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Die große Täuschung

vor 12 Stunden in Kommentar, 6 Lesermeinungen
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Der Synodale Weg als Machtapparat im kirchlichen Verwaltungskostüm - BeneDicta am Freitag von Dorothea Schmidt


Regensburg (kath.net)

Die letzte Synodalversammlung ist vorbei. Doch aufatmen kann man nicht. Der deutsche Synodale Weg hat in weiten Teile der katholischen Kirche in Deutschland eine neue Ethik und Anthropologie sowie ein neues Kirchenverständnis implementiert und stark polarisiert. Hinzu kommt der systematische Druck auf die Bischöfe, die faktisch gezwungen werden, ihren Bischofsstab an Laiengremien abzutreten und von ihnen kontrollieren zu lassen, ob sie ja auch alle Beschlüsse des Synodalen Wegs umsetzen —auch wenn diese keinerlei Rechtskraft besitzen.  

Was dies bedeutet, ist nun auch Bischöfen aufgegangen, die sich zuvor lautstark für ein Monitoring stark gemacht haben. Sie erkennen, dass sie — frei nach dem Zauberlehrling  — die Geister nimmer loswerden, die sie gerufen haben. Jene „Macht der Bischöfe“, die man jahrelang anprangerte, wurde umverteilt. Das Ziel ist erkennbar: neue Leitungsstrukturen fernab der kirchlichen Hierarchie und gegen den erklärten Willen Roms zu etablieren.

Wie weit dieser Anspruch reicht, zeigte sich erst kürzlich wieder: Eine lange Liste von Forderungen, die die Bistümer noch durch- und umsetzen müssen, wurde während der Synodalversammlung förmlich verlesen – sachlich, nüchtern, wie ein Verwaltungsauftrag. Zu diesen Forderungen zählen unter anderem eine Musterordnung zur Beteiligung der Gläubigen bei Bischofsernennungen, die Aufhebung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester, die Streichung von Passagen im Katechismus zur Bewertung homosexueller Handlungen als Hauptsünde, der Zugang aller Homosexueller zum Weiheamt, eine Revision des „Nihil obstat", eine Partikularnorm zur Laienpredigt usw.

Die katholische Kirche in Deutschland hat eine Parallelordnung etabliert, die sich nun im Gewand von Verwaltungshandeln tarnt. Immer noch zu behaupten, es gäbe keinen Bruch mit dem Lehrkonsens der letzten 2000 Jahre, ist fast schon unredlich. Der Synodale Weg beugt sich nicht dem Lehramt, er baut es um. Und meint, die Weltkirche würde schon noch nachkommen. Wie sagte die Synodale Birgit Mock noch: „Hat man verstanden, dass die Praxis der Lehre vorausgehen kann – oder haben wir das nicht?“


Und doch muss man dem Synodalen Weg eines lassen: Er war und ist gut inszeniert. Kaum ein kirchliches Projekt der letzten Jahrzehnte hat es so virtuos verstanden, politische Machtbildung als geistlichen Prozess zu tarnen. Doch Lügen haben bekanntlich kurze Beine: Inzwischen liegt das Drehbuch offen auf dem Tisch. Wer noch von „Hören auf den Geist“ spricht, will entweder nicht sehen – oder soll nicht sehen.

Bereits mit den Beschlüssen der Synodalversammlungen und spätestens mit Einrichtung des Synodalen Ausschusses wurde deutlich, wohin die Reise geht. Römische Einwände wurde zur Randnotiz erklärt. Hier wird durchregiert. Aber die Damen und Herren Synodalen sollten sich auch nicht siegessicher glauben: Selbst wenn eine gerade noch kirchenrechtlich eingehegte Satzung von deutschen Bischöfen und Rom akzeptiert würde: Papst Leo XIV. hat den Prozess längst im Blick und wird alles daransetzen, zu verhindern, was noch zu verhindern ist.

Umgekehrt sollte man sich auch nicht der Illusion hingeben, der Weg sei damit eingespurt. Es ist davon auszugehen, dass er genauso doppelspurig verlaufen wird bis bisher: In Rom verspricht man Glaubensgehorsam, Loyalität und Gesprächsbereitschaft. In Deutschland schafft man unterm Radar eine neue Kirche und behauptet öffentlich, der Prozess sei „unumkehrbar“. Das ist falsch, denn Umkehr ist immer möglich, man muss nur wollen. Man will aber nicht. Doch eines muss klar sein: Ohne Rückbindung an Tradition, Schrift und Offenbarung bleibt Reform doch nur Selbstsäkularisierung. Und im deutsch Fall auch Selbstpolitisierung.

Söding sagte auf der letzten Synodalversammlung in Stuttgart offen, die geplante Synodalkonferenz sei in ihrer Struktur mit der UNO vergleichbar. Wer das sagt, weiß, was er tut. Die UNO ist kein Ort der Wahrheitssuche, sondern ein Ort der Interessenbalance. Dort entscheiden Mehrheiten, nicht die Wahrheit. Wieder etwas, wovor Papst Franzskus unermüdlich gewarnt hat.

Bezeichnend ist, dass dieser Vergleich nun so offen ausgesprochen worden ist, wo die synodalen Protagonisten sich sonst immer gegen jeden politischen Vergleich gewehrt hatten: Nach Jahren der Beschwichtigung  war der UNO-Vergleich vermutlich nicht einmal nur ein unfreiwilliger Ausrutscher, sondern den Moment, in die Masken fallen. Zu sicher scheint man sich inzwischen des eigenen Sieges. Noch entlarvender war ein weiterer Satz Södings: Die Zusammensetzung des Gremiums werde sich „immer wieder fortschreiben“. Gleichzeitig sprach Söding von Legislaturperioden. Legislaturperioden ohne Wahl sind in der Politik ein Skandal. In der Kirche sind sie ein Fremdkörper. Die Kirche kennt Sendung, Weihe, Beauftragung – aber keine selbstreferenziellen Machtzirkel.

Was hier entsteht, ist ein geschlossenes System, ein sorgfältig selektierter Kreis von Mitgliedern, von denen man sicher weiß, dass sie den deutschen Kurs fortsetzen werden und bereit sind, Rom abzuhängen. Wer einmal drin ist, bleibt Teil der Struktur. Kontrolle? Fehlanzeige. Rechenschaft? Allenfalls gegenüber Laiengremien, nicht gegenüber dem Lehramt. Geistliche Autorität? Ersetzt durch Geschäftsordnungen. Willkommen in der deutschen Parallel-„Kirche“.

Der heilige Ignatius von Antiochien schrieb im 2. Jahrhundert: „Wo der Bischof erscheint, dort sei die Gemeinde; so wie dort, wo Christus Jesus ist, die katholische Kirche ist.“ Der Synodale Weg hat daraus gemacht: Wo das Gremium ist, da ist die Deutungshoheit.

Das ist keine Synodalität, das ist administrative Erschöpfungstaktik. Es drängt sich der Eindruck auf, als wollten die Protagonisten Rom so lange mit diesem verhängnisvollen Manöver beschäftigen, bis es müde wird und resigniert verwaltet, was in Deutschland längst entschieden ist. Doch das wird Leo nicht zulassen. Schon sein Vorgänger schrieb 2019 in seinem Brief an die Kirche in Deutschland: „Jeder synodale Weg, der sich nicht vom Evangelium her nährt, ist zum Scheitern verurteilt.“

Zwar wollten und wollen die deutsch-Synodalen das überhören. Doch Fakt bleibt Fakt: Der deutsche Weg nährt sich von Machtlogik, nicht vom Evangelium. Immer wieder wird die Rede Missbrauchsskandal und ein falsch verstandener sensus fidei  in diese Pläne eingefädelt — eine perfide, aber wirksame Taktik, mit der die Deutsch-Synodalen ihr Projekt gegen inhaltliche Kritik abschirmen und es moralisch unangreifbar erscheinen lassen wollen.

Johannes Paul II. formulierte in „Novo Millennio Ineunte (2001), Nr. 43“: „Es wäre falsch zu glauben, dass Programme, Strukturen oder organisatorische Reformen ausreichen, um die Kirche zu erneuern.“ Der Synodale Weg ist kein geistlicher Aufbruch. Er ist ein politischer Machtapparat mit sakraler Rhetorik, die eingesetzt wird, um sich der kirchlichen Kontrolle zu entziehen. Man spricht von Synodalität, um Autorität zu relativieren; von Reform, um Bruch zu kaschieren und von Dialog, um Entscheidungen zu zementieren. Wie treffend sind die Worte des heiligen Paulus: „Denn es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht erträgt.“ (2 Tim 4,3) Und wo die Wahrheit liegt und wo Täiuschung, erkennt man spätestens an den Früchten.


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Lesermeinungen

 Versusdeum vor 3 Stunden 
 

@ThèréseL

Das geht wohl fast jedem so - spätestens dann, wenn man weiß, dass Bonhoeffer es in der Gestapohaft und angesichts der drohenden (und dann auch bald erfolgten) Hinrichtung schrieb.


0
 
 Johannes14,6 vor 5 Stunden 
 

Die Masken fallen...

Liebe Dorothea Schmidt, Ihrer Bestandsaufnahme kann ich nur zustimmen.
So sehr ich Verständnis für alle Teilnehmer habe, die vorzeitig "ausgestiegen" sind, frage ich mich, ob das Ergebnis nicht anders ausgefallen wäre, wenn sie dabeigeblieben wären und in den Abstimmungen ihre Ablehnung durchgetragen hätten.

Nachdem nun aber die Konservativen vergrault waren, konnten die Verbliebenen behaupten, sie seien "DIE KIRCHE in Deutschland" - eine Dreistigkeit, auf dem Weg zur Selbst - Säkularisierung.

Daß Papst Leo die Entwicklung in Deutschland aufmerksam beobachtet, glaube ich wohl, ob er einschreitet, zB gegen die Satzung der "Synodalkonferenz", bezweifle ich.

Was für mich bleibt, ist ein Gefühl der Ohnmacht, als Kirchensteuerzahler ausgeliefert zu sein und überrollt zu werden von einer Entwicklung, die ich als ideologischen Irrweg ablehne, wie sie auch im Fazit von Prof. Söding zum Ausdruck kommt:

www.herder.de/hk/online-exklusiv/synodaler-weg-aufbruchssignal-mit-stoergeraeuschen/


0
 
 ThèréseL vor 7 Stunden 
 

Ein Text / ein Lied das Hoffnung macht

Im Kontext mit den synodalen Irrungen und Wirren brachte mein Mann grad eines unserer Lieblingslieder ins Spiel.
Von Guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost was kommen mag …
Ich finde, dieses Lied drückt so wunderbar aus, dass egal was kommt, Gott immer an unsere Seite ist. Ich bekomme stets eine Gänsehaut wenn ich es höre.


2
 
 modernchrist vor 7 Stunden 
 

Diese Abrechnung einer jungen Insiderin mit

dem Synodalzirkus ist grandios! Klar sind die Ziele der Synodalisten herausgearbeitet: Machtübernahme jetzt und auf lange Jahrzehnte hin! Gespeist von: einem hybrischen Misstrauen gegenüber den Bischöfen, auch gegenüber dem Vatikan; einer herzlosen Ausgrenzung aller Konservativen und Lehretreuen; einer gehirngewaschenen Unterwerfung gegenüber dem aktuellen Mainstream aus Genderideologie und Sexualfimmel; einer deutschen Kirchenverbesserungs-"weisheit" ohne Gleichen. Motto: Die Gesamtkirche wartet auf unsere Vorschläge! Wer dem geplanten Monitoring zustimmt, für den gilt: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. Methode der Reformisten: "Die Praxis geht der Lehre voraus!" Wir dulden schon mal in allen Pfarrhäusern die Lebenspartner; wenn dann Kinder kommen, machen wir eben vorerst mal "Segnungen" dieser Paare. Alles Weitere ergibt sich. Toll?


3
 
 Versusdeum vor 10 Stunden 
 

Schleichende "feindliche Übernahme" also

Und jetzt? Was soll Rom unternehmen und was jene Bischöfe, denen es nicht egal ist, in welcher Sekte und / oder getarnten politischen Vorfeldorganisation die ihnen anvertrauten Gläubigen am Ende landen? Immerhin geht es um nicht weniger als deren ewiges Seelenheil! Die wichtigsten Sofortmaßnahmen waren der Ausstieg einzelner mutiger guter Hirten aus dem syn(d)odalen Prozess, die damit öffentlich Grenzen aufzeigen und gleichzeitig auch einstimmig beschlossen werden müssende Gelder der Bischofskonferenz für diese "Revolution der Apparatschiks" blockierten. Und natürlich, dass Rom (sogar unter Franziskus!) klargemacht hatte, dass es so nicht geht und auf ein Schisma zulaufe (dass dies selbst Bischöfe als Zustimmung umgedeutet hatten, ist deren Vergehen).
Doch wie geht es weiter? Wird man nochmals jahrelang zusehen, während sich die meisten Bischöfe und Bistümer einem willkürlich erschaffenen und aktivistischen Laiensowjet unterwerfen und die Kirche bis zur Unkenntlichkeit umbauen?


2
 
 Aventinus vor 11 Stunden 
 

"Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" ...

... waren die Worte unseres Herrn Jesus zum Tun der damaligen vermeintlich Rechtgläubigen aus ihrem scheinbar vernünftigen Kalkül, daß "besser dieser eine stirbt, als daß das ganze Volk zugrunde geht", womit sie aber nur den eigenen Untergang noch in derselben Generation bewerkstelligt hatten. "Denn Gott schickte ihnen einen Geist der Verblendung ..." (Röm. 11,8). Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich leider erschreckend oft.


2
 

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