Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Brasilianischer Erzbischof droht Teilnehmern an der Alten Messe Exkommunikation an
  2. Österreich: Liturgische Kommission wirbt für Kommunion in beiderlei Gestalt
  3. Ist die Zeit der Barmherzigkeit bald vorbei? Stehen wir kurz vor der Zeit des Gerichts?
  4. Ab Juli müssen Besucher Eintritt für den Kölner Dom bezahlen
  5. "Alle Iraner feiern. Die schlimmsten Menschen der Welt weinen"
  6. Um Gottes willen: „die Waffen nieder“ – Kardinal Brandmüllers Ruf zur liturgischen Vernunft
  7. Möge die Versöhnung der Kirche in Deutschland gelingen
  8. Toni Faber und der Zölibat - Beschwerdewelle gegen Wiener Dompfarrer
  9. Ein Gott, der nichts mehr verlangt
  10. Der Apostolische Stuhl und die FSSPX: Wenn Extreme sich berühren
  11. Papst antwortet auf Leserbrief eines Atheisten
  12. "Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"
  13. Kärntner Ordinaritaskanzler: Rechthaberei in der Kirche überwinden
  14. Beschließen ohne zu entscheiden?
  15. Die Nazi-Projektion

Schweizergarde: Jüdische Betroffene schildert Details zu antisemitischem Vorfall im Vatikan

8. November 2025 in Weltkirche, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Schweizergardist soll in ihre Richtung gespuckt haben und die jüdische Delegation verächtlich gemacht haben - Israelische Autorin Michal Govrin in Kathpress-Interview: "Wir waren komplett schockiert. So ein Vorfall ausgerechnet im Vatikan?"


Wien/Rom (kath.net/KAP) Nach dem antisemitischen Vorfall, bei dem ein Schweizergardist vergangene Woche zwei Mitglieder der jüdischen Delegation am Rande einer Tagung zu "Nostra aetate" verächtlich gemacht und in ihre Richtung gespuckt haben soll, hat sich nun eine der Betroffenen zu Wort gemeldet und Details zum Vorfall geschildert. Der Vorfall habe sich am Durchgang zum Petersplatz ereignet, wo ein Schweizergardist "mit tiefer Verachtung in unsere Richtung 'les juifs' gesagt" habe, schildert die israelische Autorin Michal Govrin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress (Donnerstag).

"Wir schauten uns an und waren komplett schockiert", so die Autorin. "So ein Vorfall ausgerechnet im Vatikan? Ein unverblümter Ausdruck von Judenhass in krassem Kontrast zu den Worten des Papstes am Abend zuvor". Daraufhin habe ihre Begleitung - ebenfalls eine Jüdin - den Gardisten auf seine Worte angesprochen, der abstritt "les juifs" gesagt zu haben. Als sie ihn daraufhin fragten, warum er sie anlüge, habe er "in klarer Verachtung" in ihre Richtung gespuckt ("an act of spitting in our direction"). Auf ihre Beschwerde bei höherer Stelle hin habe man sich vielfach entschuldigt und zugesichert, der Vorfall werde untersucht. "Aber der Vorfall hat Spuren hinterlassen."


Sie sei "mit hohen Erwartungen" von Jerusalem zu der Tagung und zur Feier des Konzilsdokuments "Nostra aetate" gekommen - und die Begegnungen mit Christinnen und Christen während der Tage in Rom sowie die klaren Worte von Papst Leo XIV. und seine "klare Verurteilung des Antisemitismus" und die "Betonung der engen Bande zwischen Katholischer Kirche und Jüdinnen und Juden" hätten sie "mit Hoffnung erfüllt", dass die Katholische Kirche tatsächlich eine Kehrtwende vollzogen habe und weiterhin "auf dem Weg von 'Nostra aetate'" sei.

Umso größer sei der Schock gewesen, als sie mit diesem Ereignis realisieren musste, "wie tief die Stereotypen über Juden im Bewusstsein und Unterbewusstsein der christlichen Gläubigen offenbar immer noch verankert sind", so Govrin. Auch ein weiterer Vorfall, bei dem ein Rabbi in diesen Tagen auf den Straßen Roms angespuckt worden sei, habe ihren Optimismus gedämpft: "Die Atmosphäre war insgesamt angespannt", erinnerte sich die Autorin.

