegen Ende seines Interviews wörtlich: „Tatsächlich erlebt die deutsche Kirche eine schwere Krise mit vielen Austritten, einer sehr geringen Sakramentenpraxis und einer historischen Tiefstzahl an Priesterweihen. Was war Ihrer Meinung nach der Fehler? Und warum beharrt man trotzdem auf diesem Weg?“ Meuser wies in seiner Antwort darauf hin, dass „der ursprüngliche Fehler die Abkehr von der Katechese und dem Katechismus“. Er erinnerte daran, dass Katechese/Katechismus „in Deutschland ein abwertenden Begriff“ sei, „der mit infantilem Christentum gleichgesetzt“ werde. „Daher sollte es nicht überraschen, wenn 30 Prozent der deutschen Katholiken die Gottessohnschaft für ein Märchen halten. Und wenn sich Bischöfe durch Selbstverpflichtung an die Beschlüsse des Synodalen Weges binden, muss man sich fragen, wo sie ihre theologischen Kenntnisse erworben haben und wann sie zuletzt in ihren Amtseid geschaut haben.“

Matsuzzi fragte dann „nach dem wahren Ziel dieser Synodalkonferenz“. Meuser kommentierte dies knapp: „Das frage ich mich auch. Ich habe keine Antwort.“

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kirche

  1. Das kirchliche Amt zwischen Wahrheit und Selbstreferenz – Vom Selbstausdruck zum Christuszeugnis
  2. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  3. Warum kein einfach gläubiger Katholik „Laienpredigten“ in der heiligen Messe braucht
  4. „Je besser die zentralen Ämter der Kirche geführt werden, desto größer der Nutzen für die Kirche“
  5. Woelki: „Herr, offenbare du deinen Willen für deine Kirche, das ist der Kernsatz aller Synodalität“
  6. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  7. Erzbistum Brisbane/Australien: Messbesucherzahlen wachsen seit drei Jahren

Synodaler Weg

  1. „Genau das, was wir heute in Deutschland beim Synodalen Weg erleben, dieselben Themen, Ansichten“
  2. Deutsche Bischofskonferenz beschließt: Man will in Rom um Erlaubnis für Laienpredigt bitten
  3. Die Deutsche Bischofskonferenz nimmt die Satzung für die künftige Synodalkonferenz an
  4. Die „Synodalkonferenz“ der deutschen Funktionäre
  5. Kirche im Verfall
  6. Römische Orientierung statt deutsch-synodale Desorientierung
  7. Der deutsch-synodale Weg als reines Herrschaftsinstrument!






Top-15

meist-gelesen

  1. „Leo macht Schluss mit ‚Doppelstandards‘: Warum der deutsche Synodale Weg ins Stocken gerät“
  2. „Puff für alle“: Entsetztes Kopfschütteln über Sexualkunde-Aufgabe an katholisch geprägtem Gymnasium
  3. MAGNIFICA HUMANITAS
  4. Vatikan korrigiert argentinische Bischöfe: Gläubige dürfen kniend und auf die Zunge kommunizieren
  5. Kardinal Eijk: Synodenbericht der Arbeitsgruppe 9 muss zurückgewiesen werden
  6. 'Gut' gebrüllt, Löwe?
  7. Komm, o Geist der Heiligkeit! Aus des Himmels Herrlichkeit!
  8. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  9. Die ekklesialen Abrissbagger kreisen in den Dörfern
  10. „Die Genderideologie ist zutiefst reaktionär“
  11. Nach Gipfelkreuzschändung: 18-Jähriger stellt neues selbstgebautes Kreuz auf
  12. „Synodenbericht präsentiert einen toxischen ‚Paradigmenwechsel‘“
  13. US-Diözese Wichita hat seit Jahren viele Priesterberufungen
  14. „Ut unum sint“ - Wahrheit, Tradition und sichtbare Communio
  15. Sacrosanctum Concilium: Die Liturgie und das Geheimnis Christi

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz