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Papst ernennt Grünwidl zum Ordinarius für katholische Ostkirchen

vor 4 Stunden in Österreich, 2 Lesermeinungen
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Wiener Erzbischof folgt Kardinal Schönborn in Verantwortung für über 20.000 Gläubige unterschiedlicher Rituskirchen in Österreich - Grünwidl: Ostkirchen und ihre Gläubigen sind "wahrer Schatz" und beeindrucken durch "starkes Glaubenszeugnis"


Vatikanstadt/Wien (kath.net/KAP-ÖBK) Erzbischof Josef Grünwidl ist ab sofort auch Ordinarius für die katholischen Ostkirchen in Österreich. Der Vatikan hat die Ernennung Grünwidls durch Papst Leo XIV. Samstagmittag mitgeteilt. Grünwidl steht damit dem Ostkirchenordinariat als bischöflicher Letztverantwortlicher vor und folgt in dieser Funktion auf Kardinal Christoph Schönborn.

"Die katholischen Ostkirchen sind mit ihrer liturgischen Vielfalt und ihren vielen Besonderheiten ein wahrer Schatz - nicht nur in Wien und Österreich, sondern für die gesamte Weltkirche", betonte Grünwidl nach seiner Ernennung gegenüber Kathpress. "Besonders beeindruckt mich die Treue und Standhaftigkeit der Gläubigen dieser Rituskirchen. Viele von ihnen haben persönliche Benachteiligung und Verfolgung aufgrund ihres Glaubens erlebt. Ich bin dankbar für ihr starkes Glaubenszeugnis und freue mich auf meinen neuen Dienst als Ordinarius für sie", so der Wiener Erzbischof.

Schönborn erfreut über Entscheidung

"Mit Freude" hat Kardinal Schönborn auf die Entscheidung des Papstes reagiert. "Wien hat eine lange Tradition der Verbundenheit mit dem christlichen Osten und speziell mit den katholischen Ostkirchen. Es war für mich eine Ehre und Freude, dass ich über 30 Jahre lang den Dienst an den katholischen Gläubigen der Ostkirchen wahrnehmen konnte", hielt der Kardinal gegenüber Kathpress fest.  

In dieser Zeit sei die Zahl der Gläubigen und der Priester - leider auch bedingt durch Kriege und Konflikte - deutlich gewachsen. So sei es zu einem Ausbau des Ordinariates und die Gründung vieler Gemeinden in den Bundesländern gekommen - nicht zuletzt aufgrund der Initiative von Ostkirchen-Generalvikar Yuriy Kolasa, dem Schönborn dafür sehr dankte. "Erzbischof Josef hat schon in kurzer Zeit einen persönlichen und aufmerksamen Kontakt zu den Katholiken der Ostkirche gezeigt und ich wünsche ihm für diesen wichtigen Dienst die Kraft des Heiligen Geistes angesichts einer Zeit, in der es für viele Christen des Ostens schwieriger geworden ist", sagte der Kardinal.


Kolasa bleibt Generalvikar

Im Ostkirchenordinariat sind alle katholischen Ostkirchen vereint, die in Österreich Strukturen haben. Es zählt inzwischen deutlich über 20.000 Gläubige unterschiedlicher Kirchen; Tendenz steigend. Die ukrainische Griechisch-katholische Kirche ist die mit Abstand größte byzantinische katholische Ostkirche in Österreich. Es gibt zudem auch Gemeinden der rumänischen, slowakischen und melkitischen Griechisch-katholischen Kirche sowie vereinzelt Gläubige der Griechisch-katholischen Kirche in Ungarn, der Griechisch-katholischen Kirche in Serbien (Eparchie Sankt Nikolaus Ruski Krstur) sowie der griechisch-katholischen Eparchie von Mukachevo (Ukraine).

Zu den byzantinischen katholischen Ostkirchen kommen in Österreich auch noch einige orientalische katholische Ostkirchen (Maronitische Kirche, Armenisch-Katholische Kirche, Chaldäische Kirche, Syro-Malankarische Kirche, Syro-Malabarische Kirche, und äthiopisch-katholische Kirche).

Dem Ostkirchenordinariat gehören derzeit rund 85 Priester an. Es gibt die Zentralpfarre St. Barbara in Wien und rund 35 Seelsorgestellen, verteilt auf ganz Österreich. Generalvikar des Ordinariats ist Erzpriester Yuriy Kolasa. Er hat damit die operative Leitung des Ordinariats über und wird diese Funktion auch weiterhin ausüben.

Feier zur Amtsübergabe im Herbst

Der jeweilige Erzbischof von Wien steht den katholischen Ostkirchen als Ordinarius vor. Er trägt damit die bischöfliche Letztverantwortung. Die Ernennung ergeht allerdings nicht automatisch mit der Ernennung bzw. Weihe zum Erzbischof einher, sondern erfolgt in einem eigenen Akt. Deshalb war Kardinal Schönborn auch nach seiner Emeritierung als Wiener Erzbischof bis jetzt für die katholischen Ostkirchen zuständig. Eine feierliche liturgische Amtsübergabe von Schönborn an Grünwidl wird im Herbst erfolgen. 

23 katholische Ostkirchen

Als katholische Ostkirchen werden eigenständige Kirchen ("Ecclesiae sui iuris"- Kirchen eigenen Rechts) bezeichnet, die aus Ortskirchen des östlichen Christentums entstanden sind, also aus orthodoxen oder orientalisch-orthodoxen Kirchen, und im Laufe der Zeit mit Rom eine Union eingegangen sind. Alle 23 katholischen Ostkirchen anerkennen den Papst als Oberhaupt, sie besitzen aber zugleich unterschiedlich ausgeprägte innerkirchliche autonome Rechte. Sie haben ihr eigenes Kirchenrecht, festgehalten im 1990 erschienenen Codex Canonum Ecclesiarum Orientalum (CCEO) und erweitert um jeweils spezifische eigene Regelungen.

Die katholischen Ostkirchen feiern ihre Gottesdienste nach ihrem eigenen Ritus. Dieser kann byzantinisch, westsyrisch, ostsyrisch, koptisch oder armenisch sein. In fast allen katholischen Ostkirchen gibt es verheiratete Priester, die Sakramentenpraxis unterscheidet sich in einigen Details von jener in der römisch-katholischen Kirche, teilweise gibt es auch unterschiedliche theologische Lehrinhalte.

Gerade durch die Migrationsbewegungen der letzten zehn Jahre - ausgelöst vor allem auch durch die dramatische Situation im Nahen Osten und in der Ukraine - sind viele Gläubige katholischer Ostkirchen in den Westen gekommen, was große Herausforderungen für diese Kirchen in der sogenannten Diaspora mit sich gebracht, zugleich aber auch ihre Bekanntheit gesteigert hat.

Die Kirchen werden entsprechend ihrem Status als Patriarchatskirchen (mit einem Patriarchen an der Spitze), Großerzbischöfliche Kirchen (mit einem Großerzbischof an der Spitze), Metropolitankirchen (mit einem Metropoliten an der Spitze), sowie in Eparchie- bzw. Exarchatskirchen und solche ohne eigenständige Hierarchie eingeteilt. Gerade im Blick auf Letzteren gibt es keine rechtsverbindliche Aufzählung der Kirchen, weshalb die Zahl 23 auch nicht ganz eindeutig ist. Manche Experten setzen sie höher an.

Eine kirchenrechtliche wie auch pastorale Besonderheit sind zudem sogenannte Ostkirchenordinariate, in denen in westlichen Ländern einige der Ostkirchen zusammengefasst sind und unter der Letztverantwortung eines römisch-katholischen Ortsbischofs stehen. Ein solches Ostkirchenordinariat besteht neben Österreich in ähnlicher Form auch in Argentinien, Brasilien, Frankreich, Griechenland, Rumänien und Spanien.

Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Archivfoto: Erzbischof Grünwidl (c) Katholische Presseagentur Wien/Paul Wuthe


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Lesermeinungen

 Versusdeum vor 2 Stunden 
 

Wer einmal eine feierliche

orthodoxe Liturgie mit Ikonostase und "Tiefbass-Diakon" erlebt hat, wird das sicherlich nie vergessen. Welch ein Kontrast zur Banalität auf praktisch allen Ebenen, mit der man hierzulande nicht selten beglückt wird, selbst, wenn man eine Hl. Messe besucht.


0
 
 Hängematte vor 3 Stunden 
 

Am 21.April 2025, dem Todestag von Papst Franziskus,

wurde die Gründung der syro-malabarischen Gemeinde in der Diözese Graz-Seckau an der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariahilf in Graz in Anwesenheit des Generalvikars für die kath. Ostkirchen in Österreich, Yuri Kolasa, gefeiert. Zugleich wurde ein Kaplan dieser Minoritenkirche zum Pfarrer dieser Gemeinde ernannt. Ein Gottesdienst in diesem Ritus findet einmal im Monat statt. Die Mitglieder dieser Gemeinde besuchen eifrig die römisch-katholischen Messen.

smcgraz.at/


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