Dies habe nicht zuletzt mit dem komplexen Kriegsgeschehen in Gaza zu tun. Auch wenn Papst Leo darauf gedrängt habe, "dass dieser Konflikt den Prozess der spirituellen Annäherung und gegenseitigen Anerkennung nicht stören möge", so sei doch allen klar gewesen, dass die "schreckliche Gewalt des Krieges" einen hohen Preis auch für den interreligiösen Dialog zwischen Juden und Christen fordern würde: "Dennoch gab es viel Hoffnung und Mut. Ich spürte, dass Religion ein enormer und kraftvoller Faktor für die Schaffung einer friedlichen und akzeptierenden Welt sein kann, da sie Menschen auf der ganzen Welt erreicht und das Herz der Menschheit berührt."

Auch wenn der Vorfall gezeigt habe, dass "noch viel Arbeit getan werden muss" auf christlicher Seite, um die teils tief verankerten Vorurteile und den Antisemitismus in Teilen des Katholizismus zu zerstreuen, so wolle sie sich doch ihre Zuversicht nicht nehmen lassen, schloss die Autorin: "Ich glaube, die Begegnung in Rom war ein weiterer positiver und offizieller Schritt auf dem langen Weg zur Verbesserung des schmerzhaften Verhältnisses zwischen der katholischen Kirche und dem jüdischen Volk." Und sie hoffe, "dass Nostra aetate im Geiste des Friedens zwischen allen Nationen und Religionen umgesetzt wird", so Govrin.

Michal Govrin wurde 1950 in Tel Aviv als Tochter einer Holocaust-Überlebenden geboren. Sie studierte Literatur und Theaterwissenschaften an der Universität Tel Aviv und promovierte an der Universität Paris. Sie ist Autorin, Regisseurin und unterrichtet u.a. an der Jerusalem School for Visual Theater. Sie gilt als eine der bekanntesten intellektuellen Stimmen Israels und wurde für ihre literarischen Bücher vielfach ausgezeichnet. 2023 erschien ihr Roman "Strandliebe". Heuer ist außerdem der von ihr herausgegebene Band "But There Was Love. Shaping the Memory of the Shoah" erschienen (De Gryuter-Brill).
Copyright 2025 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
(www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Antisemitismus

  1. Israel wird Charlie Kirk für dessen Einsatz gegen Antisemitismus ehren
  2. Sydneys Erzbischof: "Angriff auf Juden ist Angriff auf uns alle"
  3. „Die katholische Gemeinschaft hat heute Morgen für unsere jüdischen Nachbarn und Freunde gebetet“
  4. Wien: Erzdiözese distanziert sich "auf das Schärfste" von Palästina-Flaggen auf Votivkirche
  5. Eklat durch NS-Vergleich gegenüber Israel bei interreligiösem Kongress in Rom
  6. Botschaft Israel: „Ein Gotteshaus in Deutschland darf nicht für Blutlügen missbraucht werden“
  7. Jüdische Studenten und Professoren begrüßen Vorgehen der Regierung Trump gegen Antisemitismus
  8. Deutschland: Muslime eher antisemitisch als der Durchschnitt der Bevölkerung
  9. „Jerusalem Post“: Davidsstern wird von Twitter als „hasserfülltes Bild“ gesperrt
  10. Henryk Broder: Antisemitismus wird verwaltet wie die Armut







Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDUNG nur mehr bis 25. MÄRZ möglich!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Toni Faber und der Zölibat - Beschwerdewelle gegen Wiener Dompfarrer
  4. "Alle Iraner feiern. Die schlimmsten Menschen der Welt weinen"
  5. "Europa hat die Gefahr der islamischen Republik Iran noch immer nicht begriffen"
  6. "Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"
  7. Um Gottes willen: „die Waffen nieder“ – Kardinal Brandmüllers Ruf zur liturgischen Vernunft
  8. Ist die Zeit der Barmherzigkeit bald vorbei? Stehen wir kurz vor der Zeit des Gerichts?
  9. Der Apostolische Stuhl und die FSSPX: Wenn Extreme sich berühren
  10. Brasilianischer Erzbischof droht Teilnehmern an der Alten Messe Exkommunikation an
  11. Möge die Versöhnung der Kirche in Deutschland gelingen
  12. Österreich: Liturgische Kommission wirbt für Kommunion in beiderlei Gestalt
  13. Ein Gott, der nichts mehr verlangt
  14. Kärntner Ordinaritaskanzler: Rechthaberei in der Kirche überwinden
  15. Papst antwortet auf Leserbrief eines Atheisten

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz